Theatergruppe Uni Basel: Alles gut – oder doch nur Fassade?

Die Theatergruppe Primaten der Universität Basel setzt das Stück «Die Abweichungen» von Clemens J. Setz mit viel Spielwitz um.

Bettina Hägeli
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Erste Liebe: Laura Hagen als Emily (links), Naomi Pedrioli als Tom.

Erste Liebe: Laura Hagen als Emily (links), Naomi Pedrioli als Tom.

Zvg/Felix A. Erb

Viele Kommilitonen sind gekommen und warten gespannt auf die Premiere ihrer schauspielaffinen Freunde. Im Bau 3 auf dem Gundeldinger Feld sind die Ränge voll, als das Spiel des Unitheaters Basel beginnt: Die Putzhilfe Jennifer hat Modelle kreiert. Minuziös, fast schon unheimlich genau sind die Wohnungen nachgebaut, die sie regelmässig geputzt hat.

Nun sind die Miniaturen im Museum zu sehen. Posthum notabene, denn Jennifer hat sich nach der Kunstaktion das Leben genommen. Prekär wird es, als die Mieter entdecken, dass in den Nachbildungen ihrer Räumlichkeiten einige Abweichungen eingebaut sind. Ein feiner Unterschied zur Realität besteht immer: Sei es, dass der Schrank umplatziert wurde oder dass zwei Geschwister dargestellt sind, wo es eigentlich nur ein Kind gibt. Krisen zwischen den Paaren entstehen. Kunststück, wenn die Mutter beginnt, ihr zweites Kind zu vermissen, der Vater sich aber der Rationalität verschrieben hat.

Nach dem Lampenfieber kam die Lockerheit

Die Umsetzung des vielschichtigen Theaterstücks «Die Abweichungen» von Clemens J. Setz ist mit liebevoll ausgearbeiteten Übergängen sehr gelungen. Die sechs Schauspielerinnen und der Schauspieler wissen die Sprache Setz’ gekonnt in die Münder der Figuren zu legen. Das Spiel funktioniert am besten, wenn die Figur atypisch zur Schauspielerin angelegt ist. Die meist geschlechtlich diametrale Besetzung geht daher wunderbar auf. Die jungen Schauspieler schlüpfen oftmals in zwei Figuren, und es gelingt ihnen mit klar gezeichneten Gesten deren Überzeichnung.

Nachdem das anfängliche Lampenfieber überwunden ist, ergibt sich nach und nach eine Lockerheit, in der viel Authentisches zu Tage tritt. Die Situationskomik gelingt, manch Lacher wird geerntet. Durch eine zaghafte-coole Körpersprache wird die erste Liebe zwischen Emily und Tom nachfühlbar: Das hormonell bedingte Gefühlschaos von Teenagern ist nuanciert dargestellt. Wenn sich die Figuren zum Publikum gewendet im Spiegel betrachten oder sich als Familie für ein Shooting arrangieren, erhalten sie etwas Menschliches: In ihrem Bemühen, gut dazustehen, fallen ihre Masken.

Die von Tamea Wissmann eingespielten Klavierstücke unterlegen stimmig die Szenen. Alle Spielvarianten mit den wenigen Requisiten werden ausgekostet. Das spielfreudige Ensemble beweist sogar, dass man bequem auch an der Wand schlafen kann. Die Begeisterung im Publikum war am Ende gross, und den Schauspielerinnen und dem Schauspieler war ihre grosse Dankbarkeit anzusehen, endlich wieder auf der Bühne stehen zu dürfen.

«Die Abweichungen», Bau 3, Dornacherstrasse 192, Basel. Nächste Vorstellungen: 26. Februar, 3., 4. und 5. März, 20 Uhr. www.unitheater.ch