Kommentar
Mit statt über Betroffene reden

Eine neue Studie aus Basel über die psychische Gesundheit von Lernenden bezieht diese selber nicht ein. Befragt wurden Berufsbildnerinnen und Berufsbildner aus der Nordwestschweiz.

Nora Bader
Nora Bader
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Die Belastungen für Lernende sind hoch.

Die Belastungen für Lernende sind hoch.

Gaetan Bally

Die Zahlen sind alarmierend: Rund 60 Prozent der Lernenden in der Nordwestschweiz sind in ihrer Ausbildungszeit über kürzere oder längere Zeit psychisch belastet. Das zeigt eine neue Studie, die das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt mit diversen staatlichen und privaten Organisationen im Jahr 2021 gemeinsam durchgeführt hat.

Befragt worden sind Berufsbildnerinnen und Berufsbildner verschiedener Branchen in den beiden Basel, Aargau, Solothurn und Bern. Die Corona-Pandemie hat deutlich sichtbar gemacht, was schon lange ein Problem war. Für die Arbeitgebenden sollen nun Hilfestellungen im Umgang mit psychisch erkrankten jugendlichen Lernenden geschaffen werden und eine Sensibilisierung stattfinden.

Der Kanton Basel-Stadt plant ausserdem gemeinsam mit Baselland ein entsprechendes Psychiatriekonzept und aktualisierte Spitallisten fürs Jahr 2024 für mehr stationäre Plätze. Doch die Studie hat ein entscheidendes Manko: Nicht direkt einbezogen wurden die Betroffenen selbst.

Dass die Wirtschaft ein Interesse hat am langfristigen «Funktionieren» der jungen Arbeitnehmenden, liegt auf der Hand. Und dass man lieber über anstatt mit Jugendlichen spricht, ist nichts Neues. Wie aber sollen Bedürfnisse abgeholt und Probleme eruiert werden, ohne das direkte Gespräch zu suchen? Eine nächste Studie muss junge Betroffene auf Augenhöhe miteinbeziehen.

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