Urdorf

Coronapandemie in Kenia: Ihre Auswirkung auf die Allerärmsten, und wie der Schweizer Vorstand eines

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2006 hat der Urdorfer Geschäftsmann Rolf Hotz zusammen mit Freunden aus der kenianischen Stadt Siaya die Kinderhilfsstiftung "Siaya Kenya Children Foundation" (SKCF) gegründet. Antrieb dazu war der kaum auszuhaltende Anblick von  unermesslichem, vor allem durch AIDS verursachtem Leid, einhergehend mit grösster Armut. Die Kinder solcher Familien waren jeder Chance, die kostenpflichtige Sekundarschule zu besuchen, und damit jeder Zukunftsperspektive beraubt. Dies wollte die Stiftung wenigstens für ein paar Dutzend Knaben und Mädchen ändern. Das Projekt sollte klein und damit übersichtlich und gut kontrollierbar bleiben. Ein sechsköpfiger Vorstand in Siaya unter der Leitung von Erick Odiang'a, einem Schulleiter, wählt die Schützlinge aus (gegenwärtig sind es 66, aufgeteilt auf 28 Schulen) und betreut sie, während ein fünfköpfiger Vorstand mit Sitz in Urdorf ZH Spendengelder sammelt und damit das Schulgeld für die Schützlinge zahlt sowie strategische Entscheidungen fällt.

Nun hat aber die Coronapandemie bzw. deren Auswirkungen vor allem auch die Allerärmsten im ostafrikanischen Staat schwer getroffen. Weil die Schulen geschlossen wurden, gibt es dort für die Kinder auch nichts mehr zu essen – die Schulmahlzeit war oft die einzige des Tages. Ihre Familien oder Erziehungsberechtigten leiden höchste Not, weil wegen des weitgehenden Shutdowns viele ihre meist informelle Arbeit ohne soziale Abfederung verloren haben. Darum entschloss sich der Vorstand von SKCF Schweiz zu raschem Handeln: Er überwies am 8. April 10'500 Fr. für die Familien der gegenwärtigen und ehemaligen Schützlinge sowie auch für notleidende Familien von Kindern, die den von der Gemeinde Urdorf gestifteten Udida-Kindergarten besuchen. Dafür hat sich Erick Odiang'a als Vorsitzender von SKCF Siaya in einem Brief in aller Form bedankt und zugleich auf eindrückliche Art die gegenwärtige Lage in Bezug auf das Kinderhilfsprojekt wie auch auf sein ganzes Land beschrieben.

Hier ein Auszug aus dem Brief des Schulleiters aus Siaya:

"Das Coronavirus hat die wirtschaftliche Situation in Kenia massiv beeinflusst. Der erste Fall wurde Anfang März 2020 gemeldet. Die Regierung unter Präsident Hon Uhuru Kenyatta hat schnell Massnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Alle Schulen, Hochschulen und Universitäten wurden auf unbestimmte Zeit geschlossen, Gottesdienste und öffentliche Versammlungen ausgesetzt.  Dies hatte grosse Auswirkungen auf unsere Schützlinge, die sich in diesen Einrichtungen befanden. Sie mussten nach Hause zurückkehren und bei ihren Erziehungsberechtigten oder Eltern bleiben. Dies belastet die ohnehin schon in Schwierigkeiten befindlichen Familien zusätzlich. Die meisten der von unserer Stiftung unterstützten Schülerinnen und Schüler sind auf Nahrungsmittel angewiesen, die von den Schulen bereitgestellt werden.

Unsere Schulen wurden am 4.Mai, dem Tag, an dem offiziell das zweite Trimester hätte beginnen sollen, für einen weiteren Monat geschlossen. Das bedeutet, dass das Leben für die meisten unserer Begünstigten nach wie vor sehr hart bleibt.

Dank einer weisen Entscheidung des Vorstands von SKCF Schweiz haben wir das Privileg, dass unser Gebet um Unterstützung bei der Bewältigung der Corona-Pandemie erhört wurde. Ihre Nothilfe kam zur rechten Zeit und war sehr angemessen. Eltern und Erziehungsberechtigte haben dies aufrichtig geschätzt. Die finanzielle Unterstützung ermöglicht es ihnen, Nahrungsmittel und anderen Grundbedarf zu kaufen.

Die meisten Bezugspersonen der gegenwärtigen und ehemaligen Schützlinge stehen derzeit vor ernsten wirtschaftlichen Herausforderungen. Die Ausgangssperre, die für alle Kenianer täglich von 19.00 Uhr bis 5.00 Uhr verhängt wurde, und die Kontrolle von Menschenansammlungen und Fahrzeugbewegungen hat die meisten Menschen arbeitslos gemacht. Gelegenheitsjobs sind schwer zu bekommen, da die meisten Institutionen und Organisationen geschlossen haben. Den meisten Arbeitnehmern wurde für mindestens drei Monate unbezahlter Urlaub mit Verlängerungsmöglichkeit gewährt. Unsere Wirtschaft kommt fast zum Erliegen. Unsere Schlüsselstädte Nairobi, Mombasa, Kilifi, Kwale und Mandera sind von der Aussenwelt isoliert worden. Dort müssen die Menschen von zu Hause aus arbeiten, aber das ist für über 70% der Kenianer, die im informellen Sektor arbeiten, nicht möglich. Es gibt grosse Einkommens- und sogar Arbeitsplatzverluste. Davon sind auch unsere Studenten, die alle aus sehr bescheidenen Verhältnissen kommen, stark betroffen.

Von der Nothilfe von SKCF Schweiz haben wir allen Familien unserer gegenwärtigen Schützlinge 10'000 kenianische Schillinge (ca. 91 Franken) zugeteilt. Diese werden in zwei Raten ausgezahlt, damit unsere Begünstigten nicht leiden müssen. Die erste Rate wurde sofort nach Erhalt des Geldes ausgezahlt. Mit unserem Verständnis für unsere Leute und unserem Wissen darüber, dass das Leben sehr schwierig ist, waren wir der Meinung, dass der Betrag in zwei Teile aufgeteilt werden sollte, damit er den Begünstigten über einen längeren Zeitraum hilft. Das Geld wird also mit Bedacht verwendet

Die zweite Rate wird den Erziehungsberechtigten im Juni übergeben, wenn die Regierung die Termine für die partielle Wiedereröffnung der Schulen bekannt gegeben hat. Dies würde ihnen helfen, einige Grundbedürfnisse zu decken und ihre Ernährung vor der Wiederaufnahme der Schule sicherzustellen.

Momentan sind in Kenia insgesamt 1192 Personen positiv getestet worden. Davon sind 380 inzwischen wieder gesund und 50 gestorben. 

Die Gesundheitsbehörde unseres Bezirks Siaya ist auf die Pandemie schlecht vorbereitet. Wir haben 10 offiziell registrierte Covid19-Fälle. Sie werden vor Ort behandelt, mit den entsprechenden Herausforderungen.

Es ist mir eine Freude, dem SKCF-Vorstand aufrichtig für die grosszügige Nothilfe zu danken. Die Dankesworte der Schützlinge und ihrer Angehörigen oder Erziehungsberechtigten waren sehr rührend.

Beste Wünsche

Erick Odiang'a, Schulleiter und Vorsitzender SKCF Kenia"

Näheres zum Kinderhilfsprojekt und Spendenmöglichkeit siehe
www. siayakenyachildrenfoundation.org

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