Machtwechsel
Ueli Vischers stiller Abgang bei der MCH Group hinter verschlossener Tür

Die Generalversammlung des Messekonzerns hat den neuen Verwaltungsrat gewählt. Der Präsident Ueli Vischer scheidet aus. Eine kleine Bilanz.

Christian Mensch
Drucken
Ueli Vischer, abgetretener Präsident der MCH Group.

Ueli Vischer, abgetretener Präsident der MCH Group.

Bild: Nicole Nars-Zimmer

Im Dezember wird Ulrich Vischer, genannt Ueli, seinen 70.Geburtstag feiern. An der gestrigen ordentlichen Generalversammlung hat er seinen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der MCH Group gegeben. Diesem gehörte er über zwanzig Jahre lang an, seit 2006 war er dessen Präsident. Es ist das letzte grosse Amt des Ex-Regierungsrates und Ex-Uniratspräsidenten gewesen. Für viele kommt der Rücktritt zu spät.

Die Frage ist, wie er sich selbst an der Generalversammlung verabschiedet hätte, wenn diese wie gewohnt im grossen Rahmen hätte stattfinden können. Er hätte sich wohl, akkurat von Scheitel bis Sohle, jede Sentimentalität verbeten. Er hätte rabiat die schwierige Lage des Unternehmens beschrieben, um den Jahresverlust von 72 Millionen Franken zu begründen. Er hätte auch auf die wiedergewonnene Liquidität durch den neuen Ankeraktionär James Murdoch verwiesen. Dass es ihm – wie versprochen – gelungen sei, das Unternehmen neu zu strukturieren, hätte er mit nur leicht unterdrücktem Stolz in seine Rede eingeflochten. Dass er als langjähriger Präsident mitverantwortete, dass der Messekonzern überhaupt in eine existenziell bedrohliche Situation geraten war, hätte er schuldbewusst nicht gänzlich verschwiegen.

Die grossen Abwesenden

In normalen Zeiten hätte Vischer auch den neuen Star des Basler Wirtschaftshimmels erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt: James Murdoch, Milliardär und Spross eines globalen Medienkonzerns. Und dazu seinen Nachfolger im Amt des Präsidenten: Andrea Zappia, ein italienischer Manager und Vertrauter von Murdoch.

Doch die Zeiten sind nicht so und so auch nicht die Generalversammlung. Diese fand ohne Publikum, ohne Livestream und ohne Rede statt. Wer als Aktionär mitstimmen wollte, hatte dies vorweg schriftlich zu tun.

Was bleibt von Vischer?

Die Ära Vischer wird ohne Zweifel als besondere in die Geschichtsbücher eingehen. Sie steht für dreierlei: für die Internationalisierung der Art Basel und den Aufstieg der Glitzermesse Baselworld samt Bau des Messezentrums. Für den mit grossem finanziellem Aufwand verbundenen Hauruck-Versuch, die Gruppe zu einem integrierten Livemarketing-Konzern umzubauen, um das Klumpenrisiko der Vorzeigemessen zu reduzieren. Und für das kapitale Scheitern, das Steuer noch rechtzeitig herumgerissen zu haben.

Die Rolle des Präsidenten war dabei stets die des Abwartenden. Dezent blieb er im Hintergrund, als der damalige CEO René Kamm den Konzern zum Treffpunkt des globalen Dorfs unter Ausschluss der heimischen Bevölkerung stilisierte. Spät griff er ein, als Schwarzarbeitsfälle drohten, das Messezentrum zur Skandalbaustelle zu machen. Im letzten Moment erkannte er, dass Kamm als CEO nicht zu halten war.

Was Murdoch will, ist sein Geheimnis

Alle grossen Investitionen für den letztlich gescheiterten Konzernumbau tragen wenn auch nicht seine Hand-, so doch seine Unterschrift. Der kolportierte Vorwurf ist allerdings auch hier nicht, er habe voreilig unterzeichnet. Eher zu zögerlich. So geschehen auch beim letzten grossen Geschäft, der Neustrukturierung des Kapitals unter dem Einbezug aufmüpfiger Privataktionäre.

Welches Unternehmen Vischer letztlich hinterlässt, ist offen. James Murdoch hüllt sich über seine Absichten in Schweigen. Die besondere Lage macht es ihm möglich.

Aktuelle Nachrichten