Bundesanwaltschaft
«Posten des Bundesanwalts ist nicht attraktiv»

Die Erste Staatsanwältin des Baselbiets, Angela Weirich, will «auf keinen Fall» für die Nachfloge für Erwin Beyeler kandidieren. Sie sei erst seit Januar im Amt, begründet die 45-Jährige Baslerin die Absage.

Alessandra Paone
Drucken
Gefordert: Die oberste Staatsanwältin Angela Weirich ist der Bredouille.

Gefordert: Die oberste Staatsanwältin Angela Weirich ist der Bredouille.

Archiv/Nicole Nars-Zimmer

Frau Weirich, die Vereinigte Bundesversammlung hat sich gegen den amtierenden Bundesanwalt Erwin Beyeler entschieden. Hätten Sie das für möglich gehalten?Angela Weirich: Ich war völlig überrascht – vor allem nach der Empfehlung der Wahlkommission.

Was hat Erwin Beyeler falsch gemacht?
Ich kenne die Verfahren im Detail nicht, die in der Bundesanwaltschaft geführt wurden. Grundsätzlich gilt in der Strafverfolgung, dass im Zweifelsfall Anklage erhoben werden muss. Resultiert dann ein Freispruch, heisst das daher nicht zwangsläufig, dass der Staats- oder Bundesanwalt seine Arbeit nicht gut gemacht hat. Und: Die Jurisprudenz ist keine exakte Wissenschaft. Man kann juristische Sachverhalte durchaus unterschiedlich beurteilen.

Wurde er Opfer politischer Spiele?
Darüber kann man nur mutmassen. Die negative Presse hat aber sicher auch ihren Teil dazu beigetragen.

Wie wichtig ist die Parteizugehörigkeit für einen Bundesanwalt?
Es ist nicht nötig, dass ein Bundes- oder Staatsanwalt einer Partei angehört. Im Gegenteil: Wer in der Strafverfolgung tätig ist, sollte – natürlich eingebettet in ein Aufsichtssystem – möglichst unabhängig sein. Denn es ist ein sehr schwieriges und konfliktträchtiges Arbeitsgebiet. Man macht sich zwangsläufig nicht nur Freunde. Wenn man politisch beeinflusst oder abhängig ist, könnte die Unabhängigkeit, die nötig ist, um seine Aufgabe erfüllen zu können, beeinträchtigt sein.

Sind Sie deshalb parteilos?
Ich bin zwar politisch interessiert, aber als unabhängige und parteilose Staatsanwältin bisher immer gut gefahren.

Neu wählt nicht mehr der Bundesrat sondern das Parlament den Bundesanwalt. Wurde der neue Wahlmodus Beyeler zum Verhängnis?
Sollten wirklich politische Gründe zu Beyelers Abwahl geführt haben, muss der Wahlmodus sicher überdacht werden.

Das Kandidatenkarussell dreht sich bereits. Ist nach diesem Eklat der Posten des Bundesanwalts überhaupt noch begehrt?
Bundesanwalt sein ist kein Honigschlecken. Dieser Beruf verlangt einem viel ab: Man muss sehr stressresistent sein und eine hohe Fach- sowie Führungskompetenz vorweisen. Müsste man ausserdem mit dem Risiko leben, jederzeit aus politischen Gründen plötzlich ohne Job dazustehen, ist das kaum motivierend.

Eine Kandidatur kommt für Sie also nicht infrage?
Auf keinen Fall. Ich schliesse eine Kandidatur kategorisch aus.

Warum? Sie haben sich im Baselbiet als Staatsanwältin einen guten Ruf geschaffen.
Die Reorganisation der Baselbieter Staatsanwaltschaft ist nach wie vor im Gang. Es wäre für mich zu früh, jetzt meine Tätigkeit aufzugeben, die ich im Übrigen sehr gerne ausübe. Ausserdem fühle ich mich sehr verbunden mit dem Kanton und mit meinen Mitarbeitenden. Der Posten als Bundesanwältin ist für mich aus diesen Gründen nicht attraktiv.