Umstrittener Markt

Coronavirus verjagt E-Trottis aus Basel: Nur noch drei Anbieter aktiv

Zuerst beklagten Politikerinnen und Politiker die Flut an E-Scootern zum Ausleihen, nun sind sie fast aus der Basler Innenstadt verschwunden. Doch warum eigentlich? Die Anbieter geben Auskunft.

Sie werden aus dem Rhein gefischt; sie versperren die Trottoirs; sie überholen in den Fussgängerzonen die Flanierenden. E-Trottinetts waren noch vor wenigen Monaten hoch im Kurs bei den Baslerinnen und Basler. Der Trend schwappte aus europäischen Grossstädten wie Paris, London und Berlin herüber in die Schweiz. In Zürich, Genf, Bern und Basel buhlen verschiedene Anbieter um die Kundschaft.

Doch die Coronakrise scheint ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht zu haben: Laut dem Basler Amt für Mobilität hatte es während des Lockdowns zeitweise gar keine Leih-E-Scooter mehr auf den Basler Strassen. «Vier Anbieter dürften je maximal 200 Fahrzeuge einsetzen. Derzeit sind aber nur drei aktiv», sagt Martin Dolleschel, zuständig für Sharingangebote im Amt für Mobilität.

Lime pausiert Angebot auf unbestimmte Zeit

Wie viele E-Trottinetts momentan exakt im Einsatz sind, könne das Amt nicht sagen. Die Anbieter könnten die Anzahl der Fahrzeuge selbst reduzieren oder auf das Maximum aufstocken. Dolleschel: «Im Coronalockdown ist aber das Verkehrsaufkommen insgesamt zurückgegangen.»

Ein Anbieter, der sich komplett zurückgezogen hat, ist Lime. Estuardo Escobar, der die Schweizer Niederlassung der amerikanischen Firma leitet, sagt: «Aufgrund der Krise hatten wir uns Mitte März dazu entschlossen, unseren Service in Basel und fast allen anderen Städten weltweit vorübergehend zu pausieren.» Dies begründet er einerseits mit der Sicherheit für seine Mitarbeitenden. Andererseits sei die Nachfrage rückläufig gewesen, da Berufspendler ausblieben und das öffentliche Leben eingeschränkt war.

Mittlerweile hat Lime den Betrieb etwa in Zürich wieder aufgenommen. Wann es in Basel soweit ist, kann Escobar noch nicht sagen. «Im Moment warten alle E-Trottinetts im Lagerhaus in Basel darauf, dass sie wieder zum Einsatz kommen können.»

Neuer Anbieter startete mitten in der Krise

Derzeit aktiv sind die Anbieter Tier, Bird und High Speed Service. Letztere sind die neusten auf dem Basler Markt. Die Firma hat ihren Sitz in der Baselbieter Gemeinde Laufen. Geschäftsführer Bhrath Kanthepan sagt auf Anfrage: «Unsere E-Trottinetts sind in Basel seit dem 19. April auf den Strassen. Im ersten Monat waren es 100, mittlerweile sind es 200 Fahrzeuge.»

Dass High Speed Service mitten in der Coronakrise mit ihrem Angebot startete, war so nicht geplant. Eigentlich hätte der Startschuss Ende Januar fallen sollen. Die in China bestellten Fahrzeuge seien aber nicht geliefert worden, weshalb man neue Trottinetts in Deutschland bestellte. Doch auch dort brachte das Coronavirus alles durcheinander, weshalb die junge Firma erst Mitte April die E-Trottinetts in Betrieb nehmen konnte.

High Speed Service war zuvor Auftragnehmer bei den grossen E-Scooter-Vermietern. Zwei Jahre lang habe man so Erfahrung im umkämpften Vermietungsgeschäft gesammelt und nun wolle man mit der eigenen Flotte durchstarten. Laut Kanthepan laufen Verhandlungen in anderen Schweizer Städten.

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