Ausländer

Die sinkenden Grenzgängerzahlen werden in Basel aufmerksam beobachtet

Die Elsässer Grenzgänger müssen vor allem dringend Deutsch und Englisch lernen.

Panik ist etwas anderes. 70'000 Grenzgänger aus dem Elsass und Südbaden strömen jeden Tag über die Grenze zur Arbeit in die Nordwestschweiz. Da wird die Abnahme um 1200 Grenzgänger aus den Landkreisen Lörrach und Waldshut im Jahr 2018 in Basel mit Gelassenheit aufgenommen.

Nicole Hostettler, Leiterin des Basler Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA), relativiert: «Die Zahlen sind lange Zeit langsam, aber stetig gewachsen. Die letzten drei bis fünf Jahre waren sie stabil oder leicht abnehmend. Das bewegt sich im Bereich der üblichen Schwankungen. Aber wir beobachten die Entwicklung aufmerksam.»

Weniger junge Grenzgänger

Manuel Friesecke, Geschäftsführer der Regio Basiliensis, verweist darauf, dass vor allem die Zahl der jungen Grenzgänger stagniert oder zumindest weniger wächst als die der älteren. Nachweisen lässt sich dies an den Zahlenreihen des Bundesamtes für Statistik. Jungen Deutschen ist anscheinend ihre Lebensqualität wichtiger als mehr Franken Lohn. «Früher war der Lohn ausschlaggebender als heute.»

Auch im Gesundheitswesen tut sich etwas. So habe Jörg Lutz, Oberbürgermeister von Lörrach, gegenüber der Regio Basiliensis darauf hingewiesen, dass mit dem Bau des neuen Zentralklinikums in Lörrach attraktive Arbeitsplätze im südbadischen Gesundheitswesen entstehen. «Die Sozialleistungen wie der Mutterschutz sind in Deutschland besser als in der Schweiz», nennt Friesecke einen weiteren Grund dafür, in Deutschland zu bleiben. Das Zentralklinikum kostet 239 Millionen Euro, hat über 700 Betten, ersetzt vier Krankenhäuser und erhält eine eigene S-Bahnstation. Die Eröffnung ist für Anfang 2025 geplant.

Das Universitätsspital Basel (USB) spürt jedoch bisher keine Auswirkungen einer Trendwende. Mediensprecher Thomas Pfluger teilt mit: «Weder verzeichnen wir mehr Kündigungen von Grenzgängerinnen und Grenzgängern noch erhalten wir seit 2018 weniger Bewerbungen aus Deutschland als bisher. Der Rückgang dieser Bewerbungen im ärztlichen Bereich hat bereits vor einigen Jahren angefangen.»

Pfluger sagt aber auch: «Die Suche nach qualifiziertem Personal in den Gesundheitsberufen bleibt generell anspruchsvoll. Unter anderem deshalb investiert das USB wesentlich in die Ausbildung von Fachpersonen im medizinischen Bereich.» Derzeit arbeiten 962 Personen aus Deutschland im USB, das sind 13 Prozent der Mitarbeiter.

Gewerbeverband für Ausbildung

David Weber, Mediensprecher des Basler Gewerbeverbands, sagt: «Der Fachkräftemangel verschärft sich und verschiedene Branchen haben Mühe, ihre Stellen passend zu besetzen. Die abnehmende Zahl an Grenzgängern aus Deutschland ist hier sicher auch ein Faktor.»

Der Schweizer Arbeitsmarkt sei immer noch attraktiv, «aber der Boom der süddeutschen Wirtschaft verringert den Druck auf deutsche Arbeitnehmende und die Lohndifferenz, obwohl diese immer noch erheblich ist. Auch der Wunsch nach kurzen Arbeitswegen spielt offensichtlich eine Rolle». Der Gewerbeverband setzt auf bessere Ausnutzung des inländischen Arbeitsmarktpotenzials und die Stärkung der Berufsbildung. Gemeint sind neben den Jungen auch Frauen und ältere Arbeitnehmer.

Friesecke sieht das ähnlich: «Vielleicht war es zuletzt mit den Grenzgängern etwas zu einfach, Stellen zu besetzen. Ausserdem muss man auch mehr nach Frankreich mit seiner hohen Arbeitslosigkeit schauen.» Hostettler vom AWA ergänzt: «Dort ist man darauf sensibilisiert, dass die Arbeitnehmer Deutsch und auch Englisch lernen. Das wird immer wichtiger.»

Die Initiative von Novartis, einen 14-wöchigen Vaterschaftsurlaub einzuführen, ist für sie ein Beweis, dass die Basler Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt haben. Dass man im Raum Basel gewillt ist, mehr Ferientage einzuführen, zeigte diese Recherche. Am Brückentag nach Auffahrt hatten rund zehn Behörden und potenzielle Ansprechpartner entweder geschlossen oder sie weilten in den Ferien.

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