MCH Group
Der Messekonzern zweifelt am versprochenen Schutzschirm des Bundes

Der Investor James Murdoch hätte mit seiner Kapitalspritze den Neustart der MCH Group finanzieren sollen. Nun werden damit vor allem die Covid-Löcher gestopft.

Christian Mensch
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Schräglage bei der MCH Group: Ueli Vischer (r.) tritt als Verwaltungsratspräsident ab. Beat Zwahlen (l.) führt den Messekonzern weiter interimistisch als Konzernchef.

Schräglage bei der MCH Group: Ueli Vischer (r.) tritt als Verwaltungsratspräsident ab. Beat Zwahlen (l.) führt den Messekonzern weiter interimistisch als Konzernchef.

Juri Junkov / BLZ

Im zweiten Halbjahr, so hofft die MCH Group, könne das Messe- und Eventgeschäft allmählich wieder Fahrt aufnehmen. Eine Normalisierung sei jedoch erst im kommenden Jahr zu erwarten. Daran ändert nach Einschätzung des interimistisch eingesetzten Konzernchefs Beat Zwahlen auch der vom Parlament beschlossene Schutzschirm für die Eventbranche wenig.

Der Schutzschirm ist nach österreichischem Vorbild gebaut: Veranstalter, die ins Risiko gehen, sollen vom Bund entschädigt werden, wenn der Event coronabedingt doch ausfallen muss. Ein Topf von 350 Millionen Franken soll dafür geäufnet werden, mit dem bis zur Hälfte der aufgelaufenen Kosten gedeckt werden könnten.

Die MCH Group, der grösste Messebetreiber der Schweiz, müsste von der Ausfallversicherung begeistert sein. Zwahlen ist jedoch skeptisch, solange kantonale Bewilligungen ausschlaggebend sind, ob die neue Ausfallversicherung zur Anwendung komme oder nicht. Er sagt: «Es braucht eine einheitliche Lösung unter allen Kantonen.»

Schweizer Covid-Darlehen für die MCH Group zu kompliziert

Der Messekonzern, der seine Geschäftszahlen 2020 vorgelegt hat, leidet massiv unter der Pandemie. Nur gerade vier von 24 geplanten Messen konnten durchgeführt werden. Der Betriebsertrag sank um rund 60 Prozent auf lediglich noch 188 Millionen Franken. Entsprechend türmte sich ein Jahresverlust von 72 Millionen Franken.

Zur Finanzierung der laufenden Kosten stützte sich die MCH Group bereits im vergangenen Jahr auf staatliche Gelder. Covid-Darlehen in Höhe von 7,6 Millionen Franken nahm sie jedoch bloss in den USA und in Deutschland in Anspruch. Ein Kredit in der Schweiz über 1,5 Millionen Franken wurde rasch zurückbezahlt, da die Richtlinien zu rigide seien für ein Unternehmen wie die MCH Group, das in verschiedenen Kantonen tätig ist.

Ausfallversicherung zahlte bisher 22 Millionen Franken

Eine substanzielle Entlastung war jedoch die Kurzarbeitsentschädigung. Die Schweizer Belegschaft war während zehn Monaten durchschnittlich zu 50 Prozent auf Kurzarbeit, was mit 8,9 Millionen Franken abgegolten wurde. In den USA wurden 125 Mitarbeiter in unbezahlten Urlaub (Furlough) geschickt, was bedeutet, dass der Arbeitgeber lediglich die Sozialabgaben zu zahlen hat. Zu einer wesentlichen Einnahmequelle wurden schliesslich Versicherungsleistungen. Die Verhandlungen seien zwar noch nicht abgeschlossen, doch nach bisherigen Vereinbarungen wird der Ausfall der grossen Kunstmessen mit 22 Millionen Franken abgegolten.

Erfolgreich war die MCH Group im vergangenen Jahr lediglich bei der Neustrukturierung des Aktionariats. Der staatliche Anteil sank von 49 Prozent auf rund einen Drittel, als neuer Ankeraktionär mit ebenfalls rund einem Drittel der Stimmen konnte dafür die Lupa Systems von James Murdoch gewonnen werden.

Schwarze Zahlen ab 2022, aber noch lange keine Gewinnsteuern

Gemäss Geschäftsbericht hat Murdoch über die Kapitalerhöhung 48 Millionen Franken an frischen Barmitteln in die Firma eingebracht. Angedacht war, mit dem Geld die Bilanz zu sanieren und den Transformationsprozess des Messeunternehmens zu finanzieren. Zusammen mit den Bareinlagen von Basel-Stadt (4 Millionen) und von Drittaktionären (22 Millionen) floss dem Unternehmen zwar viel Geld zu, aber durch die Pandemie noch mehr ab. Nicht zuletzt aufgrund der schrumpfenden Bilanzsumme stieg die Eigenkapitalquote von minimalen 10 dennoch auf immerhin knapp 17 Prozent.

Mit einem Polster von 130 Millionen Franken an flüssigen Mitteln sei der Fortbestand des Unternehmens «über das laufende Geschäftsjahr hinaus» gesichert, meint die MCH Group. Auch wenn die Firma ab 2022 wieder schwarze Zahlen schreiben soll, so wird sie noch lange keine Gewinnsteuer abliefern: Der Verlustvortrag beträgt mittlerweile 260 Millionen Franken.

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