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So denken die Kandidierenden für die Solothurner Regierung über das Schwarzbubenland

Am 7. März erhält der Kanton Solothurn ein neues Parlament und eine neue Regierung. Um die fünf Sitze im Solothurner Regierungsrat kämpfen sieben Kandidatinnen und Kandidaten. Für die Wählerschaft im Dorneck-Thierstein ist von besonderem Interesse, wie die Anwärter zum Schwarzbubenland stehen. Deshalb haben wir die Kandidierenden zur Amtei diesseits des Juras befragt.

Dimitri Hofer
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Das sind die sieben Kandidierenden.

Das sind die sieben Kandidierenden.

Wie der restliche Kanton Solothurn ist in diesen Tagen auch das Dorneck-Thierstein mit Plakaten von Kandidierenden zugepflastert. Am 7. März bestimmen die Solothurner Wahlberechtigten ein neues Parlament und eine neue Regierung.

Für den Regierungsrat steigen mit dem Schwarzbuben Remo Ankli (FDP), Susanne Schaffner (SP) und Brigit Wyss (Grüne) drei Amtierende ins Rennen. Die Neu-Kandidierenden Richard Aschberger (SVP), Peter Hodel (FDP) sowie Sandra Kolly und Thomas A. Müller (beide CVP) wollen auch in die fünfköpfige Regierung einziehen. Die zwei langjährigen CVP-Regierungsräte Roland Heim und Roland Fürst (beide CVP) treten nicht mehr an.

Der Bezug vieler Schwarzbuben zum Kanton Solothurn ist gering

Auch die sieben Kandidierenden für den Solothurner Regierungsrat hängen hundertfach an Kandelabern in den Gemeinden im Schwarzbubenland. Um herauszufinden, wie sie über die Herausforderungen der Amtei diesseits des Juras denken, stellten wir allen dieselbe Frage, nämlich:

Oft hat man den Eindruck, dass bei vielen Menschen im Schwarzbubenland der Bezug zum Kanton Solothurn gering ist. Sie werden vor allem daran erinnert, Solothurnerinnen und Solothurner zu sein, wenn sie eine neue Autonummer beziehen oder die Steuerrechnung ausfüllen müssen. Wie schätzen Sie die Situation ein, und wie würden Sie konkret als Regierungsmitglied die Integration des Schwarzbubenlands im Kanton verbessern?

Die sieben Kandidierenden haben uns Folgendes geantwortet:

Remo Ankli, FDP, bisher

Remo Ankli.

Remo Ankli.

Hanspeter Bärtschi / SZ
«Als Schwarzbube kenne ich die Befindlichkeiten in unserer Region gut. Die Menschen wollen im Alltag die Kantonsgrenzen möglichst wenig spüren. Das Schwarzbubenland ist Teil des Kantons Solothurn, der seit jeher seinen Regionen ein hohes Mass an Autonomie und Selbstbestimmung zugesteht. Die Grenzen in der Nordwestschweiz sind vorhanden und manchmal auch spürbar. Doch besteht in wichtigen Bereichen wie im Bildungswesen, beim öffentlichen Verkehr oder der Gesundheitsversorgung eine sehr enge Zusammenarbeit mit den Nachbarkantonen. Für mich ist es ein zentrales Anliegen, dass die Freizügigkeiten auf dem aktuell sehr hohen Stand erhalten bleiben, dass die Übertritte von einer Schulstufe zur anderen reibungslos verlaufen und dass die Einbettung des kulturellen Schaffens des Schwarzbubenlands in die Region noch vertieft wird.»

Zur Person: Remo Ankli ist der Amtsälteste in der Solothurner Regierung. Der freisinnige Schwarzbube gehört dem Regierungsrat seit dem Jahr 2013 an. Der 47-Jährige steht dem Departement für Bildung und Kultur des Kantons Solothurn vor. Zuvor war der studierte Theologe und Historiker während zwölf Jahren Gemeindepräsident von Beinwil. In der Gemeinde am Passwang lebt Ankli noch heute.

Susanne Schaffner, SP, bisher

Susanne Schaffner.

Susanne Schaffner.

Hanspeter Bärtschi / SZ
«Wenn es um das Gefühl der Zugehörigkeit geht, steht der Kanton in meinen Augen kaum an erste Stelle. Familie, Freunde, Nachbarn oder beispielsweise Vereine sind da nahe liegender. All das finden wir in der Gemeinde, in der wir wohnen. Umso wichtiger ist es, dass wir als Kanton Solothurn Sorge tragen zu den Gemeinden, ihnen in ihrem Zuständigkeitsbereich möglichst viel Handlungsspielraum und Verantwortung geben. Wir sollten die Gemeinden bei neuen Ideen unterstützen und regionale Zusammenarbeit auch über die Kantonsgrenzen hinaus ermöglichen. Verbesserungspotenzial sehe ich beim Informationsfluss, und zwar in beide Richtungen. Ich habe grossen Respekt für die politisch Aktiven aus dem Schwarzbubenland. Sie sind die wichtigsten Bindeglieder und Botschafterinnen und Botschafter für den Solothurner Zusammenhalt.»

Zur Person: Susanne Schaffner ist Vorsteherin des Departements des Innern. In diesem Jahr steht die 59-Jährige der Solothurner Regierung vor und darf sich Frau Landammann nennen. Vor ihrer Wahl in den Regierungsrat im Jahr 2017 sass Schaffner für die SP im Parlament des Kantons Solothurn. Bis zu ihrem Einzug in die Regierung führte die Oltnerin in der Eisenbahnerstadt eine Anwaltskanzlei.

Brigit Wyss, Grüne, bisher

Brigit Wyss.

Brigit Wyss.

Hanspeter Bärtschi / SZ
«Wir sind der Kanton der Regionen. Und bedingt durch eine einzigartige Topografie und durch den Solothurner Grenzverlauf identifizieren wir uns jeweils mit unserer eigenen Region und ihren typischen Eigenheiten und Herausforderungen. Gleichzeitig sind wir aber auch Solothurnerinnen und Solothurner mit einer gemeinsamen Identität. Im Rahmen der Standortstrategie 2030 hat sich der Solothurner Regierungsrat zum Ziel gesetzt, mehr Verständnis und Wertschätzung für die jeweils regionstypischen Herausforderungen zu schaffen, und gleichzeitig die gemeinsame Identität über die Gebirgszüge hinweg zu stärken. In diesem Sinne ist es wichtig, die Kommunikation und den Dialog über die verschiedenen Regionen auf allen Kanälen zu intensivieren und – sobald es wieder möglich ist – überregionale Anlässe zu fördern und zu verstärken.»

Zur Person: Brigit Wyss gehört seit 2017 der Solothurner Regierung an und führt dort das Volkswirtschaftsdepartement. Die 60-Jährige ist gelernte Schreinerin und Psychiatrieschwester und absolvierte später auch noch ein Jus-Studium. Für die Grünen war sie Gemeinderätin der Stadt Solothurn, Solothurner Kantonsrätin und von 2007 bis 2011 Nationalrätin. Sie wohnt in Solothurn.

Richard Aschberger SVP, neu

Richard Aschberger.

Richard Aschberger.

Hanspeter Bärtschi / SZ
«Da ich aus der seit vielen Jahren geschnittenen Region Grenchen stamme, kenne ich die Problematik gut. Solothurn ist der Kanton der Regionen, und diese müssen anständig berücksichtigt werden. Dafür würde ich mich in der Regierung einsetzen. Bei meinen Standaktionen war ich diverse Male im Dorneck-Thierstein und habe in Gesprächen gespürt, dass sich einige abgekapselt von Solothurn fühlen. Für mich ist klar, dass es auch im Schwarzbubenland Ämter geben soll und dass man nicht immer weit und über den Passwang reisen muss, wenn man etwas braucht. Ich würde mich dafür einsetzen, dass ein Campus für Software und Start-ups realisiert werden könnte. Nur wo Wirtschaft ist, kann Wohlstand geschaffen werden und Leben in die Gemeinden zurückkehren. Der Kanton muss sich weiterentwickeln, und zwar mit allen Regionen.»

Zur Person: Richard Aschberger ist der Regierungskandidat der SVP. Seit dem Jahr 2017 sitzt der 36-Jährige für die Volkspartei im Kantonsrat. In Grenchen, wo Aschberger wohnt, gehört er dem Gemeinde- und dem Bürgerrat an. Er ist Vorstandsmitglied oder Verwaltungsrat zahlreicher Institutionen. Dazu gehört etwa der Flugplatz Grenchen. Zudem präsidiert er die Grenchner Integrationskommission.

Peter Hodel, FDP, neu

Peter Hodel.

Peter Hodel.

Hanspeter Bärtschi / SZ
«Das Schwarzbubenland ist das nördliche Tor unseres Kantons zum prosperierenden Raum Basel und eine wertvolle und interessante Region, wirtschaftlich und kulturell. Kaum an einem anderen Ort ist so deutlich ersichtlich, wie wichtig es ist, dass Grenzen überwindbar bleiben. Das pflegt das Schwarzbubenland seit Jahren sehr erfolgreich. Ich weiss aus eigener Erfahrung als Gemeindepräsident von Schönenwerd, wie wichtig die Zusammenarbeit und Beziehungen über die Grenzen hinweg sind. So muss es sich auch die Regierung zur Daueraufgabe machen, für die Region Schwarzbubenland die überkantonale Zusammenarbeit zu pflegen und weiterzuentwickeln. Nebst dem würde ich als Regierungsrat auch Brücken bauen, nicht nur zwischen den Kantonen, sondern insbesondere zwischen den vielseitigen Regionen unseres Kantons.»

Zur Person: Peter Hodel gehört seit dem Jahr 2012 dem Kantonsrat an und ist Chef der FDP-Fraktion. Seiner Wohngemeinde Schönenwerd steht er seit 16 Jahren als Gemeindepräsident vor. Neben seiner politischen Tätigkeit arbeitet der 60-Jährige als Landwirt. Ebenso engagiert sich Hodel als Vizepräsident des Solothurner Blasmusikverbands sowie als Vizepräsident des Verbands der Solothurner Einwohnergemeinden.

Sandra Kolly, CVP, neu

Sandra Kolly.

Sandra Kolly.

Hanspeter Bärtschi / SZ
«Unser Kanton mit seinen verschiedenen Regionen liegt mir am Herzen. Die Eigenarten dieser Regionen machen ihn besonders. Ich werde mich dafür einsetzen, dass diese erhalten bleiben, aber auch dafür, dass im Schwarzbubenland die notwendige Zusammenarbeit über die Kantonsgrenzen hinweg gefördert wird. Insbesondere in den Bereichen Bildung und Verkehr erachte ich dies als notwendig. Gleiche Lehrmittel und Lehrpläne über die Kantonsgrenzen sind zwingend, ebenso der Zugang zu Bildungsangeboten in anderen Kantonen. Eine gute Verkehrsanbindung an die Agglomeration Basel und ein attraktives ÖV-Angebot sind für das wirtschaftliche Vorwärtskommen der Region wichtig. Angebote wie die Amtshäuser gehören zu den Bezirksstandorten Dornach und Breitenbach und sollen bestehen bleiben.»

Zur Person: Sandra Kolly präsidiert seit 2013 die Solothurner CVP. Die 50-Jährige ist in Herbetswil geboren und lebt mittlerweile in Neuendorf. Dort amtet sie als Gemeinderätin und verantwortet das Ressort Bildung. Seit dem Jahr 2009 sitzt Kolly im Solothurner Kantonsrat. Sie ist als kaufmännische Leiterin und Mitglied der Geschäftsleitung eines Oltner Treuhandunternehmens tätig.

Thomas A. Müller, CVP, neu

Thomas A. Müller.

Thomas A. Müller.

Hanspeter Bärtschi / SZ
«Die Beziehung zum Schwarzbubenland ist seit jeher eine wichtige staatspolitische Aufgabe und wird eine Herausforderung bleiben. Die dortige Bevölkerung erwartet mit Recht, dass ihre Anliegen ernstgenommen und soweit als möglich berücksichtigt werden. Regionalpolitische Instrumente müssen dazu gezielt eingesetzt werden. Die Gemeindeautonomie ist im Kanton Solothurn, im Unterschied etwa zu Baselland, stark ausgeprägt. Der Kanton darf sie auf keinen Fall einschränken und muss die Gemeinden unterstützen. Wichtig sind Investitionen in die regionale Verkehrserschliessung, die Bildung und das Gesundheitswesen. Ich verstehe, dass sich die Schwarzbuben gelegentlich etwas allein gelassen fühlen. Entscheidend ist, dass die kantonale Zugehörigkeit auch von Solothurn gelebt und praktiziert wird.»

Zur Person: Thomas A. Müller ist selbstständiger Anwalt und Notar. Seit dem Jahr 2013 präsidiert der 57-Jährige das Solothurner Steuergericht. Gleichzeitig steht er dem solothurnischen Lostorf, einer Nachbargemeinde des Baselbiets, als Gemeindepräsident vor. Von 2005 bis 2013 sass der promovierte Jurist im Kantonsrat. Müller ist Vizepräsident der Solothurner CVP und möchte nun in den Regierungsrat einziehen.