Baselbieter Wahlen
Palazzo-Chef wünscht sich Reber als neuen Baudirektoren

Morgen ist es so weit: Das Baselbiet wählt sein Parlament und seine Regierung neu. Kurz vor dem Urnengang meldet sich mit Niggi Messerli jemand zu Wort, der auf ein heiteres Sesselrücken in der Regierung hofft.

Michael Nittnaus (Text und Foto)
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Vor dem Kulturhaus Palazzo am Bahnhof Liestal drängen sich die Plakate. Niggi Messerli hofft, dass ihm die Wahlsieger von morgen wohlgesinnt sein werden.

Vor dem Kulturhaus Palazzo am Bahnhof Liestal drängen sich die Plakate. Niggi Messerli hofft, dass ihm die Wahlsieger von morgen wohlgesinnt sein werden.

Michael Nittnaus

Auf Niggi Messerlis Schreibtisch im oberen Stock des Kulturhauses Palazzo stapeln sich Papierberge. «Bitte entschuldigen Sie das Chaos», sagt der Chef und Gründer der Liestaler Kulturinstitution schlechthin, deren Eckpfeiler das Kino Sputnik, das Theater Palazzo und die Kunsthalle sind. Wenn der 64-Jährige aus dem Fenster auf den Liestaler Bahnhofplatz blickt, ragen aber Betonberge weit höher in den Himmel. Schliesslich wird gebaut. Messerlis altehrwürdiges Haus, das die Kulturhaus Palazzo AG 1978 erstanden hatte und das 1892 vom Architekten des Bundeshauses, Hans Auer, erbaut worden war, hat seine besten Tage hinter sich. Schon lange müsste es saniert werden. Doch ohne Kanton und Bund ist das nicht zu stemmen. Für das Palazzo ist deshalb richtungsweisend, wer morgen Sonntag in die Baselbieter Regierung gewählt wird.

Herr Messerli, die aktuelle Ausstellung in der Kunsthalle Palazzo steht unter dem Thema «Political correctness?». Gleich danach folgen Ende März mit der «Ernte 2014» die Kunstankäufe des Kantons Baselland. Wie abhängig sind Sie vom Staat?

Niggi Messerli: Wir sind froh und dankbar für die Subventionen des Kantons – und wir sind darauf angewiesen. Aber wir haben auch den Anspruch, ein autonomes und unabhängiges Haus zu sein.

Das kann doch nicht aufgehen.

Doch, denn die Zusammenarbeit basiert auf beiden Seiten auf Freiwilligkeit. Wir werden zu nichts gezwungen. Im Gegenteil: Wir haben ein sehr gutes Einvernehmen mit der Kulturdirektion und mit Kulturdirektor Urs Wüthrich. Gleichzeitig finanzieren wir die Grundkosten des Hauses über die Mieteinnahmen, die wir vom Restaurant, dem Buchladen, der Moschee, der offenen Jugendarbeit und den weiteren Mietern erhalten. Auch das macht uns unabhängiger.

Urs Wüthrich tritt nun aber morgen nicht mehr zur Regierungswahl an. Wen wünschen Sie sich als seinen Nachfolger?

Für die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) würde ich SP-Kandidatin Regula Nebiker begrüssen. Sie dürfte am ehesten ein offenes Ohr für unsere Anliegen haben. Schliesslich ist sie Liestalerin und hat als Sozialdemokratin Verständnis für unsere sozialen Projekte und Mieter wie den Buchladen oder die Jugendarbeit. Interessiert verfolge ich aber natürlich auch die Suche nach einem Nachfolger für Niggi Ullrich, den Leiter der Kulturabteilung der BKSD.

Werden Sie in die Suche mit einbezogen?

Eben nicht. Ich verstehe nicht, weshalb alles im Geheimen abläuft. Nicht einmal die Mitglieder der Findungskommission kennt man. Zumindest nach meiner Meinung fragen hätte man ja mal können, schliesslich habe ich seit 37 Jahren mit dem Palazzo Erfolg.

Bringen Sie doch Namen ins Spiel.

Jemand Konkretes fällt mir zurzeit auch nicht ein. Es müsste aber jemand sein, dessen Herz am Baselbiet hängt, der hier lebt, sich auskennt – und Visionen hat. Niggi Ullrich richtete sein Wirken leider eher auf Basel-Stadt aus. Wenn ich Regierungsrat wäre, würde ich mehr Gelder in die Baselbieter Kultur stecken und weniger nach Basel schicken – und das sage ich als Basler Bürger. Fast wichtiger für uns ist im Moment aber, ob Sabine Pegoraro Baudirektorin bleibt.

Weshalb?

Statt an unser Kulturhaus denkt sie bloss an Strassenbau und Megaprojekte. Dabei vernachlässigt sie unser historisches Gebäude an bester Lage am Liestaler Bahnhof, wo rundherum gebaut wird. In den letzten 15 Jahren kam beispielsweise nie jemand von der Pegoraro unterstellten Denkmalpflege zu uns auf Besuch.

Von wem erhoffen Sie sich denn mehr Gehör?

Von allen Regierungskandidaten kenne ich Sicherheitsdirektor Isaac Reber am besten. Er würde uns als Baudirektor wohl mehr helfen und einen besseren Kontakt zu uns pflegen. Das Wichtigste ist, dass der Baudirektor zu unserem Haus steht. Dann geht auch wieder was.

Wo brauchen Sie denn am
dringendsten Hilfe?

Das Palazzo strahlt noch eine alte Patina aus, wie aus einer anderen Zeit. Wir lieben das Haus, wie es ist. Aber vor allem die Fassade muss saniert werden. Wenn man den ursprünglichen Zustand der Auer-Fassade wiederherstellen möchte, reden wir schnell einmal von Kosten zwischen 800 000 und einer Million Franken, das Dach nicht mitgerechnet.

Wie können Sie das finanzieren?

Zum einen über eigene Mittel, Hypotheken und Sponsoren. Doch das reicht nicht. Wir sind auf Gelder des Kantons, vom Swisslos-Fonds und wohl auch vom Bund angewiesen.

Und was sagt der Kanton dazu?

Die Baselbieter Denkmalpflege würde das Gebäude gerne offiziell unter Schutz stellen. Sie meinen, dass wir dann auch bessere Chancen hätten, Bundes- und Swisslos-Gelder zu erhalten. Aber wir als Privatbesitzer haben Angst, dass dann unser Betrieb eingeschränkt würde. Da fehlt mir noch das Vertrauen in die Denkmalpflege und Frau Pegoraro. Es könnte für uns zum Bumerang werden.

Woher rührt dieses Misstrauen?

Etwas, das ich in naher Zukunft realisieren möchte, ist der Umbau des jetzigen Restaurants Palazzo zu einer «Brasserie de la gare» mit einem Wintergarten. Als ich die Denkmalpflege darauf ansprach, ein Fenster zu einem Durchgang in den Wintergarten ausbauen zu wollen, stiess ich sofort auf Skepsis. Dabei sieht man die betroffene Wand von aussen gar nicht.

Das Palazzo steht mitten im prestigeträchtigsten Entwicklungsgebiet, das derzeit auf Liestaler Boden vorangetrieben wird. Zwei neue Bahnhofsbauten, gegenüber attraktive Familienwohnungen mit Ladenflächen im Parterre bis hin zu den Plänen der Post: Wollte Ihnen nie eine der involvierten Parteien ihre Immobilie abkaufen?

Durchaus. Die SBB meldeten vehement ihr Interesse an. Und wir haben ihr Angebot auch ernsthaft geprüft. Doch letztlich habe ich abgesagt. Sie versicherten zwar, am Kulturbetrieb festhalten zu wollen, doch ihr Projekt hätte nichts mehr mit unserem Kulturhaus Palazzo zu tun gehabt. Zudem hätten sie alle Mieten verdoppelt. Das hätte unsere Mieter sicher vertrieben.

Wie viel haben die SBB geboten?

Ich schätze den Wert der Liegenschaft auf fünf bis acht Millionen Franken. Die SBB boten knapp fünf Millionen. Ich möchte aber betonen, dass ich der Arealplanung am Liestaler Bahnhof nicht im Weg stehen werde. Die SBB überlegen sich sogar, die Berücksichtigung des Palazzos in den Projektwettbewerb des neuen Bahnhofsgebäudes einzubauen. Ich begrüsse die Umgestaltung. Sie wird das ganze Areal beleben. Und durch die Familienwohnungen gewinnen wir vielleicht ja neue Kundschaft.