Das Basler Streikkomitee, das sich seit September 2018 zu regelmässigen Planungssitzungen trifft, kann sich in den letzten Wochen vor dem Frauenstreik vom 14. Juni vor Arbeit kaum retten. Täglich vier bis fünf Anrufe erreichen die Zentrale, um weitere Aktionen anzumelden. «Das Engagement ist enorm», sagt Sina Deiss, VPOD-Vertreterin und Mitglied des Streikkomitees. «Der Frauenstreik wird in Basel ein gewaltiger Aktionstag werden.» Die Streikhotline glüht.

Aktion bedeutet Sichtbarkeit, bedeutet Masse. Damit am Frauenstreiktag so viele Frauen wie möglich teilnehmen können, hat ein nicht näher bekanntes Kollektiv an jüngsten Demonstrationen Flyer in Umlauf gebracht, die Vorschläge zur solidarischen Aufgabenteilung enthalten. Titel: «Wie unterstütze ich als Mann den Frauenstreik, ohne mich in den Vordergrund zu drängen?». Zum Beispiel heisst es da:

  • Du bist Vater: Dann kümmere Dich um die Kinder.
  • Du gehst an die Demo: Dann laufe im hinteren Teil mit. Höre mehr zu und sprich weniger.
  • Du wirst von Medienschaffenden gefragt: Verweise sie an eine Frau.
  • Allgemein: Mach die Schattenarbeit und stelle Dich nicht in den Vordergrund.

Schattenarbeit leisten

Der Flyer veranschlagte eine offene Sitzung im Gewerkschaftshaus an der Rebgasse 1, rund 35 Männer erschienen. Es war eine heterogene Gruppe, die da an einem Freitagabend zusammenfand, Junge, Ältere, Vertreter kurdischer Vereine und Klimastreiker. Sina Deiss berichtete zu Beginn der Sitzung, was das Streikkomitee bislang geleistet hatte und welche Form der Unterstützung es sich von den solidarischen Männern erwünschte. Strukturelle Unterstützung nämlich. Sogenannte Schattenarbeit.

Dann wurde diskutiert. Und es zeigte sich, dass sich hier zwar 35 Männer mit solidarischen Absichten zusammengefunden hatten. Dass aber die Vorstellungen davon, was solidarisch sei, in einer Frage auseinandergingen.

Das Streikkomitee wünschte Unterstützung in drei Bereichen: im Aufbau der Infrastruktur auf dem Theaterplatz, in der Kinderbetreuung und im Engagement für ein rücksichtsvolles Klima auf dem Platz und während der Demonstration. Sogenannte Awareness-Arbeit. Die Bühne, das machte Deiss klar, gehöre an diesem Tag den Frauen.

Ob es denn nicht sinnvoll sei, als solidarischer Mann diese Solidarität sichtbar zu artikulieren, fragte jemand. Ob das nicht ein stärkeres Zeichen für eine feministische Gesellschaft sei, als während des Streiks Kinder zu hüten. Dieses «Aber» hatte rege Diskussionen zur Folge, das Gros fand: Nein.

Bedeutung der Sichtbarkeit

Es gehe an diesem 14. Juni um Handlungsmacht und, wieder, Sichtbarkeit. Und die gehöre am Frauenstreiktag nun mal nicht den Männern. Oder wie es die Initianden bereits auf der Einladung zur offenen Sitzung geschrieben hatten: «Feministische Forderungen gehen uns alle an, aber dieser Tag, dieser Streik ist von Frauen für Frauen.»

Auf die Notwendigkeit und die symbolische Bedeutung der Sichtbarkeit hatte kürzlich auch die Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach gegenüber «Telebasel» hingewiesen. Sie sagte: «Ein zentraler Aspekt der fortbestehenden Geschlechterungleichheit beruht gerade darauf, dass Frauen oft im Privaten unsichtbar gemacht werden. Deshalb ist das Reklamieren des öffentlichen Raumes (der Strasse) ganz besonders wichtig.»

Das Bedürfnis nach einer Auseinandersetzung mit männlichen Perspektiven auf Themen wie Sexismus, Feminismus oder Lohnungleichheit fand an besagtem Freitagabend trotzdem Gehör. Das hier entstandene Netzwerk könne doch genutzt werden, sagte jemand, um über den 14. Juni hinaus Gespräche abzuhalten. Um gemeinsam über kritische Männlichkeiten nachzudenken.

Allerdings nicht am 14. Juni, da wird Schattenarbeit geleistet. Und auch die Berichterstattung wird an diesem Tag den Frauen gehören.