Gemeinderat
Allschwil sagt: Schule abreissen und komplett neu bauen ist günstiger als sanieren

In Allschwil steigen die Schülerzahlen stark. Statt ein Schulhaus zu erweitern, will der Gemeinderat ein bestehendes ersetzen. 50 Millionen Franken soll das neue Schulhaus Neuallschwil kosten. Vom Vorgehen sind nicht alle überzeugt.

Benjamin Wieland
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«In seinem Lebenszyklus weit fortgeschritten»: Schulhaus Neuallschwil von 1974.

«In seinem Lebenszyklus weit fortgeschritten»: Schulhaus Neuallschwil von 1974.

Nars-Zimmer

Allschwil hat Gefallen gefunden am Schulhausbau. Kaum sind beim neuen Schulzentrum Gartenhof, das fast 70 Millionen Franken kostete, die gröbsten Baumängel behoben, will der Gemeinderat schon das nächste Projekt in Angriff nehmen. Das Primarschulhaus Neuallschwil soll einem Neubau weichen. Das sei günstiger als eine Ertüchtigung – und auch aus schulischer Sicht besser: Die Raumsituation im Gebäudekomplex aus dem Jahr 1974 entspreche nicht mehr den Standards für modernen Unterricht, argumentiert der Gemeinderat. Kosten soll der Neubau rund 50 Millionen Franken.

Die Neubau-Pläne der Allschwiler Exekutive kommen nicht überall gut an. Wäre eine Sanierung nicht doch besser? Und ist es ökologisch sinnvoll, ein erst knapp 50-jähriges Gebäude abzureissen? Solche Fragen warf FDP-Einwohnerrat Andreas Bärtsch in einer dringlichen Interpellation auf. Er schreibt im Vorstoss, mit dem geplanten Rückbau der Schulanlage würden nicht nur wertvolle Ressourcen vernichtet. Es würde, zumindest temporär, auch dringend benötigter Schulraum fehlen.

Auch Basel hat Platzproblem, setzt aber auf Sanierungen

«Wir haben das angeschaut. Die Kostenschätzungen haben ergeben, dass ein Umbau viel teurer wäre als ein Neubau», sagte der fürs Ressort Immobilien zuständige Gemeinderat Robert Vogt (FDP) an der Einwohnerratssitzung am Mittwoch. Ein Kostentreiber sei die Erdbebenertüchtigung. Unter dem Strich sei ein Neubau befriedigender, sagte Vogt, und zwar aus finanzieller, baulicher, aber auch schulischer Sicht. «Zudem bräuchte es auch bei einer Sanierung Provisorien.»

Andreas Bärtsch wollte vom Gemeinderat auch wissen, weshalb Basel-Stadt praktisch ausschliesslich auf Sanierungen statt auf Neubauten setze. Der Gemeinderat schreibt, viele Schulhäuser in Basel stammten aus dem 19. Jahrhundert. Wenn sie unter Denkmalschutz stünden, dürfe man sie gar nicht abreissen. Hinzu komme, dass bei diesen Schulen die Klassenzimmer auf Klassen mit rund 40 Schülerinnen und Schülern ausgerichtet seien und somit wesentlich grösser seien als bei Bauten aus den 1970er-Jahren. Die historischen Schulhäuser seien somit «für heutige Klassengrössen einschliesslich Spezialnutzungen nach wie vor bestens geeignet».

Nicht zuletzt will der Gemeinderat am Standort Neuallschwil künftig vier Klassen mehr unterbringen: 26 statt der heutigen 22. Wegen der Höhe des Kredits würde auch das Volk über das neue Schulhaus Neuallschwil abstimmen. Einmalige Ausgaben über 3 Millionen unterstehen dem obligatorischen Referendum.