Nach dem klaren Sieg der Solothurnerin Melanie Mathys beim Sprintrennen vom Samstag gab es beim klassischen Rennen vom Sonntag erneut einen Doppelsieg für die Schweizer Frauen und auch das Schweizer Herrenteam konnte sich gegenüber den Sprintresultaten von gestern klar steigern.

Die beiden Schweizer Damen, Melanie Mathys und Hannah Müller konnten ihre Leistung vom Sprint bestätigen und distanzierten die restlichen Konkurrentinnen erneut klar. Allerdings hatte diesmal die junge Nidwaldnerin die Nase vorn und die Solothurnerin Melanie Mathys musste sich mit dem zweiten Platz begnügen. Dies hatte vor allem taktische Gründe. Durch das immer noch vorhandene Hochwasser auf der Fulda floss das Wasser teilweise über die Ufer auf die Wiesen und auf dem stark mäandrierenden Bach gab es auf einmal Möglichkeiten, eine Kurve über die Wiese abzukürzen. Dies war aber mit einem hohem Risiko verbunden, in eine Sackgasse zu fahren oder auch stecken zu bleiben. Da die Strecke bei diesem Wasserstand nicht mehr ausgetestet werden konnte, war es eine taktische Abwägung, auf der Originalstrecke sicher fahren zu können und einen Zeitverlust in Kauf zu nehmen oder das Risiko einzugehen, die Abkürzung zu nehmen und zu hoffen, nicht stecken zu bleiben. Melanie Mathys entschied sich für die sichere Route und Hannah Müller nahm die Abkürzung. Im Ziel hatte Müller dann 1.8 Sekunden Vorsprung auf die favorisierte Solothurnerin.
Hannah Müller startete kurz nach ihrem Sieg im Kajakrennen, wie auch bereits gestern im Sprint, noch einmal im Einerkanadier und erneut hatte die Konkurrentinnen keine Chance.

Diese Abkürzung führte auch unter den Betreuern und dem Organisationskomitee zu heftigen Diskussionen über die reglementarischen Vorgaben. Da aber das Rennen auf dem Wasser und ohne Hilfsmittel absolviert wurde, war es rechtlich korrekt und jedem Wettkämpfer selber überlassen, ob er das Risiko eingehen will.

Das Herrenteam konnte sich gegenüber gestern klar steigern. Nach der leisen Entäuschung beim Sprint, gab es im klassischen Rennen doch einige Podestplätze und auch Siege. Bei den Junioren schafften es sogar zwei Schweizer auf das Podest. Der Solothurner Robin Häfeli wurde hinter dem starken Belgier Kilian Meersmann mit einem minimalen Rückstand Zweiter und auch sein Teamkollege Cornel Bretscher schaffte als Dritter den Sprung aufs Podest. Mit dem jungen Basil Jenni kämpfte sich sogar ein dritter Schweizer unter die besten Sechs.
Auch der Schweizer Teamleader Nico Meier konnte sich klar steigern und verpasste das Podest bei den Herren Elite nur um vier Zehntelssekunden. Die Tagesbestzeit und den Sieg in dieser Kategorie holte sich der Deutsche Nico Paufler.
Eine weitere Topleistung gab es beim Nachwuchs. Luis Clavedetscher erkämpfte sich mit grossem Vorsprung den Sieg in der Kategorie Jugend (15/16 Jahre). Sein Nidwaldner Klubkollege Janis Amstad hatte Glück im Unglück. Er blieb nämlich in der Abkürzung stecken, verlor viel Zeit und musste sich wieder zurückkämpfen. Im Ziel reichte es dann doch noch für das Podest.

Damit konnten die Herren ihre doch enttäuschenden Ergebnisse aus dem Sprint wieder gutmachen. Die Junioren-Nationaltrainerin und Leiterin des Kanu-Leistungszentrum Solothurn, Kristin Amstutz, gab aber Entwarnung. Die eher mässigen Sprintresultate haben gemäss Amstutz zwei Gründe. Das Schweizer Team ist immer noch in der Vorbereitungsperiode und da die wichtigen Wettkämpfe erst Mitte Mai beginnen, wird das Sprinttraining mit Intervallformen erst in den nächsten Wochen intensiviert. Zudem hatten die Belgier in der letzten Woche bereits sehr früh in der Saison ihre Meisterschaften und sind daher im Moment in einem sehr guten Formstand. Als Beispiel fügte sie den Überflieger vom Sprint, den Belgier Richard Maxime, an. Gestern fuhr er die Konkurrenz im Sprintrennen in Grund und Boden und siegte mit einem Riesenvorsprung, heute wurde er nur gerade Neunter und von Nico Meier klar geschlagen.