Oberbuchsiten

Musikalisch-meditative Stunde zum Osterauftakt

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Der Kirchenchor glänzte am Karfreitag mit Schütz’ Johannes-Passion.

Um das Fazit gleich vorwegzunehmen: Das selbst gesetzte Ziel des Kirchenchors Oberbuchsiten, nämlich am Karfreitag mit einem Passionskonzert den Zuhörern eine meditative Stunde zu schenken, wurde vollauf erfüllt. Das stimmige Ambiente der sehr gut gefüllten Marienkirche, die feine Besetzung und die gehaltvolle Interpretation von Heinrich Schütz’ Johannes-Passion wussten das aufmerksame Publikum zu fesseln. Es verdient Anerkennung, dass ein lokaler Kirchenchor sich nicht bloss auf die musikalische Umrahmung der Gottesdienste beschränkt, sondern zwischendurch auch solche Projekte in Angriff nimmt.

Heinrich Schütz (1585 – 1672) gilt als bedeutendster deutscher Komponist des Frühbarocks. Seine Passion «Das Leiden unsers Herren Jesu Christi, wie uns das beschreibet der heilige Evangeliste Johannes» gelangte in der Fassung von Arnold Mendelssohn (1855 – 1933) zur Aufführung. Als Auflockerung zum Wechselgesang zwischen Evangelist, Chor und den anderen Protagonisten streute man einige Choräle von Johann Sebastian Bach ein. Und gerade in diesen Einschüben konnte der Kirchenchor unter der umsichtigen Leitung der jungen Dirigentin Iona Haueter mehr von seinem breiten Klangspektrum zeigen. Während die chorischen Einsätze in der Passion mehrheitlich kurz waren, durften die 31 Oberbuchsiter Sängerinnen und Sänger in den Bach-Passagen mehr aus sich herausgehen. Während der gesamten Aufführung beeindruckten die präzisen Einsätze des Chores, die sekundengenau auf das Solistenstichwort folgten. Dank der allgemein guten Diktion aller Beteiligten war es über grosse Strecken unnötig, die Texthilfe im Programm zu Rate zu ziehen. Erwähnung verdienen auch die drei Chorsängerinnen und -sänger, die kurze Solisteneinsätze sicher und gekonnt vortrugen.

Das sehr gut harmonierende Solistentrio rekrutierte sich aus dem Tenor Dieter Wagner (Evangelist), dem Bass-Baritonisten Michael Jäger (Jesus) sowie dem jungen Tenor Ruben Banzer (Pilatus). Die drei verstanden es ausgezeichnet, sich gesanglich in den Gesamtklangkörper zu integrieren. Als Evangelist oblag Wagner zwangsläufig der mit Abstand grösste gesangliche Part. Er verstand es vortrefflich, seine teils langen Erzählteile abwechslungsreich zu modulieren. Das präzise Zusammenspiel mit Paul von Arb am Orgelpositiv zeugte von beidseitiger Professionalität. Von Arb eröffnete und beendete das Konzert notabene an der grossen Kirchenorgel mit zwei Stücken von Bach, nämlich mit «Christus, der uns selig macht» (BWV 620) und «Herzlich tut mich verlangen» (BWV 727).

Die gebotene musikalisch-meditative Stunde des Kirchenchors Oberbuchsiten bildete für das dankbare Publikum zweifellos einen optimalen Start in die anstehenden Osterfeiertage. (bux)

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