Basler Strafgericht
Trickbetrüger aufgeflogen: Polizei fasst falsche Polizisten

Das Basler Strafgericht verurteilt einen Mann zu zweieinhalb Jahren Gefängnisstrafe teilbedingt. Er soll ältere Frauen um Schmuck gebracht haben und wollte Bargeld ergaunern.

Nora Bader
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Falsche Polizisten treiben noch immer ihr Unwesen in der Region. Am Dienstag stand ein Mann deshalb wegen Betrug in Basel vor Gericht.

Falsche Polizisten treiben noch immer ihr Unwesen in der Region. Am Dienstag stand ein Mann deshalb wegen Betrug in Basel vor Gericht.

Symbolbild Archiv: Raphael Rohner

Sie geben sich als Polizisten aus und weisen ältere Menschen via Telefon an, ihnen Geld und Wertgegenstände zu übergeben. Dies zur Sicherheit der Betroffenen, damit diese nicht ausgeraubt würden. Hintermänner der Täter holen die Ware ab. Sogenannte Logistiker koordinieren das Ganze. Die Geschädigten merkten meist erst zu spät, dass sie Verbrechern auf den Leim gegangen sind.

Die Masche mit dem Telefonbetrug und den falschen Polizisten ist bekannt. Deshalb werden die Täter immer kreativer. Dennoch gingen zwei aber vor ein paar Monaten der «richtigen» Polizei ins Netz. Einer der beiden mutmasslichen Betrüger musste sich gestern vor dem Basler Strafgericht verantworten. Es handelt sich dabei um einen 36-jährigen Deutschen, der in der Schweiz bei Telefonanbietern gearbeitet und teilweise auch in Basel gelebt hat. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft und soll gemäss Anklageschrift mit einem Komplizen innerhalb nur einer Woche zwei fast identische Straftaten begangen haben. Ausserdem soll er Kontakte in die Türkei pflegen. Ob von dort aus der Telefonbetrug organisiert wurde, ist nicht klar.

Schmuck soll im Milchkasten deponiert werden

«Ich verlor meine Arbeit und kam in eine Abwärtsspirale», sagte der Angeklagte vor Gericht. Er verstrickte sich allerdings während der Befragung immer mehr in seinen Aussagen. Die Täter hätten sich als Kommissar ausgegeben und eines der Opfer wegen «vermehrter Einbrüche im Quartier» angewiesen haben, seinen Schmuck im Milchkasten zu deponieren, so die Anklage. Der Schmuck im Wert von über 300 Franken wurde abgeholt - allerdings nicht von der Polizei. Die Basler Telefonnummer, welche der Täter dem Opfer angegeben hatte, gehörte einer unbeteiligten Drittperson, wie sich später herausstellen sollte.

Das andere Opfer, ebenfalls eine ältere Frau, war von Anfang an misstrauisch. Deshalb sollen die Täter aus dem Vollen geschöpft haben: Sie tischten eine dreiste Lügengeschichte auf, wonach die ältere Frau von Leuten aus ihrem Bekanntenkreis hintergangen werde – in einem gefundenen Notizbuch stehe, dass die Frau das nächste Opfer sei, welches seines Geldes entledigt werde. Ihre Bank spiele mit bei den Intrigen und würde falsches Geld herausgeben, sagte ein mutmasslicher «Oberkommissar von Europol» der Frau am Telefon. Sie liess sich unter Druck dazu anleiten, 13'600 Franken abzuheben, um diese an einem genannten Ort im Mistkübel zu deponieren. Währenddessen dürfe sie den Telefonanruf nicht unterbrechen – eine weitere Masche der Täter, damit Opfer nicht die Polizei anrufen können, wie die Staatsanwaltschaft vor Gericht ausführte. Das Opfer beendete den Telefonanruf und tat genau das. Der Beschuldigte und sein Komplize flogen auf, auch wegen der Chatverläufe auf beschlagnahmten Mobiltelefonen.

Kontrolleur schilderte die Ereignisse

Beim Beschuldigten waren unter anderem rund 90 Gramm Haschisch gefunden worden. Ausserdem war ein Strafbefehl hängig wegen Beschimpfung, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte. Er soll bei einer Kontrolle im Bus BVB-Mitarbeitende angegriffen haben. Der Geschädigte Kontrolleur war als Zeuge da und schilderte die Ereignisse. Der Beschuldigte bestritt diese. So wie er auch andere Geschehnisse bestritt. Das Gericht beurteilte seine Aussagen als wenig glaubhaft und sprach den Mann schuldig wegen Betrug, versuchtem Betrug und Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Er wurde verurteilt zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren, davon 15 Monate bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren. Ausserdem erhielt er eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen an 30 Franken und eine Busse von 300 Franken.

Der Beschuldigte wird drei Jahre des Landes verwiesen. Die Staatsanwaltschaft hatte einen Landesverweis von fünf Jahren gefordert, ansonsten deckte sich das Urteil mit den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger hatte in den Hauptanklagepunkten auf Freispruch plädiert.