Kulturpreis BS

Niki Reiser: «Ich hatte dieses Jahr noch keinen Auftrag»

Niki Reiser 9079

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Der Basler Niki Reiser ist einer der erfolgreichsten Film-Komponisten im Deutschen Raum. Heute nimmt er den Kulturpreis BS entgegen.

Seit seinem zwölften Lebensjahr lebt Niki Reiser in Basel. Schon vorher entdeckte der gebürtige Aargauer seine Liebe zur Musik. Nach einem klassischen Flötenstudium in Basel vertonte er 1986 seinen ersten Spielfilm. Der heute 62-Jährige bekommt heute Abend den Kulturpreis der Stadt Basel.

Herr Reiser, Sie haben bis jetzt über 45 Filme vertont. Auf welche Arbeit sind Sie besonders stolz?

Niki Reiser: Es gibt einen Film, der brutal ­«unerfolgreich» war: «Undertaker’s Paradise» (2000). Für diesen Film, den niemand gesehen hat, habe ich eine meiner Lieblingskompositionen geschrieben, vielleicht auch deshalb, weil die Geschichte und der Regisseur so schräg waren, dass ich absolute Freiheit als Filmkomponist hatte und so auf Ideen kam, die sonst nicht entstehen können.

Gab es auch Projekte, an denen Sie sich die Zähne ausgebissen haben?

Ich beisse mir bei jedem Film die Zähne aus! Es ist jedes Mal ein Ringen darum, den wahren Inhalt einer Geschichte zu finden. Es gibt ein paar wenige Filme, bei denen die Absicht auf kommerziellen Erfolg wichtiger waren als Inhalt. Da spüre ich rückblickend schon, dass ich nicht so stolz auf meine Scores bin.

Ihre Karriere ist eng mit jener von Regisseur Dani Levy verknüpft. Sind Sie nach 15 gemeinsamen Filmen ein Gewohnheitspaar?

Dani Levy verdanke ich, dass ich Filmkomponist geworden bin. Das Schöne mit ihm ist, dass wir als Freunde zusammen arbeiten können und dadurch eine Vertrautheit haben, bei der wir wissen, wie der andere funktioniert. Dani hat bei jedem Film schon eine klare Vorstellung, wie die Musik sein soll und fordert mich so immer wieder heraus, unbekannte Gefilde zu betreten.

Sie schaffen jährlich einen, in seltenen Fällen zwei Filme. Füllt das Ihr Arbeitspensum und die Kasse?

Ich bin ein eher langsamer Komponist und brauche jeweils vier bis sechs Monate an einem Projekt. Das ist wirtschaftlich natürlich riskant. Ich hatte jedoch immer wieder Glück mit Filmen, die im Kino erfolgreich waren und lebe so vor allem von meinen Urheberrechten.

Wie oft müssen Sie Anfragen ablehnen?

Eigentlich sehr selten.

Mit der Band Kol Simcha waren Sie in den Neunzigern viel unterwegs. Vermissen Sie das Band­leben auf Tour?

Ich vermisse das Live-Erlebnis tatsächlich immer wieder, da man da im Moment musiziert und den direkten Kontakt zum Publikum spürt. Das Komponieren für Filme ist schon eher ein einsames Arbeiten und das Publikum besteht da aus dem Regisseur, dem Cutter und dem Produzenten des Filmes – im Moment meist über Skype…

Wie erleben Sie die Corona-­Pandemie? Das Filmbusiness leidet ja stark darunter.

Ich hatte durch Verschiebungen von Filmprojekten dieses Jahr noch keinen Arbeitsauftrag. Im Moment beginnen in Deutschland die Dreharbeiten zu einem Film, die im letzten Frühjahr hätten stattfinden sollen. Ich ­hoffe sehr, dass diese auch beendet werden, ansonsten hätte ich bis Juni nächsten Jahres «frei».

Ein von Ihnen vertonter «Tatort» hiess «Die Musik stirbt zuletzt». Auch jetzt?

Natürlich wird die Musik nie sterben. Aber in der jetzigen Situation ist es wichtig, dass die Musiker überleben, und dass die Regierungen sich bewusst sind, wie wichtig Kultur ist. Deshalb fände ich es wichtig, dass es für selbstständige, notleidende Musiker und Künstler durch die Corona Krise hindurch ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt, damit sie weiterhin an ihrer Kunst arbeiten können.

Sie haben weltweit Ehrungen bekommen. Nun endlich auch in Basel. Was bedeutet Ihnen der Kulturpreis?

Es hat mich sehr überrascht, dass ich den Kulturpreis der Stadt Basel erhalte! Ich finde es sehr ermutigend, dass die Arbeit an Filmen als Kultur geehrt wird. Und natürlich ist es beeindruckend, wenn nicht beängstigend, in welcher Reihe ich da nun stehe: Meret Oppenheim, Paul Sacher, Heinz Holliger, Jean Tinguely…

Verleihung Kulturpreis und Kulturförderpreis BS
Parallel zur Vergabe des Kulturpreis der Stadt Basel an den Film-Komponisten Niki Reiser wird heute Abend mit dem Kultur­förderpreis die Illustratorin Ziska Bachwas geehrt. Die in Basel lebende gebürtige Emmentalerin mit Jahrgang 1993 sei eine «scharfsinnige Chronistin des lokalen Alltags- und Kultur­lebens» heisst es in der Begründung der Jury.
Die feierliche Übergabe der beiden Preise findet unter Einhaltung der Corona-­Schutz­massnahmen in geschlossenem Rahmen vor ­geladenen Gästen statt. Die Würdigung auf Ziska Bachwas erfolgt durch die ­Kuratorin und Dozentin Laura Pregger vom HyperWerk. Die Lau­datio auf Niki Reiser hält ­dessen Arbeitskollege und lang­jähriger Freund, der Regisseur Dani Levy.
Der Kulturpreis ist mit 20000 Franken dotiert, der Kulturförderpreis mit 10000. (sts)

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