Brugg

«Herbarium» - Eine Ausstellung von Gehölzsammlungen in Brugg

megaphoneaus BruggBrugg

Nino Kuhn

Friedhofstrasse 7

8952 Schlieren

„Herbarium“ – Eine Ausstellung von Gehölzsammlungen in Brugg AG

Die Vernissage fand am 12. September 2019 im Berufs- und Weiterbildungszentrum BWZ in Brugg statt. Ausgestellt waren die „Herbarien“ der Abschlussklasse der zwanzig Forstwartlehrlinge des Kantons Aargau, eingeschlossen eine Forstwartlehrfrau, die im nächsten Februar in die Praxis entlassen werden. Ihr Klassenlehrer ist Gerhard Wenzinger, im Nebenamt auch Förster in der Region Kaiserstuhl.

Diese Ausstellung ist deshalb erwähnenswert, weil die Ergebnisse des „Auftrags“, wie es Wenzinger formuliert, durchwegs Unikate sind: Ergebnisse des kollegialen Wettbewerbs und Zeugnisse der Eigenständigkeit jedes Schaffenden. Vorgegeben war lediglich eine Liste von vierzig Laub- und Nadelbaumarten sowie einiger Waldsträucher. Zehn davon waren frei wählbar. Sommerzweige mit Blättern und Winterzweige mit Knospen sollen präpariert werden. Blüten, Früchte, Samen, Rinde und Holz sind freiwillig und ergeben bei der Bewertung des Resultats einen Bonus.

Herausgekommen sind verschiedene Produkte. Vom einfachen „Ordner“ mit von Scharnieren beschlagenen Holzdeckeln über mit Fächern bestückten Holzharassen, Fächergestellen, Formularschränken oder trommelförmigen Tonnen mit radial senkrecht gestellten Tafeln war alles zu finden. Sogar ausgediente Jalousieläden fanden eine neue Verwendung. Auch eine stilisierte Tanne mit vier massiven Ästen, an denen beidseits von oben nach unten fünf Herbartafeln angebracht sind, verdient Erwähnung.

Die Ausbildung zum Forstwart dauert drei Jahre. Wie Wenzinger erwähnt, bleibt es bei den wenigsten der Absolventen dabei. Manche lassen sich an Försterschulen zum Förster ausbilden. Die Ausbildung zum Forstwart erfolgt durch kompetenzorientiertes Lernen. Zu den Fachkompetenzen gehört die Kenntnis der Pflanzenarten, in aller erster Linie der Gehölzpflanzen als Grundlagen für den Waldbau, also die Zusammensetzung zukunftsträchtiger Jungwüchse und ertragreicher, stabiler Waldbestände. Die Anlage einer Sammlung der Gehölzpflanzen, also eines Forstherbariums ist eine Strategie, um die Pflanzenarten des Waldes zu beherrschen. Diese Strategie folgt dem Lehrgrundsatz Pestalozzis: mit Kopf, Herz und Hand. Das Herz war bei den meisten Forstwartabsolventen und     -absolventinnen schon bei der Berufswahl entscheidend. Auch wenn für viele forstliche Arbeiten Spezialmaschinen zur Verfügung stehen, spielt die Hand immer noch eine bedeutende Rolle. Die Entscheide vor der Ausführung der Arbeiten finden jedoch im Kopf statt.

Der Beruf des Forstwarts ist eine anspruchsvolle Tätigkeit für naturverbundene, entschlussfreudige, robuste und intelligente Menschen, eigentlich vielmehr als Beruf: Berufung eben. Gerade dies manifestiert sich im „Herbarium“.

(Nino Kuhn, 17.09.2019)

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