Münchenstein
Dorflädeli der Zukunft: Automatisiert und rund um die Uhr geöffnet – aber trotzdem frisch und lokal

Lang ist es her, dass die Bewohnerinnen und Bewohner Münchensteins regionale Produkte in einem kleinen Dorflädeli kaufen konnten. Die «Interessensgemeinschaft Dorfladen» möchte das mit modernen Ideen im Gepäck ändern.

Florin Bürgler
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Noch ohne Raum, aber mit vielen Ideen: Die IG Dorfladen mit Dorothée Iven, Christa Egli und Frédéric Pothier (von links).

Noch ohne Raum, aber mit vielen Ideen: Die IG Dorfladen mit Dorothée Iven, Christa Egli und Frédéric Pothier (von links).

Florin Bürgler

Mit welchem Feuer die Mitwirkenden der IG Dorfladen für ihr Projekt brennen, wird schnell klar: Christa Egli, Dorothée Iven und Frédéric Pothier kommen im Gespräch kaum aus dem Schwärmen heraus, wenn es um die Idee eines neuen Dorfladens geht. Seit zirka drei Jahren ist das Milchhüsli im Dorf geschlossen. Ob dieses Lädeli den im Namen mitschwingenden Zweck im Dorf damals erfüllte, ist in den Augen vieler Münchensteinerinnen und Münchensteiner wohl fraglich. Das ehemalige Milchhüsli bestach nämlich eher mit ­einem überwältigenden Spirituosenangebot als mit regionalen Milchprodukten.

Diese «Lücke» will die IG Dorfladen nun füllen. Die sechs engagierten Mitglieder kennen sich zwar noch nicht lange, sind aber in der Sache vereint: «Wir haben uns letztes Jahr alle zufällig an einer Geburtstagsfeier kennen gelernt. Schnell kamen wir ins Gespräch und waren uns einig, dass das Dorf nicht sehr belebt ist, was wir alle bedauerten», erzählt Iven. Der gemeinsame Nenner war kurz darauf gefunden: «Die Idee eines kleinen Dorfladens entstand noch am selben Abend. Es gibt viele regionale Anbieter, doch keinen zentralen Ort, an dem die Bevölkerung die Produkte kaufen kann», meint Pothier.

Rund um die Uhr geöffnet

Die Gruppe machte sich an die Arbeit und begann mit einem Stand am letztjährigen Weihnachtsmarkt, wo sie mit selbst gemachten Broten, Gutzi und Waffeln aus regionalen Zutaten auf ihr Anliegen aufmerksam machen wollten. «Einerseits war es für uns die Probe, ob wir als Team funktionieren, und andererseits wollten wir wissen, ob in der Münchensteiner Bevölkerung überhaupt ein Interesse an solch einem Dorfladen besteht», meint Egli. Beides konnte bejaht werden und war ein grosser Ansporn für das Team: «Wir waren restlos ausverkauft und erhielten sehr viel Zuspruch, was uns umso mehr motivierte», sagt Pothier rückblickend.

Bald darauf begab sich die Gruppe auf Erkundungstour in der Region und stiess auf das Konzept von «Bioflix»: Ein kleiner Laden, der rund um die Uhr geöffnet ist, ohne Personal auskommt und frische, lokale Produkte anbietet. Doch wie funktioniert das? Iven erklärt: «Alles ist automatisiert. Man kann sich registrieren, die Türen öffnen sich automatisch und die Bezahlung erfolgt per Self-Checkout.» Bei digitalen Berührungsängsten würden sie natürlich bei der Registrierung unter­stützend zur Seite stehen. «Es soll eine Art moderner Hofladen werden, wie früher der kleine Dorfladen mit dem Kässeli – nur halt digitalisiert.»

Raumsuche gestaltet sich schwierig

Beim Sortiment des künftigen Dorfladens möchten die Initianten vor allem auf lokale Produkte setzen: «Wir würden aktiv auf Höfe zugehen und auch Produkte anbieten wollen, die aufgrund ihrer Form oder sonstiger Merkmale nicht den Richtlinien der Grossverteiler entsprechen», meint Egli.

Für einen zentralen Punkt des Vorhabens konnte jedoch noch keine Lösung gefunden werden: «Es ist sehr schwierig, einen Raum zu finden. Wir brauchen nicht viel Platz, etwa 30 Quadratmeter  – es kann auch eine Garage oder sonst etwas sein, sofern es sich in der Nähe des Dorfkerns befindet», erklärt Egli weiter. Dass der Dorfladen rund um die Uhr geöffnet und zentral liegen soll, begründen die Mitglieder der IG damit, dass es so auch Berufstätigen und Menschen ohne Auto möglich würde, lokale Produkte zu jeder Tages- und Nachtzeit einzukaufen. «Etwas für jedes Portemonnaie, jedes Alter und zu jeder Uhrzeit», meint Iven. Jetzt fehlt «nur» noch der passende Raum. Pothier meint schmunzelnd: «Wir wollen ja nicht für die nächsten 20 Jahre nur auf dem Weihnachtsmarkt stehen.»