Arboldswil & Ziefen
Trotz der Absage: «Nünichlingler» vertreiben mit ihren Glocken die Geister und das Virus

Der traditionelle Brauch am Heiligabend in Ziefen und Arboldswil tritt auch im Coronajahr in Erscheinung – aber auf eine andere Art. Die Kuhglocken werden nach 21 Uhr nicht schweigen.

Simon Tschopp
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Nünichlinglerumzug in Ziefen im Jahr 2009

Nünichlinglerumzug in Ziefen im Jahr 2009

Martin Töngi

Gewöhnlich bewegt sich zu diesem Zeitpunkt der Umzug mit mehreren Dutzend in Schwarz gekleideten Männern mit Glocke um den Hals durchs Dorf, angeführt von einem Santichlaus mit Russbesen. «Der Nünichlinglerumzug findet heuer nicht statt», schreibt ein langjähriger aktiver Ziefner Nünichlingler auf Facebook nach einigen Diskussionen unter Chlinglern. Keine Zuschauer, kein Verkehrsdienst.

Nun wird auf der Plattform zum individuellen, wilden Chlingeln auf Nebenstrassen aufgerufen. «Jeder wählt seinen Start- und Endpunkt frei aus – ohne Absprache mit anderen Chlinglern.» Als Zeitfenster wird 21 bis 21.30 Uhr empfohlen. Bedingung ist: Jeder Nünichlingler hält sich an die aktuell gültigen Hygienevorschriften von Bund und Kanton.

Auch im Nachbardorf Arboldswil wird nicht aufs Nünichlingeln verzichtet. Man lasse sich vom Virus nicht unterkriegen und chlingle an Heiligabend in anderer Form, ist dem Arboldswiler Dorfblatt zu entnehmen.

Um 21 Uhr wird das Dorf entlang der üblichen Route abgedunkelt. Nünichlingler und alle Einwohner mit einer Glocke sollen vor dem eigenen Haus ab dem neunten Glockenschlag bis 21.15 Uhr schellen. «Auf diese Weise erinnern wir ans Nünichlingeln und vertreiben hoffentlich nebst den Geistern auch das Virus», ist weiter zu lesen.