Augst
«Offenbar treffen wir mit dem Augusta-Raurica-Lauf den Geschmack»

Wir haben mit dem OK-Chef Hansruedi Christen ein Interview geführt zum Klassiker Augusta-Raurica-Lauf vom Sonntag.

Simon Tschopp
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Rennende Schülerinnen und Schüler vor römischer Kulisse in Augst.

Rennende Schülerinnen und Schüler vor römischer Kulisse in Augst.

Kenneth Nars

Hansruedi Christen, der Augusta-Raurica-Lauf wird heuer zum 56. Mal ausgetragen. Er ist der traditionsreichste Volkslauf der Region und zählt zu den ältesten der Schweiz. Was macht es möglich, dass er inzwischen bald sechs Jahrzehnte überdauert hat?

Hansruedi Christen: Unser Konzept und die Ambiance mit dem Start-Ziel-Gelände beim römischen Theater sind die Grundpfeiler. Der Lauf ist ein familiärer Anlass für alle Alterskategorien, und er ist überschaubar. Wir können auf einen grossen Stamm von Teilnehmenden zählen, die immer wieder kommen. Diese reisen aus fast allen Landesteilen der Schweiz an.

Erstaunlich ist, dass am Konzept nie gross gerüttelt wurde, höchstens kleinere Neuerungen führten Sie ein.

Genau. Neu ist heuer, dass wir durch das Projekt «Talent Eye» des Sportamts Baselland mit zusätzlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern in den Nachwuchskategorien rechnen können. Und neu werden die Medaillen im römischen Theater übergeben. Wie jedes Jahr erhalten die Teilnehmenden Auszeichnungen mit einem römischen Motiv drauf, die es sonst nirgends gibt.

Der Augusta-Raurica-Lauf ist eine nüchterne Laufveranstaltung ohne Schnickschnack wie Unterhaltung mit Livemusik oder Ähnlichem.

Das ist so. Offenbar treffen wir damit den Geschmack der Läuferinnen und Läufer.

Das Angebot an Läufen ist mit den Jahren immer grösser geworden. Früher waren die Teilnahmezahlen an Ihrem Lauf höher.

Ja, vor 30 Jahren starteten bei uns teils über 1000 Sportlerinnen und Sportler. Danach gingen die Zahlen zurück. In den vergangenen Jahren stagnierten sie zwischen 600 und 700, was respektabel ist. Positiv für uns ist, dass der Augusta-Raurica-Lauf einer der letzten regionalen Läufe im Jahreskalender ist. Vorteilhaft ist ebenfalls, dass viele, die das Baselbieter Sportabzeichen erringen wollen, noch ein paar Kilometer benötigen und deshalb den Augusta-Raurica-Lauf bestreiten. Dieser wird immer am zweiten November-Sonntag ausgetragen. Zu dem Zeitpunkt stehen wir nicht in grosser Konkurrenz mit anderen Laufveranstaltungen.

Der Läuferverein (LV) Baselland tritt als Organisator auf. Finden Sie immer genügend Helferinnen und Helfer?

Momentan sind wir noch genug. Aber die treuen Helfer kommen alle ins Alter. Jedes Jahr gibt es den einen oder anderen, der nicht mehr mithelfen will, weil er nicht mehr mag. Darauf müssen wir uns vorbereiten und Lösungen finden, wie wir Engpässe beheben können.

Ihr Organisationskomitee besteht mehrheitlich aus Vorstandsmitgliedern des LV Baselland, die sich schon seit Jahren dafür engagieren. Ist der Augusta-Raurica-Lauf bloss Routine fürs OK?

Zum Teil schon. Es sind viele Sachen, die sich immer wiederholen. Weil bei uns im Helferstab Kontinuität herrscht, weiss jede und jeder, was sie und er zu tun hat. Jährlich kommen jedoch neue Ideen auf, die wir zuerst genau anschauen müssen und nicht routinemässig erledigen können.

Durch die Konkurrenz von Laufgruppen und Sportvereinen ist es für den LV Baselland nicht einfacher geworden, Laufnachwuchs zu rekrutieren.

Das ist tatsächlich ein Problem. Vereine wie wir, die keine ausgebildeten Trainer haben, sind damit konfrontiert. Bei uns ist der Durchschnitt der aktiven Läufer um die 50 Jahre.

Wie wirkt sich das auf die Organisation des Augusta-Raurica-Laufs aus?

Wenn wir keinen Nachwuchs anwerben können, werden wir künftig auch keine Vorstands-, OK-Mitglieder und Helfer mehr haben. Will heissen: Der Augusta-Raurica-Lauf könnte in absehbarer Zeit in Gefahr sein. Eine Möglichkeit, Gegensteuer zu geben, ist, Allianzen zu suchen mit anderen Vereinen, um sich gegenseitig auszuhelfen.

56. Augusta-Raurica-Lauf mit Start und Ziel in Augst; übermorgen Sonntag, ab 10 Uhr.