Queerbeet
Breitensport Fussball? Nicht für Schwule

In seiner neuen Kolumne schreibt der 18-jährige Buchblogger Josia Jourdan über queere Vielfalt.

Josia Jourdan
Josia Jourdan
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Mit Sichtbarkeit gegen Hass und Ablehnung: Josh Cavallo.

Mit Sichtbarkeit gegen Hass und Ablehnung: Josh Cavallo.

Keystone

Männer liegen sich in den Armen: Das Schweizer Nationalteam feiert seine WM-Qualifikation, und eine ganze Nation freut sich mit. Aber schwule Fussballer? Das Outing von Josh Cavallo, dem australischen Nationalspieler, hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Er ist der erste – und einzige – offen schwule Spieler einer Topliga weltweit. Und dafür gibt es gute Gründe.

Fussball ist der Inbegriff der toxischen Maskulinität. Die absolute Extreme. Wer nicht männlich genug ist, hat kaum Chancen, sich zu behaupten. Zu hart sind die Verurteilungen, die Kommentare der anderen. Der Konkurrenzkampf um die Männlichkeit ist absurd.

Die Kabinengespräche sind ein Zeugnis dafür, dass Sexismus, Queerfeindlichkeit und Rassismus tief verankert sind - im Fussball werden sie bestärkt und toleriert. Alle, die schon einmal in so einer Kabine standen, wissen, wovon ich rede. Kein Wunder also, dass in einem Umfeld, in dem es ständig darum geht, die Schwächeren auszustechen oder sich gegenüber seinen Teamkollegen zu beweisen, Schwulsein kein Thema ist. Es ist übrigens nicht ein reines Fussballproblem, auch in anderen Sportarten existieren diese Dynamiken.

Keine offen schwulen Spieler beim FCB

Für schwule und bisexuelle Jungs, die gerne Fussball spielen, gibt es also nur zwei Wege – entweder akzeptieren sie die Umstände und versuchen ihre Sexualität zu verbergen, damit sie ihrer Leidenschaft nachgehen können. Oder sie zerbrechen an dem intoleranten Umfeld und geben ihr Hobby auf. Das geschieht nicht selten, und es gäbe bestimmt mehr schwule und bisexuelle Jungs auf dem Platz, wenn sie mehr Offenheit und weniger Hass erlebten.

Bei den Frauen im Fussball ist es dagegen kein Problem, lesbisch zu sein. Schweizer Topstars wie Ramona Bachmann oder Alisha Lehmann leben ihre Sexualität offen aus und spielen gleichzeitig in den Topligen dieser Welt. Sie dienen als Vorbild für Millionen Fussballbegeisterte auf Instagram, TikTok und natürlich dem Fussballplatz. Beim FC Basel sind lesbische Fussballerinnen genauso sichtbar wie heterosexuelle. Das Klischee, dass alle Frauen, die gerne auf dem Rasen stehen, lesbisch sind, stimmt aber genauso wenig wie jenes, dass alle Männer, die Fussball spielen, Heteros sind. Trotzdem gibt es keinen offen schwulen Spieler beim FC Basel.

Vorbilder zum Aufblicken

Gerade deshalb ist das Outing von Josh Cavallo ein wichtiges Zeichen für alle, die sich in diesem Sport ungesehen fühlen. Für alle schwulen und bisexuellen Jungs und Männer ist es der Beweis, dass auch sie erfolgreich Fussball spielen können. Endlich gibt es ein Vorbild, zu dem sie aufblicken können. Wann wird nun der erste Spieler aus Europa oder gar der Schweiz nachziehen? Es wird viel Mut brauchen, aber wie Josh Cavallo beweist, schadet es seiner Karriere nicht. Vielmehr hat er vom Medienrummel profitiert und sogar Topstars wie Lil Nas X haben ihm zu seinem Mut gratuliert.

Sie denken jetzt vielleicht, dass es schön wäre, wenn die Sexualität im Fussball gar keine Rolle spielen würde. Dem stimme ich zu. Aber solange Queerfeindlichkeit in Umkleidekabinen salonfähig ist, sich die Kommentarspalten unter Bildern der Allianz Arena in Regenbogenfarben mit hasserfüllten Kommentaren füllen und die WM in Katar, einem der queerfeindlichsten Länder dieser Welt stattfinden wird, ist Fussball kein sicherer Ort für schwule und bisexuelle Jungs.

Deshalb brauchen wir Menschen, die hinstehen und Sichtbarkeit schaffen, auch wenn sie damit riskieren, selbst auf Hass und Ablehnung zu stossen. Nur so kann Fussball wirklich ein Sport für alle sein.