TV Endingen

Professionalisierung geht voran: Die ausserordentliche GV beschliesst Auflösung der GmbH, der Weg für eine AG ist frei

Der TV Endingen (im Bild Captain Christian Riechsteiner, l.) professionalisiert seine Strukturen.

Der TV Endingen (im Bild Captain Christian Riechsteiner, l.) professionalisiert seine Strukturen.

Am 25. Mai – ganz im Stillen – ist Historisches passiert: Der TV Endingen beschliesst in einem eher trockenen formalen Akt etwas Grosses im Sport des Kantons Aargau. Die Endinger Handball GmbH wird liquidiert, das Projekt Phoenix wird gestartet.

An der «virtuellen» ausserordentlichen GV vom 25. Mai hat der TV Endingen das beschlossen, was in den bisherigen Infoveranstaltungen vorbesprochen worden war: Nach 22 Jahren wird die Endinger Handball GmbH per Ende Mai 2021 finanziell vom Gesamtverein getrennt und anschliessend liquidiert.

«Wir sind ein Dorfverein und wollen uns in Zukunft wieder auf unsere Kernkompetenzen und vor allem die Jugendarbeit fokussieren», so der Vereinspräsident Christoph Spuler. 

Die erste Handballmannschaft wird weiterhin mit Rat und Tat unterstützt. «Uns ist bewusst, dass wir uns jetzt nicht einfach zurückziehen können, die Verwurzelung von Gemeinde und Verein mit dem Spitzensport ist riesig, die Solidarität enorm», so Spuler. 

Als leuchtendes Beispiel sei die Gemeindeversammlung von Endingen vor fünf Jahren erwähnt, in der einstimmig ein Kredit für die Unterstützung der GoEasy-Arena gesprochen wurde. Der Zusammenhang von Spitzensport und Jugendarbeit mit der regionalen Handballjuniorenförderung war und ist weiterhin enorm wichtig. 

Ohne die funktionierenden Strukturen der Handballspielgemeinschaft Aargau Ost, in der die ganze Region zusammenarbeitet, wäre dies schon lange nicht mehr möglich. Der Ursprung lag ganz klar in der Juniorenförderung und wird es auch weiterhin bleiben.

«Damals, vor genau 50 Jahren hat der Turnverein Endingen zum ersten Mal eine Mannschaft gemeldet, es hat mit den Junioren angefangen, und weil diese weiterhin so erfolgreich sind, muss es auch weitergehen», so der hocherfreute Heinz Schaerer, der eigentliche Gründervater der Handballbewegung in Endingen. 

Spitzensport im Ostaargau unter dem Dach einer AG

Eine Gruppe rund um Roger Küng und Hanspeter Geissmann ist daran, eine neue Organisation auf die Beine zu stellen. Es geht darum, dass die erste Mannschaft des TV Endingen in Zukunft den Supportern, Interessierten und Fans gehört.

«Dafür wollen wir eine Aktiengesellschaft gründen, bei der man als Handballbegeisterter mitmachen kann», so der juristische Berater und Sponsor Hanspeter Geissmann. Zudem soll eine neue Supportervereinigung gegründet werden, die wesentlich mithelfen wird, die finanzielle Basis für Spitzenhandball in unserer Region dauerhaft zu sichern. 

Roger Küng, sportlicher Leiter und Co-Sponsor mit der GROSS Garage Baden-Wettingen hat sich bereit erklärt, dieses Unterfangen vorwärts zu treiben und – wenn es gewünscht wird – einer AG als Präsident vorzustehen: «Wir wollen die gesamte Region einbinden und alle interessierten Vereine zum Mitmachen bewegen». Einmal pro Jahr – so die Idee der Gründer – soll die Aktionärsversammlung mit einem Fest für die möglichst grosse Handballfamilie und natürlich dem offiziellen Teil durchgeführt werden.  

Der bisherige Geschäftsführer Villiger wird weiterhin für die Akquisition und Betreuung der Sponsoren tätig sein. «Nach 20 Jahren als ehrenamtlicher Geschäftsführer ist es an der Zeit, junge und frische Kräfte für diese Aufgaben zu begeistern. Mein Knowhow und meine Vernetzung stelle ich dem Handballsport der Region und dem TV Endingen mit Freude weiterhin zur Verfügung», so Villiger. 

Start des Projektes Phoenix 

Die erste Mannschaft des TV Endingen zeigt seit Jahrzehnten, was man mit viel Herzblut und Willen erreichen kann. Im kommenden Jahr bestreitet der TV Endingen das 30. Jahr in Nationalliga A oder B. 
Der Start des Projektes Phoenix ist also sehr bewusst gewählt – vor 50 Jahren war der Start in das Abenteuer Handball, vor 30 Jahren in das Abenteuer Spitzensport, und jetzt kommt das neue Projekt, genau zum richtigen Zeitpunkt. 

Dass dieses Projekt Spitzensport Phoenix heisst – aus der Asche der Endinger Handball GmbH soll etwas Neues entstehen – liegt auf der Hand. Ziel ist es, bis im Herbst das Konzept soweit voranzutreiben, dass Aktien gezeichnet werden können. Eine Gruppe von sechs Personen aus dem Umfeld der Endinger Handballbewegung hat sich zum Ziel gesetzt, das Projekt Handball im Ostaargau als Spitzensport weiter zu betreiben und zu entwickeln. Finanzielle, organisatorische und infrastrukturelle Anforderungen sind gestiegen, das braucht ganz klare und professionelle Strukturen.

Im Sport geht es vor allem um Emotionen, und die Region hat gezeigt, dass diese mehr als vorhanden sind. Die Aktion «Schenk ois din Name» hat klar aufgezeigt, dass der Handball in der Region ein riesiges Bedürfnis ist. Einfach toll, was in so kurzer Zeit erreicht werden kann.

Sportlich läuft es rund

Fast unglaublich ist es, was in den vergangenen Jahren entstanden ist. Die U15 Elite ist «Schweizermeister der Herzen», der Meistertitel wurde Corona bedingt nicht verteilt. Die U15, U17 und U19 Teams sind so stark wie selten zuvor, eine tolle Entwicklung. 

«Wir haben geschafft, was seit Jahren nicht mehr gelungen ist. Alle Handballvereine der Region stehen hinter dem Konzept Aargau OST und sind mit der ersten Mannschaft vernetzt», so der begeisterte Projektleiter Marco Bodmer.

Einen wesentlichen Anteil an der Zusammenarbeit, hat der aktuelle Trainer der ersten Mannschaft, Zoltan Majeri. «Er gibt konkret Inputs, hilft bei der Trainingsplanung von Juniorenteams, trainiert zukünftige Spitzensportler und hat klare Pläne für die Handballzukunft in unserer Region», so Villiger.

Rund um das Fanionteam der ersten Mannschaft hat Trainer Majeri mit seinem Engagement viele Helfer und Funktionäre inspiriert und der Organisation neuen Schwung verliehen. 

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