Kommentar
Liefere statt lamentiere

Die Fasnacht soll stattfinden. Aber nicht als Manifestation gegen das Coronaregime, sondern als kreatives Fest mit dem Virus.

Christian Mensch
Christian Mensch
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E Naase voll Fasnacht in der Galerie Brigitta Leupin, Ainewäg 2021.

E Naase voll Fasnacht in der Galerie Brigitta Leupin, Ainewäg 2021.

Bild: zvg

Die Fasnächtler hadern. Mit Corona. Mit den Umständen. Mit sich. Im vergangenen Jahr war es noch verhältnismässig einfach. Da überrollten die Ereignisse die eigenen Befindlichkeiten. Der erste Reflex, man lasse sich die Fasnacht nicht verbieten, schon gar nicht von einer Obrigkeit, die an der Fasnacht ohnehin wenig zu sagen habe, verhielt sich wie ein aufgeblasener Ballon, der sich in ein Kaktusfeld verirrt hat. Pffff. Die Fasnacht fand nicht statt und das war gut so.

Nun ist ein Jahr verstrichen. Corona hat sich aber nicht verflüchtigt. Das ist zwar seit längerem bekannt, doch statt sich kreativ zu organisieren, was möglich ist, verbeissen sich viele Fasnächtler in Szenarien, die entweder unweigerlich den Verbotsstaat auf den Plan rufen oder sich auf Verweigerung beschränken. Die Fasnacht soll stattfinden, aber nicht gegen, sondern mit Corona.

Was spricht dagegen, dass am kommenden Montag alle Pfeifer und Tambouren am offenen Fenster stehen und den Morgenstreich zelebrieren? Weshalb legen Blätzlibajasse keine Räppli-Spur durch die Stadt? Warten die Kandelaber nicht darauf, dass sie mit den besten Versen verziert werden? Weshalb kann die Kultur der beleuchteten Adventsfenster nicht zur Kultur der Fasnachtsfenster auswachsen? Und sollen dieses Jahr nur die Drei Könige an der Schifflände als Waggisse von der Fassade grüssen?

Für die Umsetzung braucht es weder das Comité noch die Polizei. Nur das Vertrauen in die eigene Kreativität.