Wahlschlappe
Trägerkanton Baselland muss beim Hochschulrat draussen bleiben

Statt Baselland erhält der Aargau einen Sitz im Hochschulrat. Die Bildungsdirektoren der beiden Basel kritisieren die Mandatsverteilung.

Andrea Schäfer
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Aussenfassade der Universität Basel.

Aussenfassade der Universität Basel.

Juri Junkov

Das Baselbiet bleibt beim neuen Hochschulrat aussen vor – der angepeilte Sitz geht an den Kanton Aargau. Dieser Entscheid fiel gestern anlässlich des ersten Treffens der schweizerischen Hochschulkonferenz in Bern. Die Hochschulkonferenz ist neu das oberste hochschulpolitische Organ in der Schweiz.

Im Baselbiet wie auch im Partnerkanton Basel-Stadt ist man gar nicht erfreut. «Der Entscheid ist sehr enttäuschend. Es ist ein grosses Ärgernis, dass dem Kanton, der sich klar für die Stärkung des Hochschulstandorts Basel eingesetzt hat, der Anspruch auf einen Sitz verweigert wurde», sagt der Baselbieter Bildungsdirektor Urs Wüthrich (SP). Sein Basler Kollege Christoph Eymann (LDP) teilt diese Bestürzung: «Wir müssen nun in nächster Zeit mit dem Baselbiet zusammensitzen und eine Lagebeurteilung vornehmen. Dass Baselland im Hochschulrat einsitzt, muss ein Ziel sein für die Zukunft.»

Den Neuerungen im Hochschulbereich, die seit Anfang Jahr in Kraft getreten sind, liegen mehreren Gesetzesänderungen zugrunde. Auf kantonaler Ebene wurde 2013 die Interkantonale Vereinbarung über den schweizerischen Hochschulbereich (Hochschulkonkordat) lanciert, der inzwischen 20 Kantone beigetreten sind. Auf nationaler Ebene ist es das 2011 verabschiedete Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz (HFKG). Das Ziel ist, dass Bund und Kantone künftig gemeinsam für die Koordination im Hochschulbereich (Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen) sorgen sollen.

Der Hochschulrat ist Teil der Hochschulkonferenz und setzt sich aus 14 Kantonen zusammen. Gesetzt sind 10 Kantone, die bereits Teil des Internationalen Konkordats über universitäre Koordination von 1999 waren. Dabei handelt es sich um Kantone mit Universitäten (Tessin, Zürich, Basel-Stadt, Bern, Luzern, Freiburg, St. Gallen, Waadt, Genf, Neuenburg). Die restlichen vier Sitze werden für jeweils vier Jahre vergeben, gewählt wurden gestern Graubünden, Jura, Schwyz und Aargau. Dies erfolgt nicht gemessen an finanziellen Beiträgen an Hochschulen, sondern nach Regionen. Laut dem Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann konnten die vier regionalen Erziehungsdirektorenkonferenzen jeweils Vorschläge einreichen, welchen Kanton sie in den Hochschulrat schicken wollten. Die Nordwestschweiz war die einzige Region, wo man sich nicht einig wurde, weshalb Baselland und Aargau gegeneinander antreten mussten.

Nächste Wahl in vier Jahren

Wüthrich hält die Methode der Sitzvergabe im Hochschulrat für unverständlich und fordert eine Vergabe nach finanziellen Beiträgen: «Gemessen an den Ausgaben im Hochschulbereich, steht das Baselbiet national an fünfter Stelle», sagt Wüthrich. Baselland sei seit 2007 klar ein Universitätskanton – und somit habe man einen Anspruch auf einen Sitz im Gremium. Wüthrich hält zudem fest, dass auch der Aargau Anspruch auf eine Vertretung habe. Man nimmt es den Aargauern also nicht übel, dass sie sich den Sitz der Nordwestschweiz geangelt haben. Auch Christoph Eymann teilt die Ansicht seines Baselbieter Kollegen: «Ich finde es eine Ungerechtigkeit, dass nun Kantone wie Jura und Graubünden im Hochschulrat vertreten sind, die weit weniger an Hochschulen zahlen als unser geschätzter Partnerkanton.»

Da die nächste Wahl erst in vier Jahren erfolgen wird und eine mögliche Überarbeitung des Hochschulkonkordats noch nicht geplant ist, bleibt die aktuelle Situation wohl für einige Zeit bestehen. In der Zwischenzeit sprechen sich Wüthrich und Eymann für eine enge Zusammenarbeit aus. Wüthrich: «Die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Baselland und Basel-Stadt wurde mit dem heutigen Entscheid unterstrichen.»