Langenbruck
Vor 40 Jahren zerschellte der Kampfjet an der Krete des Steinenbergs

Der einzige Flugunfall mit einem Kampfjet der Schweizer Luftwaffe auf dem Gebiet des Kantons Basel-Landschaft erreignete sich vor 40 Jahren. Damals stürzte der Kampfjet-Pilot Max Hubler am Oberen Hauenstein ab.

Peter Brotschi*
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Dieser Gedenkstein erinnert an den verunfallten Max Hubler. ZVG

Dieser Gedenkstein erinnert an den verunfallten Max Hubler. ZVG

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Die Gemeinde Langenbruck auf der Passhöhe des Oberen Hauensteins nimmt in der Schweizer und Baselbieter Luftfahrtgeschichte eine besondere Stellung ein. Von hier stammte Oskar Bider, Flugpionier und erster Chef-Fluglehrer der Fliegertruppe, dessen Todestag sich 2019 zum 100. Mal jähren wird und dessen Grabstelle, zusammen mit seiner Schwester Leny Bider, heute noch erhalten ist. Und hier passierte auch der einzige Flugunfall mit einem Kampfjet der Schweizer Luftwaffe auf dem Gebiet des Kantons Basel-Landschaft.

Absolvierte individuelles Training

Man schreibt den 6. Oktober 1976: Der 1951 geborene Militärpilot und ETH-Student Max Hubler aus dem Bernischen Wiedlisbach meldet sich auf dem Militärflugplatz Emmen zu einem individuellen Training. Ein solches müssen die Milizpiloten jeweils zwischen den Dienstleistungen absolvieren, damit das Flugtraining nicht zu lange unterbrochen wird.

Max Hubler.

Max Hubler.

Hubler rüstet sich mit seiner Fliegerbekleidung aus und erhält den Auftrag, die «Tiefflugroute 6bis» abzufliegen, anschliessend ein «Beschleunigungstraining hoch» im Raum Weissenstein und dann Rückflug zum Flugplatz. Nach der Flugvorbereitung begibt er sich auf die «Flightline», wo die Venoms in Reih und Glied aufgestellt sind und übernimmt von den Mechanikern das Flugzeug mit der Registrierung J-1615.

Wachtmeister wird zum Zeugen

Der Start in Emmen erfolgt um 13.43 Uhr. Max Hubler, der in der Fliegerstaffel 9 eingeteilt ist, absolviert die Mission alleine. Um 13.46 Uhr erhält er die Bewilligung für den Einflug in die befohlene Tiefflugroute. Diese begann damals rund drei Kilometer westlich von Villnachern, führte über die Staffelegg, Geissfluh und Belchenfluh in die Gegend nördlich von Langenbruck und anschliessend über den Passwang und Scheltenpass in den Raum Moutier.

Per Zufall wird die vorletzte Phase des Unfallfluges von einem anderen jungen Venom-Piloten beobachtet: Wachtmeister H. ist in Dübendorf gestartet und hat einen unabhängigen Flugauftrag. H. entdeckt den alleine fliegenden Venom auf seiner Tiefflugroute im Jura und versucht dann, sich hinter dieses Flugzeug zu setzen, ohne selber entdeckt zu werden. Im Abstand von vier bis fünf Kilometern verfolgt er den Venom über eine Distanz von etwa zehn bis zwölf Kilometern. Dann sieht der Wachtmeister, wie der Kampfjet knapp vor der Krete Lauchfluh/Geissfluh den Hang hinaufzieht, sich das Flugzeug auf den Rücken legt, dann kurz stabilisiert und schliesslich ziemlich flüssig nach unten weggezogen wird.

Kollision mit einer Krete

Als Wachtmeister H. selber diese Krete überfliegt, entdeckt er bei der folgenden Krete am Steinenberg zuerst Rauch und dann einen grossen Feuerball. Seine Vermutung, dass es sich dabei um das vor ihm fliegende Flugzeug handelt, wird beim mehrmaligen Kreisen über der Unfallstelle erhärtet, denn er kann deutlich den einen Leitwerksträger erkennen. Der Venom J-1615 ist zuvor mit der Krete des Steinenbergs kollidiert und Max Hubler hat sein Leben augenblicklich verloren.

War ein guter Kunstturner

Die «Solothurner Zeitung» schrieb am kommenden Tag, dass der Absturz von Max Hubler in Wiedlisbach Bestürzung ausgelöst habe. Der Pilot habe im Städtchen die Primar- und Sekundarschule durchlaufen und anschliessend in Solothurn die Kantonsschule. Er sei allseits beliebt gewesen, besonders bei seinen Freunden im Turnverein. Die Anliegen dieses Vereins habe er trotz des Studiums in Zürich unterstützt und er sei als guter Kunstturner ein Vorbild gewesen.

* Der Grenchner Peter Brotschi arbeitet als Lehrer und Aviatikjournalist. Er ist Autor des Buches «Gebrochene Flügel – alle Flugunfälle der Schweizer Luftwaffe». Politisch ist er als Kantonsrat der CVP tätig.