Junges Theater Basel

PC-Paula und Cozy Rozy bekämpfen das Patriarchat

Das Junge Theater Basel bringt sein neues Stück «Untitled» auf die Bühne der Kaserne. Sechs Frauen werden darin zu Superheldinnen.

Auf der Bühne und im Zuschauerraum ist es stockdunkel. Dann: Sechs Gesichter tauchen auf, von Smartphone-Bildschirmen angestrahlt. Es sind die Gesichter junger Frauen, die das Publikum erst einmal in eine private Welt mitnehmen. Es folgen klischeehafte Darstellungen einer gelangweilten, unterhaltungssüchtigen Jugend.

Die Frauen sprechen über Serien und darüber, ob sie diesen Abend ausgehen sollen. Schnell wird die Plauderei durchbrochen: «Männer, die mein Aussehen kommentieren, machen mich hässig», sagt eine. Eine andere: «Mich macht hässig, wenn mein Lehrer für mich Feminismus definiert.» Die übrigen liefern ihre persönlichen Hässigmacher nach – und gemeinsam entscheiden sie, nicht nur im Internet, sondern auch auf der Strasse ihren Unmut zu äussern.

Die sechs wollen an einer Demonstration teilnehmen, an der sich laut Social Media über 100 000 Menschen beteiligen werden. «Untitled» soll sie heissen, die Demo. «Untitled» heisst auch das Stück, das die sechs Basler Schauspielerinnen gemeinsam mit dem Theaterkollektiv Henrike Iglesias entwickelt haben.

Die Protagonistinnen gehen also zur Demo. Doch statt der erwarteten Menschenmassen sind nur ein paar wenige hier – nämlich die Menschen aus dem Publikum. An dieser Stelle folgt ein theatraler Effekt, welcher der Aufführung Lockerheit und Verbundenheit zugleich gibt. Das Publikum wird direkt als Teil der Protestgemeinschaft angesprochen.

Mit Löschdecken gegen den Waldbrand

Trotz der gefloppten Demonstration entschliessen sich die Frauen dazu, eine Bande zu gründen. Sie wollen Aktivistinnen werden und bauen sich ein Hauptquartier. Immer wieder werden die Sprechhandlungen durch Musik und Tanz unterbrochen, das Bauen des Quartiers wird zur Choreografie. Man merkt: So wichtig es den jungen Frauen ist, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, Humor haben sie dennoch – oder gerade deshalb.

Apropos Humor: Die Aktivistinnen werden nun zu Superheldinnen, sie geben sich Namen wie PC-Paula, Dilly G oder Cozy Rozy. Junge Menschen, die das Patriarchat und den Kapitalismus bekämpfen möchten, die davon sprechen, die australischen Waldbrände mit riesigen Löschdecken zu bezwingen – und sich dann peinliche Heldinnennamen geben. Kann man nicht ernst nehmen? Doch, sollte man. Denn im Stück steckt Tiefe. Und die wird unter anderem durch einen weiteren Kniff erreicht: Die Frauen legen ihre Heldinnenrollen ab und spielen sich selbst. Auf der Bühne stehen nun Elif, Linarosa, Dilan, Paula, Naila und Rabea.

Ist es den Superheldinnen um die grossen Zusammenhänge gegangen, erzählen die sechs jungen Frauen nun ganz persönliche Geschichten. So spricht zum Beispiel Linarosa Hadorn darüber, wie es ist, als kleinwüchsiger Mensch den Alltag zu bewältigen. Dilan Graf singt einen Song, der von Schamgefühlen handelt. Und Rabea Lüthi wiederholt («Aber nur, weil ich heute gute Laune habe») etwas, was in einer sich modern nennenden Gesellschaft eigentlich klar sein sollte: dass man schwarzen Menschen nicht in die Haare fasst.

Weltrettungsgedanken werden zu intimen Lebensgeschichten und umgekehrt, das Private wird politisch. Und obendrein muss gesagt werden, dass die Protagonistinnen allesamt einfach unglaublich gut spielen.


Nächste Vorstellungen: 19., 20. und 21. Februar. www.jungestheaterbasel.ch

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