Super League
Der FCB kommt nicht vom Fleck: Neue Schadensmeldung aus Basel

Anfang März sind bereits etliche Hoffnungen des FCB dahin, die Meisterschaft ist genauso abgeschrieben wie der Cup und die Mannschaft ist weiter entfernt denn je, eine Macht darzustellen. Jetzt gilt das Augenmerk dem europäischen Dasein.

Christoph Kieslich
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Ein enttäuschter Fabian Frei: Sinnbild für den FC Basel im Frühjahr 2022.

Ein enttäuschter Fabian Frei: Sinnbild für den FC Basel im Frühjahr 2022.

Es gibt, hat Peter Zeidler am späten Donnerstagabend gesagt, schlimmere Dinge, als beim FC Basel 2:2 zu spielen. Das war ein versöhnlicher Schlusssatz nach einem atemlosen Spiel, über das der Sankt Galler Trainer aber schon noch angemerkt haben wollte, dass grosse Enttäuschung in seinem Team herrsche. Darüber, eine «Riesenchance» vertan zu haben, erneut in Basel zu gewinnen. Genauer: zum sechsten Mal von 2017 an gerechnet.

Diese Einordnung des Gegners hilft, die Verfasstheit des FC Basel zu überschauen. Da schlittert ein Verein eher durch die Rückrunde denn einen geordneten oder gefestigten Eindruck zu hinterlassen. Dass die Basler Kantonalbank nach anderthalb Jahrzehnten keinen Bedarf mehr sieht und sich als sogenannter Premiumsponsor zurückzieht, passt da als Randnotiz irgendwie ins Bild.

Wo soll das Selbstverständnis auch herkommen, das Selbstvertrauen, das am vergangenen Sonntag bei der Niederlage gegen den designierten Meister FC Zürich erneut Schaden genommen hat?

Kasami drastisch: «So abschlachten lassen kann man sich nicht»

Auch Pajtim Kasami stellte das nach dem St.-Gallen-Spiel fest, der Routinier, der zuletzt nicht erste Wahl war und dessen Einwechslung – nebst der des anderen Routiniers Michael Lang – dazu beitrug, wenigstens die zweite Heimniederlage der Saison abzuwenden. Die erste Halbzeit, so Kasami, sei «inakzeptabel» gewesen. «Schlecht spielen kann man, aber Einsatz und Kampf kann man trotzdem immer zeigen.»

Betretene Mienen bei Guillermo Abascal (rechts) und seinem Assistenten Marco Walker zur Pause des Spiels gegen St. Gallen.

Betretene Mienen bei Guillermo Abascal (rechts) und seinem Assistenten Marco Walker zur Pause des Spiels gegen St. Gallen.

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Das gelang dann immerhin ansatzweise nach der Pause, nachdem die Fans ihrem Unmut Ausdruck verliehen hatten auf dem Weg in die Katakomben. Interimstrainer Guillermo Abascal sah dann in der Garderobe immerhin in «hungrige» Gesichter seiner Spieler, und die anschliessende Reaktion auf den neuerlichen Nackenschlag, das wollte der Spanier als «sehr gut», als «wichtig» und «positiv» für die nähere Zukunft mitgenommen wissen aus dieser Partie.

Das ist auf der anderen Seite erschütternd wenig gemessen an den Ansprüchen. Und kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der FCB Anfang März mit einer unfertigen Mannschaft dasteht. Weiter entfernt denn je eine «Macht» darzustellen, was sie in Basel immer gerne im Mund führen. Stattdessen ist Woche für Woche von leichten Fehlern die Rede, davon, ganze Halbzeiten zu verschlafen, oder, wie es Kasami am Donnerstag etwas drastisch formulierte: «So abschlachten lassen kann man sich nicht.»

Statt eine Macht zu sein, ist der FCB wieder abgehängt

Der Zustand des FCB kann nicht wirklich verwundern bei aller Fluktuation im Kader, nach dem Trainerwechsel im vollen Galopp und den unrealistischen Erwartungen, die von ganz oben an dieses Team gerichtet sind.Die Hoffnung des ungeduldigen Klubchefs David Degen, im Meisterrennen noch ein Wörtchen mitreden zu können, ist zerstoben.

Auf 15 Punkte ist der Abstand zu Zürich angewachsen und die Basler stehen wieder ungefähr da wo sie in den zurückliegenden vier Jahren (vulgo: Burgener-Ära) im Wettlauf mit den Young Boys standen: abgehängt.

Die Super League Anfang März: Das hat sich Basel anders vorgestellt.

Die Super League Anfang März: Das hat sich Basel anders vorgestellt.

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Und schon folgt die nächste Woche der Hoffnung und Wahrheit. Erst am Sonntag in Lugano, das sich bis auf zwei Punkte an die Basler auf dem dritten Platz herangerobbt hat. Diesen Platz und die damit verbundene Qualifizierung für den europäischen Wettbewerb gilt es nun zu verteidigen. Nicht mehr und nicht weniger.

Den anderen Traum träumt Degen ja in der laufenden Conference League. Das Finale am 25. Mai in Tirana hat er als Ziel gesetzt nach dem Motto: Warum nicht? Kommenden Donnerstag setzt der FCB im Achtelfinal-Hinspiel bei Olympique Marseille diese Mission fort. Und auf europäischem Parkett ist den Baslern ja schon manches Husarenstück geglückt. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Der FC Basel spielt sein Achtelfinal in der Conference League gegen Olympique Marseille am 10. und 17. März.

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