Duathlon

Spannung am Powerman in Zofingen: Schweizer Top-Duell bei den Frauen

Beim Powerman Zofingen 2019 ist bei den Frauen das gesamte letztjährige Podium wieder am Start mit (von links): Melanie Maurer (SUI), Petra Eggenschwiler (SUI) und Antonia Reznikov (ISR).

Beim Powerman Zofingen 2019 ist bei den Frauen das gesamte letztjährige Podium wieder am Start mit (von links): Melanie Maurer (SUI), Petra Eggenschwiler (SUI) und Antonia Reznikov (ISR).

Am Zofingen ITU Powerman Long Distance Duathlon World Championships können sich die Zuschauer auf ein Schweizer Frauen-Top-Duell freuen: Wie schon oft in dieser Saison versucht die 31-jährige in Liebefeld wohnhafte Wikonerin Melanie Maurer die gleichaltrige Solothurner Titelverteidigerin Petra Eggenschwiler zu schlagen.

Bei den Männern ist das Rennen um den WM-Titel im Gegensatz zu den Frauen völlig offen, zumal auch noch unklar ist, ob der französische Titelverteidiger Gaël Le Bellec überhaupt starten kann.

Am 8. September 2019 gibt es in Zofingen erneut ITU Powerman Long Distance Duathlon World Championships. Dass die ITU (International Triathlon Union) und die IPA (International Powerman Association) diese nach 1997, 1998, 1999, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017 und 2018 nun schon zum 12. Mal, notabene zum neunten Mal in Serie, nach Zofingen vergeben.

Schade nur, dass wohl nicht beide WM-Titelverteidiger am Start sein werden. Ob Gaël Le Bellec seinen Titel am 8. September 2019 in Zofingen verteidigen kann, ist völlig unklar. Der französische Weltranglistenerste Gaël Le Bellec wurde am 5. Mai beim Powerman Michigan in Frankenmuth auf der zweiten Radrunde von einem Auto abgeschossen und ist immer noch verletzt. «Ich versuche mein Bestes, um meinen WM-Titel verteidigen zu können.»

Topfavoritin Petra Eggenschwiler

Bei den Frauen ist die Titelverteidigerin Petra Eggenschwiler die Topfavoritin. Die in Laupersdorf aufgewachsene Solothurnerin spulte im letzten Jahr die neu konzipierte Strecke ( 10 Km Laufen, 150 Km Velofahren, 30 km Laufen) in 7 Stunden und 39 Sekunden ab. Sie war damit über 22 Minuten schneller als die Zweitplatzierte, in Wikon aufgewachsene Bernerin Melanie Maurer.

Im dänischen Viborg wurde sie Europameisterin im Powerman ETU Mitteldistanz-Duathlon, vor Maurer. Einzig an den Schweizer Duathlon-Meisterschaften 2019 wurde die 31-Jährige von Maurer auf Platz 2 verwiesen. Nun trumpft Eggenschwiler auch im Triathlon gross auf: 5. Rang am PRO Frauen Halbironman Rapperswil 2019 bei ihrem Debüt und 6. Rang (3. Europäerin) kurz darauf beim Ironman Frankfurt (Ironman-EM).

«Ich konnte mich was die Rennlänge anbelangt stark verbessern, habe mehr Ausdauer.» Am 8. September will Eggenschwiler ihren WM-Titel verteidigen. «Ich will zumindest aufs Podest steigen.» Im Vergleich zum letzten Jahr könne sie beim Powerman Zofingen noch «alles» besser machen.

Letztjährige WM-Dritte am Start

Härteste Konkurrentin in Zofingen dürfte erneut Melanie Maurer sein, die neu einem französischen Team angehört. «Ich will meine Topleistung von 2018 bestätigen und bei meinem dritten Start in Zofingen mindestens in die Top 5.» Mit dem bisherigen Saisonverlauf sei sie zufrieden. Viel mehr lässt sich Maurer nicht entlocken. «Nein, ausser, dass meine Katze schwanger ist und ich mich auf die Katzenbabies freue.»

Mit Antonia Reznikov startet auch die letztjährige WM-Dritte in Zofingen. Die 37-jährige Israelin setzte in dieser Saison vor allem auf Triathlon. «Ich finishte vier Rennen über die Ironman-Distanz und einmal gewann ich sogar.» Zofingen war für Reznikov Liebe auf den ersten Blick: «Bei meinem Debüt im letzten Jahr gefiel mir das Rennen so sehr, dass ich mich gleich im Ziel dazu entschieden habe, beim 31. Powerman Zofingen wieder dabei zu sein.»

Frühere Sieger lauern

Da die einzelnen Nationen ihre Elite-Athletinnen und -Athleten erst wenige Wochen vor dem Powerman Zofingen selektionieren, ist das mit der Favoritenfrage immer eine schwierige Sache. So ist der persönliche Kontakt zu den Cracks gefragt. «Ja, ich bin beim 31. Powerman Zofingen am Start», mailte Maxim Kuzmin am 22. Juli, an seinem 31. Geburtstag.

Der Russe hatte 2017 völlig überraschend in Zofingen den WM-Titel geholt, im letzten Jahr war er Vierter geworden. An den russischen Duathlon-Sprintmeisterschaften wurde er Zweiter und an den russischen Triathlon-Meisterschaften über die Mitteldistanz Vierter: «Mit dem bisherigen Saisonverlauf bin ich nicht restlos zufrieden, brach ich mir doch im Juni nach einem Sturz vom Velo den rechten Arm.» Für den 8. September hat der wieder genesene Russe jedoch ein glasklares Ziel: «Ich will gewinnen!»

Dasselbe verkündet Seppe Odeyn: «Ich komme nach Zofingen um zu gewinnen – was sonst!?». Der 32-jährige Belgier startet in Zofingen zum sechsten Mal, wobei er dreimal auf dem Podium stand: 2017 und 2015 auf dem 2. Platz, 2016 gewann er. Odeyn hatte zu Beginn der Saison einige Probleme.

«Ich hatte eine Verletzung und musste das Rennen beim Powerman Alsdorf abbrechen, dann wurde ich krank und musste die Europameisterschaften in Viborg absagen.» So gewann die aktuelle Weltranglisten-Nummer 28 in dieser Saison bisher nur ein Rennen, den Powerman Greece. Ende September letzten Jahres wurde Odeyn jedoch Vater eines Sohnes namens Vik, der ja vielleicht für «Victory» steht.

Van Looy will es wissen

Der 30-jährige Franzose Yannick Cadalen (je Platz 2 in den Jahren 2018 und 2014), die Weltranglisten-Nummer 6 hat dieses Jahr nur wenige Rennen bestritten: «Bei meinem sechsten Start in Zofingen gebe ich mein Bestes, um zuoberst aufs Podest steigen zu können.» Und dann wäre da noch Diego Van Looy. Der 28-jährige Belgier hat bisher eine Top-Saison gehabt.

«Ich gewann drei Ironman und möchte die Saison mit einem Top-Resultat beenden», so die Weltranglisten-Nummer 28. «In Zofingen will ich aufs Podest, wenn möglich ganz nach oben.» Van Looy bestritt den Powerman Zofingen schon einmal. «2015 und dies nur aus Spass und schon damals landete ich auf Platz 9.»

Top-5 als Ziel

Viele Athleten geben heuer «Top-5» als Ziel beim Powerman Zofingen an. So beispielsweise auch der in Australien lebende 29-jährige Holländer Thomas Bruins. «Aus beruflichen Gründen musste ich mein Trainings- und Wettkampfprogramm ein wenig drosseln. Ich habe mehr Zeit auf dem Mountainbike verbracht und bin mit meinem Hund Laufen gegangen.» Einen Platz in den Top-5 sofort unterschreiben würde wohl auch die aktuelle Weltranglisten-Nummer 4.

Der 31-jährige Liechtensteiner Michele Paonne erreichte Rang 3 beim Powerman Mallorca und je Rang 2 beim Powerman Griechenland und beim Powerman Swiss in Tramelan. «Mit der ersten Saisonhälfte bin ich dann auch sehr zufrieden.» Doch dann kam der 7. Juli und ein Trainingssturz auf dem Rad bei 55 km/h über den Rheindamm ändert nun die Optik: «Ich versuche alles, um rechtzeitig auf den 8. September wieder fit zu sein.» Noch bescheidener gibt sich Peter «Oz» Ellis.

«Ich will in Zofingen in den Top-10 finishen», sagt der am 16. August 1983 geborene Engländer. Dabei ist der Powerman-Weltranglistenzweite in Topform: «Das habe ich mit meinen beiden Siegen am Powerman Hawaii und beim Powerman Michigan unter Beweis gestellt.» Jedenfalls will Ellis in Zofingen diesmal besser abschneiden als bei seiner Premiere (Rang 23) vor zwei Jahren.

Grosser Respekt

Dass der Powerman Zofingen nicht einfach ein normales Duathlon-Rennen ist, beweisen Aussagen von mehreren Cracks der Top-Ten-Weltrangliste Powerman 2018/19. «Vor zwei Jahren habe ich in Zofingen die Kurzdistanz bewältigt, doch für die Langdistanz ist es heuer noch zu früh», meint da etwa die Weltranglisten-Nummer 6, der 26-jährige Belgier Jan Petralia.

Ähnlich grossen Respekt vor dem Powerman Zofingen hat die 33-jährige Österreicherin Sandrina Illes, Nummer 7 in der Weltrangliste: «Wie im letzten Jahr konzentriere ich mich auf die Sprint- und Standard-Strecken und lasse Zofingen aus.»

Schweizer Trümpfe

Sami Götz, Chef Leistungssport Duathlon bei Swiss Duathlon, glaubt an eine Schweizer WM-Titelverteidigung bei den Frauen: «Petra Eggenschwiler und Melanie Maurer erwarte ich wiederum auf dem WM-Podest. Bei den Männern traue ich dies am ehesten Michael Ott zu, der nicht dem National-Kader angehört und auch Rolf Wermelinger ist bei mir hoch im Kurs.»

Ott selbst ist bereit für Grosstaten am Powerman Zofingen: «Ich will am 8. September um die besten Podestplätze mitmischen.» Bis jetzt verlaufe die Saison besser als erwartet. Der 37-jährige Zürcher wurde Schweizermeister Duathlon über die Kurz- und Mitteldistanz, siegte beim Powerman Tramelan «und ausser Gürbenthal gewann ich alle Rennen der Eisenhorn Swiss Duathlon Series».

Ott ist Teilzeitsportler, arbeitet noch zu 50 Prozent als Schreiner und kommt vom Laufsport. Wermelinger geht in Zofingen zum vierten Mal über die Langdistanz an den Start. Mit Rang 6 erzielte der 40-jährige Kirchenthurner bisher sein bestes Resultat. «Mein Ziel sind die Top 10.» Nach der Absage seiner Diplomarbeit konnte der Student seinen Formrückstand vom Frühling her wettmachen.

Erfahrungen sammeln für den Angriff aufs WM-Podium

«Seit anfangs Juli gehe ich keiner Arbeit nach und kann mich voll und ganz auf die Vorbereitung des Powerman Zofingen fokussieren.» Der 32-jährige Wädenswiler Fabian Zehnder startet in Zofingen heuer zum siebten Mal über die Langdistanz, wobei bisher Rang 9 sein Bestresultat war: «Ich will in die Top 5 kommen, bin mit dem bisherigen Saisonverkauf zufrieden.»

Zehnder wurde an der EM in Viborg Fünfter und Vize-Schweizermeister über die Duathlon-Kurzdistanz. Der 26-jährige Jens Gossauer aus Uster will heuer in Zofingen Erfahrungen sammeln für einen Angriff aufs WM-Podium 2020: «Nach der letzten Saison mit WM-Rang 8 beim Debüt in Zofingen, hatte ich mich mehr erhofft, doch meine Formkurve zeigt nach oben.» Locker nimmt es die 32-jährige Churerin Nina Zoller, aktuelle Weltranglisten-Vierte: «Ich möchte das Rennen geniessen und freue mich, wenn ich vorne ein bisschen mitmischen kann.»

Zoller wurde in Zofingen bisher jedes Mal Vierte (2017 und 2018). Podestchancen hat auch die Winterthurerin Daniel Schwarz. Die Weltranglisten-Nummer 13, die am 9. September 34 Jahre alt wird, ist in Topform, gewann den Gigathlon 2019 (Single), die eigene Altersklasse beim Ironman Switzerland 70.3 und Rang 2 bei 140.6: «Bei der Premiere über die Langdistanz in Zofingen wurde ich im letzten Jahr Fünfte und diesmal will ich eine geile Leistung abliefern.»

Noch offen

Immer für ein Topergebnis gut, wenn sie in Zofingen startet, ist die 37-jährige Deutsche Katrin Esefeld. Die aktuelle Weltranglisten-Elfte, die nun vor allem auf Triathlon setzt (Altersklassensieg beim Ironman Zürich 2019 und damit qualifiziert für den Ironman Hawaii), landete im letzten Jahr in Zofingen auf Rang 7, glänzte im Jahr 2017 mit WM-Bronze.

Absenzenliste

Nicht am WM-Start sein wird der in Basel wohnhafte 35-jährige Deutsche Felix Köhler, der 2016 in Zofingen Vize-Weltmeister wurde. «Meine Duathlon-Saison habe ich leider bereits beenden müssen und starte in Zofingen heuer höchstens in einer Staffel.» Aufgrund einer Verletzung, die er sich beim Powerman Germany im April zugezogen hat, kommt der 23-jährige Weltranglistenfünfte Matt Smith (AUS) nicht nach Zofingen. «Da der Powerman Zofingen aber ein unglaublich toller Event zu sein scheint, will ich 2020 kommen.»

Fehlen wird beim Powerman Zofingen in nächster Zeit Seriensiegerin Emma Pooley. Die im Kanton Zürich wohnhafte Engländerin gewann den Powerman Zofingen zwischen 2014 und 2017 viermal in Serie. «Leider bestreitet Emma Pooley keine Duathlons mehr, sondern sie konzentriert sich auf Bergläufe und bestreitet ab und zu ein Radrennen», so ihr Trainer David Newport.

Nicht mit von der Partie ist auch Miriam Van Reijen. Die 35-jährige Holländerin wurde 2017 in Zofingen Vize-Weltmeisterin: «Ich starte hier in Holland an der gleichzeitig stattfindenden Triathlon-EM.» Am 8. September nicht am Start ist die Weltranglisten-Dritte, die 39-jährige Japanerin Airi Sawada: «Ich hatte keine gute Vorbereitung auf Zofingen hin, bin aber 2020 wieder dabei.»

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