Dornach

Lokal spriessen – global gedeihen. Grün-Rote Visionen nach Bern

megaphoneLeserbeitrag aus DornachDornach
(v.l.n.r.) Maya Rechsteiner (Präsidentin SP Rodersdorf), Janine Eggs (Nationalratskandidatin GPS), Karin Kälin (Nationalratskandidatin SP), Roberto Zanetti (Ständeratskandidat SP), Felix Wettstein (Ständeratskandidat GPS), Florian Lüthi (Präsident Grüne Partei Dorneck-Thierstein)

Podiumsdikussion zu den Parlamentswahlen

(v.l.n.r.) Maya Rechsteiner (Präsidentin SP Rodersdorf), Janine Eggs (Nationalratskandidatin GPS), Karin Kälin (Nationalratskandidatin SP), Roberto Zanetti (Ständeratskandidat SP), Felix Wettstein (Ständeratskandidat GPS), Florian Lüthi (Präsident Grüne Partei Dorneck-Thierstein)

Am 13. September 2019 luden die Grüne Partei Dorneck-Thierstein und die SP Rodersdorf zu ihrem zweiten gemeinsamen Anlass zur Lokalen Ökonomie ein. Im schönen Refektorium des Klosters Dornach gingen die Nationalratskandidatinnen Karin Kälin (SP) und Janine Eggs (Grüne) sowie die Ständeratskandidaten Roberto Zanetti (SP) und Felix Wettstein (Grüne) in einem Podiumsgespräch der Frage nach, wie von Bern aus das Lokale gestützt und gestärkt werden kann.

Lokaler Multiplikator

Die Einführung in das Thema der lokalen Ökonomie hat Stephan Dilschneider, Geschäftsleiter von Ecoloc, einer gemeinnützigen Organisation für lokale Ökonomie, übernommen. Sein Ansatz geht davon aus, dass eine nachhaltige, sozial gerechte Gesellschaft durch die Stärkung der lokalen Ökonomie erreicht werden kann. Momentan ist die Welt durch eine sich ausbreitende soziale Ungleichheit geprägt. Die Schere zwischen arm und reich weitet sich zunehmend aus, es findet eine systematische Umverteilung zugunsten der Vermögenden statt. Laut Oxfam, einem internationalen Verbund von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, gehen weltweit über 80 Prozent des erwirtschafteten Vermögens in die Tasche des reichsten Prozents der Bevölkerung. Grundsätzlich lässt sich dies auch darauf zurückführen, dass heutzutage die grösste Wertschöpfung auf dem globalen Markt zu erzielen ist. Das Geld fliesst aus der lokalen Umgebung in den globalen Markt und stärkt die multinationalen Unternehmen. Die Konzepte der Lokalen Ökonomie haben zum Ziel, das der einzelne Franken möglichst lange in der lokalen Wirtschaft verbleibt und somit eine grössere Wertschöpfung für die Region generieren kann. Normalerweise fliesst das Geld in eine Region durch das Einkommen und verlässt diese dann meist wieder durch Investitionen. Verbleibt der Franken jedoch in der Gemeinde, wird also mehrfach lokal ausgegeben multipliziert sich sein Geldwert für die Region und hat somit einen positiven Einfluss auf das Arbeitsangebot oder das Steuersubstrat. Dies ist das Prinzip des lokalen Multiplikators. Das Geld dreht seine Runden in der Region, wird beispielsweise im Dorfladen, der lokalen Gastronomie oder beim ortsansässigen Handwerksbetrieb ausgeben, was die Wertschöpfung des einzelnen Frankens für die Region vervielfachen kann.

Von Klimawandel bis Wirtschaftspolitik

Das Podiumsgespräch mit den vier Kandidatinnen und Kandidaten der Grünen Partei sowie der sozialdemokratischen Partei widmet sich dann unterschiedlichen Fragen, die von der lokalen Ökonomie auch über die Wirtschaftspolitik sowie der Debatte um den Klimawandel reichten. Roberto Zanetti hat bei seinen Ausführungen seine Erfahrungen aus Bern miteinfliessen lassen und erzählt von den neuesten Bestrebungen des Parlaments in Bezug auf die Klimakrise, wie eine Flugticketabgabe und die Besteuerung des Benzinpreises. Auch weist er darauf hin, dass es heutzutage eine unsinnige Situation sei, dass steuerliche Abzüge auf das steuerbare Einkommen gemacht werden, wo dies gerechterweise beim Steuerbetrag getan werden sollte, da ansonsten wiederum die Vermögenden profitieren. Ausserdem ist es falsch, dass Erbschaften so gering besteuert werden. Felix Wettstein teilt uns seine Ansichten mit, dass beispielsweise eine Untergrenze des Steuersatzes für juristische Personen eingeführt werden müsste, um den Wettbewerbsdruck der Regionen zu minimieren. Zudem sollte die Schweiz dem Klimawandel mit Lenkungsabgaben begegnen. Für Janine Eggs braucht es einen Wandel im Konsumverhalten in Richtung eines nachhaltigen Ressourcenverbrauchs, was durch lokale Ökonomie besser zu erreichen wäre, als durch globalen Handel. Auch in der Bildung werden heute keine alternativen Modelle zur profitorientierten Wirtschaft behandelt, was ein Umdenken der Gesellschaft erschwert. Ihre Ideen gehen auch in die Richtung der Teilzeitarbeit zur Entlastung der Frau in der Hausarbeit sowie der Lohngleichheit, was mitunter auch ein Grund der Ungleichheit ist. Auch Karin Kälin spricht sich vehement für die Chancengleichheit bei den Geschlechtern aus, sei dies in der Politik oder in der Wirtschaft. Eine weitere Problematik sieht sie bei älteren Arbeitnehmern, die durch den Verlust ihrer Arbeit in der Gesellschaft und auch finanziell marginalisiert werden. Im Hinblick auf den Klimawandel spricht Karin Kälin sich für Änderungen bei den Wohnformen aus. Neue Formen des Zusammenlebens müssen angedacht, die Wege zwischen Arbeit, Wohnen und Freizeit sollen kürzer werden.

Visionen

Im letzten Teil der Podiumsdiskussion, die von Florian Lüthi (Präsident der Grünen Dorneck-Thierstein und Maya Rechsteiner, SP Präsidentin Rodersdorf) moderiert wurde, sollten die Parlamentskandidat*innen aus dem Stehgreif einen Gedankengang entwickeln, der zukünftig in Bern umgesetzt werden müsste. Felix Wettstein nennt die Umsetzung der Pumpipumpe. Hierbei markiert jeder und jede seinen Briefkasten mit einem Kleber, der mitteilt, welche Alltagsgegenstände dieser Haushalt mit seinen Nachbarn teilen kann, sodass ein bewusster Umgang mit Ressourcen stattfinden kann. Für Roberto Zanetti wäre die Abkehr von der Profitorientierung ein anstrebenswertes Ziel. Karin Kälin würde gerne einzelne Nationalratstraktanden auf einer Wanderung besprechen, anstelle des Saals im Bundeshaus, um die neue Umgebung und die daraus erfolgenden Einflüsse auf die Entscheidungsfindung wirken zu lassen. Für Janine Eggs wäre ein Wachstumsverbot für Unternehmen eine interessante Richtung, welche die Schweiz einschlagen könnte, um der Ungleichheit zu begegnen.

Der Anlass endete in intensiven Gesprächen zwischen den Kandidat*innen und den Zuhörer*innen. Letztlich hat sich gezeigt, dass hier vier ausgezeichnete Kandidat*innen mit kreativen, innovativen Ideen bereit sind, unsere Bevölkerung in Bern zu vertreten. Die Fachkompetenz ist vorhanden, nun brauchen sie lediglich die Legitimation, in Bern zu wirken.

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