Am gut besuchten 6. benevol Forum von benevol Solothurn referierte Prof. Dr. Freitag von der Universität Bern über Freiwilligenarbeit als soziales Kapital, aktuelle Entwicklungen und mögliche Zukunftsmodelle, die den Rückgang der Freiwilligenarbeit aufhalten könnten.

Er zeigte auf, dass das soziale Kapital, zu dem die Freiwilligenarbeit gehört, neben dem physischen und dem Humankapital einen wesentlichen Pfeiler für eine funktionierende Gesellschaft darstellt. Rund 700 Millionen Stunden sind es, die laut dem Freiwilligen-Monitor 2016 freiwillig und im Ehrenamt geleistet werden. Den individuellen Nutzen der Freiwilligenarbeit beschreibt Markus Freitag wie folgt: Freiwilligenarbeit ist sinn- und identitätsstiftend, sie erweitert den Horizont, bietet Qualifizierungsmöglichkeiten, ermöglicht eine Tagesstruktur und eine Erweiterung des Netzwerkes. In Studien belegt ist auch der positive Effekt auf die Gesundheit, ein Rückgang der Kriminalität und ein grösseres Grundvertrauen in andere Menschen und in die Behörden.  Doch der gesellschaftliche Wandel macht auch vor der Freiwilligenarbeit nicht Halt. Die Veränderung der traditionellen Familienrollen, die Individualisierung, die Globalisierung und nicht zuletzt auch die Digitalisierung haben zur Folge, dass sich weniger Menschen in der klassischen Freiwilligenarbeit oder im Milizsystem engagieren. Hier sind Institutionen, Vereine und Gemeinden gefordert, auf diese veränderten Bedingungen zu reagieren. Markus Freitag präsentierte drei denkbare Zukunftsmodelle. Das von Avenir Suisse propagierte Modell der Bürgerpflicht sieht vor, dass alle Schweizer Bürgerinnen und Bürger wahlweise 200 Tage Freiwilligenarbeit leisten. Zur Sprache kam auch das Modell der Einsicht. Dieses verfolgt den Gedanken, schon möglichst früh in der Schule und im Elternhaus zu sensibilisieren, im Sinne von «Gutes tun zahlt sich irgendwann aus». Das dritte Modell beruht auf dem Prinzip «Gemeinsinn durch Gegenseitigkeit», als also auf dem Geben und Nehmen, wie dies zum Beispiel beim Projekt KISS der Fall ist.

Markus Freitag lieferte viele Inputs für die anschliessenden Gruppendiskussionen und das die Veranstaltung abschliessende Podium, das mit interessanten Gästen besetzt war. Ida Boos vertrat als Leiterin der Pro Senectute Kanton Solothurn die Sicht einer Institution, die rund 300 Freiwillige im Einsatz hat. Paul Dilitz, Präsident des Oltner Quartierzentrums Cultibo, blickte neben seiner ehrenamtlichen Vorstandstätigkeit auch auf seine Laufbahn als Freiwilliger zurück. Tamara Mühlemann war als Vertreterin des Kantonsrats (CVP) eingeladen und brachte ihre Gedanken aus politischer Sicht ein. Kurt Boner äusserte seine Überlegungen als Abteilungsleiter Soziale Dienste Oberer Leberberg. Der Apéro wurde für weitere angeregte Diskussionen genutzt.

Fabienne Besmer