Hafenentwicklung

Von den Fortschrittsverweigerern bis zu den Verschwörungsaffinen: Die Gegner der Hafenpläne decken ein breites Spektrum ab

Visualisierung des neuen Containter-Terminals Gateway Basel Nord, mit dem später noch zu grabenden Hafenbecken III.

Visualisierung des neuen Containter-Terminals Gateway Basel Nord, mit dem später noch zu grabenden Hafenbecken III.

Politische Sturmwarnung für die Basler Hafenpläne.

Am Mittwoch hat das Basler Kantonsparlament mit grosser Mehrheit einen 115-Millionen-Franken-Kredit für den Bau eines dritten Hafenbeckens gesprochen. Zwei Tage später präsentiert sich bereits ein wohlvorbereitetes Referendumskomitee. Die Gegner der vom Bund und der Verwaltung getragenen Hafenpläne decken ein breites Spektrum ab:

• Für jeden Skeptiker an obrigkeitlichem Handeln finden sich in ihrem Argumentarium Ansatzpunkte. Die Fortschrittsverweigerer können sich der Basta anschliessen, deren Vertreter Oliver Bolliger «Gigantismus» im Projekt ortet.

• Die Naturschützer haben mit Oliver Balmer und seiner Pro Natura einen Fürsprecher, die es unverzeihlich fänden, würde ein Biotop von nationaler Bedeutung verschwinden.

• Den Heimatbewahrern wird es warm ums Herz, wenn sie Georges Bühler zuhören, der als Präsident des Kleinhüninger Dorfvereins von den Nöten und Ängsten der Stadtbewohner vor Lärm und Verkehr berichtet.

• Für die Ganzheitlichen hat Katja Hugenschmidt vom Verein Ökostadt das Dafür und Dagegen abgewogen. Sie ist zum Schluss gekommen, dass der versprochene Nutzen den angerichteten Schaden nicht kompensieren könne.

• Den Technokraten erklärt Thomas Schweizer, Initiant der Interessengemeinschaft Schiffsführer, dass es eine «idiotische Idee» sei, ein derart vom Rhein abgelegenes Hafenbecken zu bauen.

• Für die Verschwörungsaffinen munkelt SVP-Grossrat Felix Wehrli, es sei der Beziehungsfilz im Hafen, der sich durch die Behörden vom Kanton bis zum Bund ziehe, der ein solches Projekt habe entstehen lassen.

• Die Vertreter der freien Wirtschaft können sich mit dem Unternehmer Roman Meyer identifizieren, dessen Firma Swissterminal vom Geschäft im Gateway Basel Nord ausgeschlossen wird.

Die Klammer der Präsentation der Argumente formuliert Thomas Grossenbacher, Grossrat des Grünen Bündnisses: Das Klimaargument, das von den Hafenbefürwortern ins Feld geführt werde, sei tatsächlich ein Argument gegen die Hafenpläne.

Der Vorteil der Gegnerschaft: Einzelne Organisationen kämpfen auf je ihrem Feld teilweise seit Jahren gegen das vielschichtige Hafen- und Entwicklungsprojekt und haben die Projektführer bereits in zähe juristische Grabenkämpfe verwickelt.


Der Vorteil der Befürworter ist, dass sie derzeit noch über eine breite politische Mehrheit verfügt. Ihr Nachteil ist, dass sie noch kein Unterstützungskomitee zusammengestellt hat, das sich in einen Abstimmungskampf werfen wird. Ausser den Behördenmitgliedern in Regierung und Hafenverwaltung war Martin Dätwyler, der Direktor der Handelskammer, bisher der engagierteste Promotor der Hafenpläne. Dätwyler ist auch politisch aktiv, allerdings als Baselbieter Landrat. Grossenbacher ist überzeugt: Die grosse Mehrheit im Grossen Rat sei kein Gradmesser, wenn sich die Basler Bevölkerung an der Urne zu den Hafenplänen äussern könne.

Autor

Christian Mensch

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