Denkmalschutz
Regierung fürchtete Einschränkungen durch den strengen Schutz

Baselland ist der viertletzte Kanton, dessen Inventar der Bundesrat nach der gesamtschweizerischen ISOS-Revision von 2003 nun in Kraft setzen konnte. Die Zangengeburt ist vor allem auf das Kraftwerk Birsfelden zurückzuführen.

Andreas Hirsbrunner
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Revision des ISOS-Inverntars im Baselbiet
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Solche Häuserzeilen mit alten Holzlauben und Vorgärten gehören zum Charakter des Dorfkerns.
Die Kirche aus dem 16.Jahrhundert prägt das Dorfbild von nationaler Bedeutung.
Neu im ISOS: die Kulturlandschaft Röserental – hier der Weiler – in Liestal, Frenkendorf und Pratteln.
Neu im ISOS: das «verstädterte Dorf» Münchenstein; im Bild die ehemalige Zehntentrotte.
Neu im ISOS: das Kraftwerk Birsfelden, dessen Schutz der Regierung Bauchweh bereitete.
Neu im ISOS: die Schlossanlage Wildenstein oberhalb von Bubendorf.

Revision des ISOS-Inverntars im Baselbiet

Kenneth Nars

Das Baselbiet ist definitiv kein Musterschüler, wenn es um das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung der Schweiz, kurz ISOS, geht. Denn Baselland ist der viertletzte Kanton, dessen Inventar der Bundesrat nach der gesamtschweizerischen ISOS-Revision von 2003 nun in Kraft setzen konnte. Die Baselbieter Nachzüglerrolle erklärte Regierungsrätin Sabine Pegoraro einer grossen Festgemeinde aus Verwaltung, Gemeinden, Heimatschutz und Planungsbüros im Bennwiler Pfarrhaus so: «Wir haben in zähen Verhandlungen erreicht, dass wir für das Kraftwerk Birsfelden die bundesrätliche Zusicherung erhalten haben, dass die Unterschutzstellung nicht allen andern Interessen vorgeht.»

Womit wir mitten in der nicht ganz einfachen ISOS-Materie drin sind: Das Baselbiet zählt jetzt 33 Ortsbilder von nationaler Bedeutung; vier kamen mit der Revision dazu, zwei wurden gestrichen. Nicht mehr zum Inventar gehören Augusta Raurica, das seit 1992 den Status einer archäologischen Schutzzone geniesst, und die Liesbergmühli. Bei dieser handle es sich zwar um einen historisch bedeutenden Industrieort, der aber so viel Substanz verloren habe, dass eine Verabschiedung aus ISOS gerechtfertigt sei, erklärte Pegoraro. Das zeigt: Die Aufnahme ins ISOS garantiert einen gewissen Schutz, aber keinen absoluten.

Rheinaustiefung weiter möglich

«Die rechtliche Verbindlichkeit des ISOS ist kompliziert», sagte denn auch Ortsbildpflegerin Lilo Münch und fasste den momentanen Stand so zusammen: Bei einem Bauvorhaben des Bundes sei ISOS verbindlich, bei gleichwertigen Interessen müsse abgewogen werden. Der Kanton müsse ISOS in der Richtplanung und die Gemeinden bei der Nutzungsplanung berücksichtigen.

Neu aufgenommen ins Inventar wurden «das verstädterte Dorf» Münchenstein, die Kulturlandschaft Röserental in den Gemeinden Liestal, Frenkendorf und Pratteln, die Schlossanlage Wildenstein und eben das Kraftwerk Birsfelden. Und mit der vom Bund angestrebten Unterschutzstellung des Industriedenkmals Kraftwerk Birsfelden hatte der Kanton seine liebe Mühe, weil er befürchtete, dass keine Rheinaustiefung mehr möglich wäre. Das machte dann die von Pegoraro angesprochenen «zähen Verhandlungen» notwendig. An dessen Ende steht nun laut Pegoraro die verbindliche Zusage von Bundesrat Alain Berset, «dass die Interessen an einer besseren Energieausbeute des Kraftwerks und an der Verbesserung der Rheinschifffahrt sehr hoch gewichtet werden», falls es einmal zu einem entsprechenden Projekt kommen sollte.

Dass das Ende des ISOS-Revisionsprozesses mit zwei vom Bundesamt für Kultur herausgegebenen Bänden zu den Baselbieter Ortsbildern von nationaler Bedeutung und zur Siedlungsgeschichte in beiden Basel gerade in Bennwil gefeiert wurde, hatte natürlich einen Grund. Pegoraro: «Bennwil ist mit seinem Ortsbild ein Vorzeigebeispiel für den Kanton.»

Und wer’s nicht glauben wollte, konnte sich an einem Rundgang unter Führung von Lilo Münch überzeugen. Dabei wies Münch auch auf Details wie Vorgärten, Fenstersprossen oder erhaltene Scheunentore hin, die nicht zuletzt dank ISOS noch ihren Platz im Bennwiler Ortsbild von nationaler Bedeutung haben.