Münchenstein
Steigt Münchenstein ins Immobiliengeschäft ein?

Der Gemeinderat von Münchenstein will Helvetia Versicherung 56 Wohnungen für über 20 Millionen abkaufen, um bezahlbaren Wohnraum zu erhalten. Doch der Kauf der Liegenschaft ist umstritten.

Tobias Gfeller
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Münchenstein will Helvetia Wohnungen für über 20 Millionen abkaufen.

Münchenstein will Helvetia Wohnungen für über 20 Millionen abkaufen.

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Die Helvetia AG möchte ihre fünf Liegenschaften mit insgesamt 56 Wohnungen und die beiden dazugehörigen Autoeinstellhallen für 60 Fahrzeuge verkaufen. Sie stehen auf Gemeindeboden und grenzen ans Zentrum Gartenstadt. Der Baurechtsvertrag zwischen Helvetia und der Gemeinde läuft eigentlich noch bis 2080. Gemäss Gesetz muss die Baurechtsnehmerin – in diesem Fall die Helvetia – zuerst der Baurechtsgeberin, der Gemeinde, die Objekte zum Kauf anbieten.

Kauf der Liegenschaft ist umstritten

Nach umfassenden Abklärungen will der Gemeinderat das Vorkaufsrecht in Anspruch nehmen, braucht dafür aber das Einverständnis der morgigen Gemeindeversammlung. Nach Berechnungen und Schätzungen der von der Gemeinde beauftragten Architekten und Immobilienmakler haben die Liegenschaften einen Verkehrswert von gut 17 Millionen Franken. Die Gemeinde bietet 20,7 Millionen.

Dies entspricht dem bereits abgeschlossenen Kaufvertrag zwischen der Helvetia und dem meistbietenden Privatkäufer. Die Gemeinde hat die Möglichkeit, diesen Kaufvertrag über das Vorkaufsrecht zu übernehmen.

Wir sind überzeugt, dass sich der Kauf für die Gemeinde langfristig lohnt.

(Quelle: René Nusch, Gemeinderat Münchenstein)

Der Liegenschaftskauf ist umstritten. Kritiker monieren einerseits die Wirtschaftlichkeit der Transaktion, andererseits ganz grundsätzlich, dass die Gemeinde als öffentliche Hand aktiv im Immobiliengeschäft mitmischt. Gemeinderat René Nusch räumt mit beiden Bedenken auf. «Der Baurechtszins, den wir aktuell erhalten, ist im Vergleich zum Wert der Liegenschaften und des Bodens viel zu tief angesetzt. Wir sind überzeugt, dass sich der Kauf für die Gemeinde langfristig lohnt.»

Mit diesem Liegenschaftskauf soll die Gemeinde Münchenstein aber nicht zur Liegenschaftsverwalterin werden. «Wir haben schon jetzt beschlossen, dass wir die Verwaltung der Liegenschaften extern ausschreiben und nicht selber übernehmen werden», erklärt Nusch.

Der Liegenschaftskauf habe vor allem strategische Gründe und passe in die aktive Landpolitik, welche die Gemeinde Münchenstein seit Jahren betreibt. Denn die Helvetia-Liegenschaften gelten als «bezahlbaren Wohnraum», der in Stadtnähe immer seltener wird. Gemäss Berechnung liegen die Mieten 14 Prozent unter dem Marktpreis. Das soll auch so bleiben, wenn die Gemeinde die Liegenschaften gekauft hat.

Bezahlbaren Wohnraum erhalten

«Wir wollen dafür sorgen, dass es in Münchenstein auch in Zukunft bezahlbaren Wohnraum gibt», betont Gemeinderatsvizepräsident René Nusch. Sowohl ältere Personen wie auch Familien fänden in den fünf Häusern für sie passende und bezahlbare Wohnungen in – gemäss Abklärungen – «gutem» Zustand.

Kämen die Liegenschaften in die Hände von privaten Investoren, befürchtet der Gemeinderat, dass sie innerhalb von wenigen Jahren saniert und danach teurer vermietet würden. Mit einem grösseren Flächenanteil erhielte die Gemeinde durch den Liegenschaftskauf mehr Einfluss und Gewicht beim zurzeit stockenden Quartierplan «Stöckacker», was gemäss dem Gemeinderat zusätzlich für den Kauf spricht.