Kommentar

Too big to fail

Steinenvorstadt

Basler Nachtleben an einem Augustabend im 2019.

Steinenvorstadt

Der Nebel lichtet sich – nach und nach. Aus einer breit angelegten Stimmungsstudie wird schemenhaft erkennbar, was wir vermutet hatten, aber noch nicht schwarz auf weiss vorgesetzt bekamen: Die Wirtschaft in der Region hat in der ersten Welle der Corona-Krise von März bis Juni gelitten. Schwer gelitten. Aber, und das ist die gute und etwas beruhigende Nachricht: Sie ist in ihren Grundfesten nicht erschüttert worden.

Die Wirtschaftsverbände in Baselland und Basel-Stadt dürften die Ergebnisse ihrer Umfrage also mit gemischten und nicht nur schlechten Gefühlen zur Kenntnis nehmen. Ebenso die Behörden beider Kantone, die Millionenbeträge zur Stützung der Wirtschaft aufgeworfen haben. Was aber, insbesondere in der Stadt, zu denken geben muss: Es gibt eine Zweiklassengesellschaft. Branchen wie Pharma und Chemie, Finanz- und Immobiliendienstleister sowie das Bauwesen sind vergleichsweise glimpflich davongekommen. Tourismus, Gastro und Hotellerie hat es dagegen sehr hart erwischt. Selbstverständlich hängt deren nahe Zukunft in erster Linie vom weiteren Verlauf der Pandemie ab. Für die Basler Politik stellt sich jedoch die Frage, ob man von einem Unterstützungssystem, das alle Branchen gleich behandelt, auf ein spezifisch ausgerichtetes umstellen soll. Sind Restaurants, Bars und Hotels für Basel «too big to fail»? Da stabile Branchen wie die Pharma von einem attraktiven Umfeld und einer lebendigen Stadt massiv profitieren, ist diese Frage mit Ja zu beantworten.

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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