Strafgericht Basel
Professioneller, aber eher erfolgloser Einbrecher aus Strasbourg wurde aufgrund von DNA-Treffern überführt

Ein Einbrecher stand am Montag wegen verschiedenster Einbrüche in der Region vor dem Basler Strafgericht.

Patrick Rudin
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Unter dem Strich verurteilte das Gericht den Mann am Montag wegen gewerbsmässigen Diebstählen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren, dazu verhängte es einen Landesverweis von sieben Jahren.

Unter dem Strich verurteilte das Gericht den Mann am Montag wegen gewerbsmässigen Diebstählen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren, dazu verhängte es einen Landesverweis von sieben Jahren.

Keystone

«Man sagte mir, ich hätte Schmuck im Wert von rund 40'000 Franken gestohlen. Es war aber nicht soviel. Wenn ich soviel gestohlen hätte, würde ich nicht in einem Wohnwagen leben, sondern in einem Haus oder einer Villa», beteuerte der 25-jährige Mann am Montag im Gerichtssaal in Basel.

Es war ein Zufallstreffer: Im Oktober 2020 wollten Grenzwächter den Mann kontrollieren, als er zu Fuss bei der Friedrich Miescher-Strasse über die französische Grenze spazierte. Er floh, der Versuch endete in Handschellen, es gab eine Geldstrafe wegen Hinderung einer Amtshandlung. Die Behörden schauten beim mehrfach vorbestraften Mann genauer hin, und die DNA-Analyse ergab elf Treffer zu nicht aufgeklärten Einbrüchen in der Region. Der Mann sitzt seither in Untersuchungshaft.

Im Wohnwagencamp mit seiner Familie

Zu seinen Lebensumständen ist nur bekannt, was er selber erzählte: Geboren ist er in Belgien, aufgewachsen in Frankreich, dabei zog er immer in Wohnwagen umher. Inzwischen lebt er hauptsächlich in einem Wohnwagencamp in der Nähe von Strasbourg, zusammen mit seiner Lebenspartnerin und zwei Kinder im Alter von drei und fünf Jahren. Als die Gerichtspräsidentin ihn fragte, wie alt die Kinder seien, musste er allerdings lange überlegen. Ab und zu arbeite er auf dem Bau, aber es sei sehr schwierig, in Frankreich Arbeit zu bekommen.

Gegenüber der Staatsanwaltschaft hatte er sich in einer Einvernahme als «Zigeuner» bezeichnet, am Montag fiel der Ausdruck allerdings nicht. Ob seine Angaben stimmen, war vor Gericht umstritten: Die Staatsanwältin wies darauf hin, dass er während der ganzen bisherigen Haft nicht einmal Kontakt mit seiner Familie hatte. Der Verteidiger wiederum wies daraufhin, dass die Familie direkt nach der Verhaftung gleich zwei Anwälte organisiert habe.

«Den Landesverweis akzeptiere ich. Aber warum ist die Freiheitsstrafe so lang?»

Die Fragen der Gerichtspräsidentin beantwortete der 25-Jährige am Montag jeweils höflich. Als Staatsanwältin Sherilyn Kirchhofer allerdings in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren und einen Landesverweis von zehn Jahren forderte, reagierte er genervt. «Den Landesverweis akzeptiere ich. Aber warum ist die Freiheitsstrafe so lang? Mehr als drei Jahre, das ist sehr viel. Ich sitze schon seit sechs Monaten in Haft», liess er via Übersetzerin ausrichten.

Die Einbrüche fanden mit einer Ausnahme alle zwischen Juli 2017 und Dezember 2018 statt, nebst einem Fall im Kanton Bern alle in Basel, Riehen, Bottmingen, Münchenstein, Allschwil und Therwil. Das Vorgehen war immer dasselbe: Gewaltsames Aufwuchten von Fenstern oder Sitzplatztüren, rasches Durchsuchen der Wohnung, in sieben Fällen blieb es dabei. Die anderen fünf Fälle waren erfolgreich: Goldketten, Ohrringe, Armbänder und Uhren waren die Beute. Alleine der Sachschaden an den Fenstern beträgt über 33'000 Franken. «Es tut mir sehr leid. ich werde es nie mehr tun und werde mir Arbeit suchen», beteuerte er.

Freiheitsstrafe und Landesverweis

Verteidiger Ozan Polatli argumentierte, ein Einbruch im November 2017 in Therwil sei nicht nachgewiesen, weil hier lediglich ein Fussabdruck gefunden wurde. Das genüge als Beweis nicht. Das Dreiergericht sah das anders: Fünf Tage nach dem Therwiler Fall stellte die Polizei nämlich denselben Fussabdruck bei einem Einbruch in Bottmingen sicher, dazu auch die DNA-Spur des Mannes. Unter dem Strich verurteilte das Gericht den Mann am Montag wegen gewerbsmässigen Diebstählen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren, dazu verhängte es einen Landesverweis von sieben Jahren.

Gerichtspräsidentin Sarah Cruz betonte, die Einbrüche alleine hätten eine Strafe von 24 Monaten zur Folge gehabt, wegen der Vorstrafen des Mannes habe man das Strafmass aber um sechs Monate erhöht. Der 25-Jährige schien halbwegs zufrieden, kann das Urteil aber noch weiterziehen.