Jahreswechsel

Die letzten zehn Fragen vor dem Jahreswechsel

Was wir noch wissen wollten: Die «Sonntag»-Redaktion stellt zehn Persönlichkeiten drängende und weniger drängende Fragen. Darunter Georges Delnon, Roland Lindner, Olivier Pagan, Peter Knogl, Tamara Wernli und Nathalie Wappler.

Haben Sie in Hamburg schon eine Wohnung gefunden, Herr Delnon?

«Nein, ich habe nicht einmal ins Internet geguckt. Aber die Frage überrascht mich nicht: Viele Menschen sprechen mich auf Hamburg an. Viele glauben, es würde schon nächsten Sommer losgehen. Einige vermuten, ich sei zumindest mit dem Kopf schon mehr dort als hier und die ewig Beleidigten - man kennt sie - werden behaupten, ich würde mich hier gar nicht mehr so richtig ums Theater kümmern. Natürlich trifft das alles so nicht zu; aber die unvermeidlichen Spekulationen und On-dits gehören zu jedem Intendantenwechsel eben dazu. Wir - meine MitarbeiterInnen und ich - freuen uns jedenfalls sehr auf das kommende Jahr und die nächsten Produktionen in Basel. Apropos On-dits: Wohnungen sollen in Hamburg sehr teuer sein; vielleicht dann doch eher Altona.»

Georges Delnon ist Intendant des Theater Basel. Er wechselt 2015 nach Hamburg.

Was sind Ihre nächsten Expansionspläne, Herr Julliard?

«Auf dem Mond gibt es so viel ich weiss noch kein Tattoo ... Nein ernsthaft: Mit dem Basel Tattoo haben wir etwas Einzigartiges geschaffen. Wir sind mittlerweile gar das weltweit zweitgrösste Tattoo überhaupt. Viel wichtiger als die Grösse ist für mich aber die Qualität, die wir parallel zum Wachstum des Anlasses auch laufend steigern konnten. In vielen Bereichen sind wir trotzdem noch nicht dort, wo wir sein wollen. Und genau darauf möchten wir uns zukünftig noch mehr fokussieren: das Basel Tattoo in seiner jetzigen Dimension weiter zu perfektionieren. Mit dem für 2013 angekündigten Christmas Tattoo haben wir zudem den nächsten Schritt bereits eingeleitet und ‹expandieren› tatsächlich - neben den drei Shows, die in der Basler St. Jakobshalle stattfinden, wird es weitere drei Shows im Zürcher Hallenstadion geben. Dieses neue Herzensprojekt ergänzt unser Eventportfolio neben dem Berlin Tattoo und dem Glaibasler Charivari optimal.»

Erik Julliard produziert das Militärmusikfestival Basel Tattoo.

Was sind diesmal die Worte des Alterspräsidenten, Herr Lindner?

«Man ist im Leben immer entweder der Jüngste oder der Älteste. So auch in der Politik. Als einziger Architekt im Grossen Rat werde und kann ich auch im Jahr 2013 meine unabhängige Meinung im Parlament einbringen, ohne Angst zu haben, durch meine Argumente nicht Bundesrat zu werden. Der Alterspräsident ist für alle Bürgerinnen und Bürger in Basel da und wünscht ein erfolgreiches 2013.»

Roland Lindner (75) eröffnet als ältestes Ratsmitglied die erste Sitzung des Grossen Rats in der neuen Legislatur.

Wie lange geben Sie sich Zeit mit der Finanzierung des Kuppel-Neubaus, Herr Lutz?

«Bis der Kuppel-Neubau steht - oder genauer: bis die Finanzierung dafür gesichert ist und mit dem Neubau begonnen werden kann. Bis dahin gilt es allerdings, noch ein paar andere Fragen zu klären. Die Stadt hat vor zwei Jahren mit der Zonenplan-Änderung unter anderem die gesetzliche Grundlage für den Neubau geschaffen. Das Neubau-Projekt, das zu diesem Zeitpunkt vorlag, war im Stadium von dem Projekt, mit welchem LOST Architekten vor 10 Jahren den Projektwettbewerb ‹Neubau Kuppel - Neugestaltung Nachtigallenwäldeli› gewonnen hatten. Abgesehen davon, dass in einem Wettbewerbsprojekt wesentliche Details nicht ausgearbeitet sind und kein Bauingenieur die Statik berechnet hat, haben sich die Anforderungen an die Nutzung in den letzten zehn Jahren verändert. Das gilt es zu berücksichtigen.

Damit der Kulturbetrieb auch im Kuppel-Neubau weitere Jahrzehnte erfolgreich sein kann, setzen wir uns heute mit Fragen betreffend zukünftigen Modellen von Kulturbetrieben auseinander. Parallel zu staatlich unterstützten Spielstätten ist die Kuppel seit über zwei Jahrzehnten Schmelztiegel kultureller Aktivitäten verschiedenster Gruppierungen und ein Spiegel des freien Basler Kulturschaffens. Die Maxime des Kuppel-Neubaus ist für mich, diesem Geist für die nächsten Jahrzehnte ein neues Zuhause zu geben. Dazu nehme ich mir so viel Zeit, wie es braucht. Ich kann Ihnen aber versichern: Wir sind auf bestem Weg.»

Simon Lutz ist Gastrounternehmer und betreibt in Basel unter anderem das Acqua und die Kuppel.

Welcher Prominente kocht am besten, Frau Wernli?

«Die Bewertung der kulinarischen Höhenflüge unserer Gäste im ‹Kochen im Schloss› übernimmt stets die Gastgeberin vom Schloss Bottmingen, Naomi Steffen. Fünf Tomaten vergibt sie für herausragende Leistung, eine für den absoluten Tiefpunkt. Im Jahre 2012 erhielten - von 22 Köchen - die Höchstzahl an Tomaten folgende Herren: der Baselbieter Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser, der Couturier Raphael Blechschmidt und der Augenarzt Eduard Häfliger. Sie verstanden es, in 20 Minuten ein köstliches und originelles 3-Gang-Menü zu zaubern und gleichzeitig beharrliche Fragen der Moderatorin zu parieren. Fazit: Es gibt doch Männer, die zwei Dinge aufs Mal erledigen können!»

Tamara Wernli ist Moderatorin der «Telebasel»-Kochsendung.

Haben Sie für das Ozeanium nicht mehr Begeisterung erwartet, Herr Pagan?

«Haben Sie sich die Reaktionen auf das Ozeanium angesehen? Wir haben die Berichterstattung auf nationaler und internationaler Ebene verfolgt und sind überrascht, auf wie viel Begeisterung das Ozeanium stösst. Die Artikel sind fast durchwegs positiv und das Projekt wurde vielfach auf der Titelseite präsentiert. Auch von der Öffentlichkeit wird das Projekt sehr wohlwollend aufgenommen, wie wir anhand zahlreicher Leserbriefe und der gut besuchten Ausstellung der Wettbewerbsprojekte feststellen durften. Besonders freut uns, dass sich die Menschen nicht nur ein Grossaquarium wünschen, sondern die Bedeutung des Ozeaniums als Bildungszentrum erkannt haben, das die Besucher für den Schutz der Meere und den nachhaltigen Umgang mit ihren Ressourcen sensibilisieren wird. All die Begeisterung zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und spornt uns an, uns für die Realisierung dieses faszinierenden Projektes zu engagieren.»

Olivier Pagan ist Zoo-Direktor.

Was halten Sie von der geforderten veganen Uni-Mensa, Herr Knogl?

«Für mich als leidenschaftlicher Fleisch- und Fischesser ist dies natürlich ein ‹No-go›. Der Mensch isst nicht umsonst Fleisch und Fisch. Er braucht die verschiedenen Fette, Antioxidantien und weitere Vitamine, die im Fleisch, Fisch, in Eiern oder Milch enthalten sind. Man sollte in einer Uni-Mensa eher eine Lösung mit weniger Auswahl und hochwertigerer Produktion evaluieren, welche der
Jugend die Kultur des guten
Essens beibringen würde.»

Peter Knogl ist Küchenchef im Restaurant Cheval Blanc des Hotel Les Trois Rois.

Wie lebt es sich nach dem Rückzug aus der Öffentlichkeit, Herr Gysin?

«Nachdem man während Jahrzehnten im Fokus der öffentlichen Meinung stand, ist es heute - nach dem Rückzug als Nationalrat und Direktor der Wirtschaftskammer - sehr wohltuend, in aller Ruhe und Gelassenheit seinen Tätigkeiten nachgehen zu können und das aktuelle Geschehen aus einer gewissen Distanz zu beobachten. Vor allem unterliegt man nicht mehr völlig unnützen Politiker-Ratings und einem oberflächlichen Meinungswettbewerb. Kurzum: Es lebt sich ohne respektive mit deutlich weniger Öffentlichkeit ausgezeichnet. Ich geniesse es, mich heute auf einige wenige, mir aber sehr wichtige Aufgaben konzentrieren und dafür tätig sein zu können. Es ist eine völlig neue Lebensqualität, nicht mehr zu jeder Zeit und praktisch überall erreichbar sein zu müssen. Ich freue mich auch, dass meine berufliche Nachfolgeregelung erfolgreich funktioniert - allen Unkenrufen zum Trotz.»

Hans Rudolf Gysin war bis 2011 Baselbieter Nationalrat und bis August 2012 Wirtschaftskammer-Direktor.

Verleidet Ihnen Weihnachten nicht, Herr Wanner?

«Nein, sie ist mir ganz und gar nicht verleidet. Der Grund dafür ist, dass ich mich als Ausgleich zur Stubigkeit und Gemeinsamkeit, welche mir das Weihnachtsfest bietet, gerne auch mal alleine in der Natur bewege. Sport und körperliche Bewegung bewirken, dass ich mich zwischen beidem hin und her bewegen kann. Würden mir meine Arbeit und das Weihnachtsfest verleiden, würde ich sofort aufhören! Ich wäre nicht mehr authentisch, was ich meinen Kunden nicht zumuten will. Ich freue mich jetzt schon auf die kommende Weihnachtszeit!»

Johann Wanner ist Inhaber des gleichnamigen Basler Weihnachtsgeschäfts.

Weshalb dauert es so lange, bis Sie das Radio- und TV-Studio ins Basler Postgebäude zügeln, Frau Wappler?

«Der Laie unterschätzt den Aufwand gerne. Bei einem Projekt dieser Komplexität gibt es immer mehrere Faktoren zu berücksichtigen. Ein solches Projekt bedarf einer sorgfältigen Analyse und guter Rahmenbedingungen, vom Mietpreis über die Lage bis zu einem guten Partner in Planung und Architektur. Kommt hinzu, dass es nicht darum geht, Bestehendes einfach zu zügeln; vielmehr wollen wir neue trimediale Arbeitsplätze entwerfen und neue Raumnutzungskonzepte entwickeln.»

Nathalie Wappler leitet die Abteilung Kultur des Schweizer Radio und Fernsehen SRF.

Meistgesehen

Artboard 1