Pro und Contra
Ideal für Aesch oder überdimensioniert? Die Befürworter und Gegner des Doms kreuzen die Klingen

Am 26. September stimmt Aesch über das Referendum zum Investitionskredit über 19,5 Millionen Franken für den Dom ab. Alle Alternativen kämen teurer, gibt das Pro-Komitee zu Bedenken – das Projekt habe zuviele Mängel, monieren die Gegner.

Benjamin Wieland
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Das Referendumskomitee vermisst etwa auch Details zum Aussehen der Hülle.

Das Referendumskomitee vermisst etwa auch Details zum Aussehen der Hülle.

Häring & Co. AG

Pro

Rolf Blatter.

Rolf Blatter.

In unserem Dorf gibt es fast 100 Vereine, die allerlei Hobbys pflegen. Für die Gesellschaft und den Zusammenhalt sind diese Vereinsaktivitäten sehr wichtig. Aus diesem Grund engagiert sich der Gemeinderat auch enorm für eine genügende Infrastruktur und dass sich die Vereine weiterhin für Kultur und Sport für alle Alters- und Gesellschaftsschichten einsetzen können.

Weil sich schon vor einigen Jahren verschiedene Engpässe abzeichneten, hat die Gemeinde begonnen, neue Flächen zu planen - und ist dabei nach einer Planungsphase im vorliegenden Dom fündig geworden. In diesem Projekt sind neue Angebote für Sport, Kultur und weitere Anlässe enthalten – quasi 2 für 1 unter einem gemeinsamen Dach. Auf einen Schlag - und erst noch zu einem Superpreis: die neue Dreifach-Halle und der Kultursaal unter der Kuppel kosten 19.5 Millionen Franken und werden mit 5 Millionen unterstützt. Mit dem Kanton Baselland, der BLKB, der Bürgergemeinde sowie dem Standortförderungsfonds Aesch stehen namhafte Sponsoren hinter dem einmaligen Projekt. Die Gemeindeversammlung im Juni hat dieses Projekt denn auch im Verhältnis von 2:1 genehmigt.

Auch der Standort beim Löhrenacker ist die einzig richtige Lösung. Schliesslich gibt es im Dorf keine ähnlichen freien Flächen - weder für Sport noch für Kultur. Erfahrungen mit dem Wyyschluch oder dem Pfarreiheim haben gezeigt, dass die regelmässige Lärmbelastung der Anwohnerinnen und Anwohner durch Anlässe in Wohnquartieren nicht goutiert wird. Nicht zuletzt besteht auch ein vom Kanton bereits abgesegnetes Verkehrskonzept, welches die Erschliessung der erweiterten Anlage auf dem Löhrenacker mit ÖV, MIV und Langsamverkehr ebenso bestätigt wie die Situation mit den erforderlichen Parkplätzen.

Jede Alternative zum vorliegenden Projekt käme deutlich teurer als der Dom: die Summe von Einzellösungen für Sport (14 Mio.), Kultur (9-10 Mio.) und Garderoben (1-2 Mio.) beträgt rund 25 Millionen – ohne Sponsoring durch Dritte. Also: 10 Millionen höhere Kosten als der Dom. Stimmen Sie deshalb dem Dom zu - Vereine und künftige Generationen werden es Ihnen danken.

Rolf Blatter, Landrat FDP, Aesch; für das Komitee Ja zum Dom

Contra

Ralph Huber.

Ralph Huber.

Wir wollen eine bessere Lösung als den Dom. Aus den folgenden sieben Gründen sagen wir Nein zu diesem Projekt:

- Weil sich die bekannten Kosten für den Aescher Steuerzahler heute schon auf 17.3 Millionen Franken belaufen, und nicht bloss auf 14.5 Millionen, wie vom Gemeinderat behauptet.

- Weil der Dom die Jahresrechnung der Gemeinde jährlich mit 780'000 Franken belastet.

- Weil eine 21 Meter hohe und im Durchmesser 75 Meter (2 mal die Höhe des Kirchturms) messende Holzhalbkugel mit einer Fläche von 4500 Quadratmetern nicht in die geplante Umgebung passt (Bilder dazu in Internet, man google nach «Saline Möhlin»).

- Weil es kein brauchbares Parkplatzkonzept gibt. Lächerliche 63 zusätzliche permanente Parkplätze für eine Halle mit 3600 Personen Fassungsvermögen können nicht ausreichen sein. Der ÖV-Anschluss für ältere oder gehbehinderte Personen ist zu weit weg. Verkehrslärm und Suchverkehr in den Wohnquartieren sind garantiert.

- Weil unser Breitensport keine Eventhalle in der Grösse des geplanten «Dom» braucht. Belegungspläne der Gemeinde zeigen, dass zurzeit genügend Hallenplätze für Aktivitäten im Breitensport zur Verfügung stehen.

- Weil wir als Steuerzahler den Volleyball-Profisportclub jetzt schon grosszügig unterstützen.

- Weil es für eine lebendige Kultur einen Begegnungsort in Zentrumsnähe braucht und nicht weit draussen am Dorfrand.

Eine derartige Eventhalle wäre ein perfektes Projekt für die 10 Birsstadtgemeinden. Keine dieser Gemeinden - und einige davon sind grösser oder finanzstärker als Aesch - ist auf die Idee gekommen eine solche überdimensionierte Eventhalle zu bauen und zu unterhalten. Übrigens: Der Gemeinderat hat 2014 im Antrag für den Renovationskredit für die bestehende Mehrzweckhalle festgestellt, dass die Gemeinde keine 10 Millionen Franken für eine neue Halle zur Verfügung hat. Die Finanzlage der Gemeinde hat sich nachweislich bis heute nicht verändert.

Wie es ein ehemaliger Gemeinde- und Landrat schön formuliert hat «Aesch braucht keinen Dom, eine ganz normale Kirche tut es auch».

Ralph Huber, Aesch; für das Referendumskomitee Nein zum Dom

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