Elsass
Ausgangssperre für Jugendliche in Strassburg an Silvester

Vor zwei Jahren haben in Strassburg an Silvester 300 Autos gebrannt - Täter waren oft Minderjährige. Sie müssen diesmal zu Hause bleiben.

Peter Schenk
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Ausgebranntes Auto am 1. Januar 2020 in der Strassburger Vorstadt Neuhof - eines von 300 im Raum Strassburg.

Ausgebranntes Auto am 1. Januar 2020 in der Strassburger Vorstadt Neuhof - eines von 300 im Raum Strassburg.

Frederick Florin / AFP

Die Silvester-Auseinandersetzungen in den elsässischen Vorstädten begleiten die Region seit Ende der neunziger Jahre. Vor zwei Jahren war es besonders schlimm. Im Raum Strassburg gingen 300 Autos in Flammen auf. Ausserdem gab es Auseinandersetzungen mit Polizei und Feuerwehr, die mit Feuerwerkskörpern und -raketen angegriffen und dadurch auch verletzt wurden.

Täter waren laut der unterelsässischen Präfektur vor allem Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren. Für sie erliessen die Behörden deshalb eine Ausgangssperre, die von Silvesterabend 22 Uhr bis Neujahr 6 Uhr geht. Betroffen sind neben Strassburg sechs weitere in der Nähe liegende Kommunen.

Verbot von Feuerwerkskörpern und Raketen

In beiden elsässischen Departements, also auch im Südelsass, gilt für den ganzen Dezember ein Verbot, Feuerwerkskörper zu kaufen, aufzubewahren oder zu benutzen. Die Strafen für Zuwiderhandlungen gehen bis 1500 Euro. Im Südelsass sind laut der oberelsässischen Präfektur in Colmar bisher noch keine Ausgangssperren geplant.

Ein Teil der Autos brannte im Raum Strassburg ab, weil das Feuer von den 220 angezündeten Fahrzeugen auf sie übergriff. Meist gehörten sie Personen mit geringem Einkommen, die das Auto für die Arbeit brauchten. Für die Unruhen gibt es zwei Hauptgründe: zwischen den Quartieren hat sich via soziale Medien eine Art Wettbewerb entwickelt. Ausserdem suchen die Jugendlichen die Auseinandersetzung mit den Sicherheitskräften.

Laut Robert Herrmann, Anfang 2021 Strassburger Bürgermeister für Sicherheit, liegt die Jugendarbeitslosigkeit in den Vorstädten zudem bei 40 bis 45 Prozent. Er kritisierte ferner, dass die Justiz nicht hart genug durchgreife. Für das Südelsass berichtete die Zeitung «Dernières Nouvelles d’Alsace» von 70 abgebrannten Autos, in Mulhouse habe die Zahl im Vergleich zum Vorjahr mit 40 von 50 leicht abgenommen. Auch hier gab es Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften, die mit mehreren hundert Personen massiv im Einsatz waren.

Letztes Jahr wegen Pandemie Ausgangssperre

Weil letztes Jahr aufgrund der Pandemie ab Mitte Dezember in ganz Frankreich zwischen 20 Uhr und 6 Uhr eine Ausgangssperre herrschte und der Kauf von Feuerwerkskörpern im Elsass bereits verboten war, verlief Silvester 2020/2021 ruhiger. Ausserdem hatten Strassburg und weitere Kommunen geschützte Gratis-Parkings zur Verfügung gestellt – dennoch wurden im Raum Strassburg wegen Übergriffen 20 Personen festgenommen und um die 60 Autos brannten ab.