Ende einer Ära
«Monteverdi»-Autos ziehen um nach Luzern

Das seit 1985 existierende Automobilmuseum Monteverdi in Binningen wird Ende Jahr geschlossen. Die Luxus-Automarke findet im Verkehrshaus Luzern eine neue Heimat.

Simon Tschopp
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Monteverdi-Automobilmuseum in Binningen
7 Bilder
Das Monteverdi Palm Beach Cabriolet (1974)
Das Monteverdi High Speed 375 L Viersitzer-Coupés (1969)
Das Lenkrad des Monteverdi High Speed 375 L Viersitzer-Coupés (1969).
Der Schriftzug des Monteverdi High Speed 375 S Prototyps (1967)
Der Monteverdi Special (1950–1952). Peter Monteverdi konstruierte sein erstes Fahrzeug im Alter von 16 bis 18 Jahren.
25-Jahr-Jubiläum des Monteverdi Clubs Binningen 2010

Monteverdi-Automobilmuseum in Binningen

KEYSTONE

«Ich bin glücklich über diese Lösung», freut sich Paul Berger. Der 74-Jährige verwaltet den Nachlass des Autobauers Peter Monteverdi. Berger war dessen Weggefährte, die beiden arbeiteten während 39 Jahren zusammen, bis zu Monteverdis Tod 1998. Seither führt Paul Berger die Monteverdi Automobile AG samt dem Museum in Binningen alleine. Dieses zieht nächstes Jahr nach Luzern ins Verkehrshaus der Schweiz.

Keine 10 Rappen vom Staat

Berger hat eine Stiftung gegründet und 22 der 50 ausgestellten Fahrzeuge in die Körperschaft eingebracht, welche die Ausstellungsobjekte dem Verkehrshaus zur Verfügung stellt. «Ich musste etwas machen. Ich möchte noch selber entscheiden, was mit dem Museum geschieht», betont Paul Berger – mit einem Seitenhieb: «Es ist auch ein kleiner Trotz gegenüber der öffentlichen Hand, die mir nicht einmal mit zehn Rappen geholfen hat. Das hat mich geschmerzt.»

Deshalb sei der Umzug des Museums ins Verkehrshaus für ihn eine gewisse Genugtuung. «In Luzern habe ich ein Dankeschön», unterstreicht Berger. Das Monteverdi-Museum in Binningen schliesst Ende Jahr (siehe separater Text). Es wird komplett ausgeräumt, die Lokalitäten werden neu vermietet.

Lauter Trouvaillen

Nach 31 Jahren schliesst das Monteverdi-Museum Ende Dezember seine Türen. Darin finden auf drei Etagen 50 luxuriöse Sport- und Geländewagen der ganzen Palette von Peter Monteverdis Kreationen Platz. Das Museum konnte aus Kostengründen nur noch auf Anmeldung besichtigt werden. Zudem fehlten die finanziellen Mittel für eine Erneuerung.

Laut Paul Berger, früher bei Monteverdi als Verkaufsleiter tätig, sind insgesamt rund 3000 Fahrzeuge dieser Marke gebaut worden. Der erste Luxus-Sportwagen war 1967 der High Speed 375, erfolgreichstes Modell war der luxuriöse Geländewagen «Safari». Während der Blütezeit beschäftigte Monteverdi bis zu 50 Angestellte. Nachdem die Autoproduktion eingestellt worden war, richtete Peter Monteverdi das Museum selbst ein.

Das Monteverdi-Museum an der Oberwilerstrasse 20 in Binningen ist heute Samstag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Nach 1980 ist kürzlich ein neues, über 200 Seite starkes Buch zu «Monteverdi – die Geschichte einer Schweizer Automarke» erschienen. Autoren sind Roger Gloor und Carl L. Wagner.

Der Kontakt zwischen dem Verkehrshaus und Paul Berger kam mit einem unverbindlichen Gespräch zustande. «Wir loteten die Interessen aus, und irgendwann hat sich das Ganze konkretisiert. Danach fanden ernsthafte Gespräche zwischen uns und Paul Berger statt über die Verlagerung der Autos nach Luzern», erzählt Daniel Geissmann.

Der Verantwortliche für Ausstellung und Sammlung im Verkehrshaus erklärt auch, wie die Luxus-Automarke «Monteverdi» künftig präsentiert wird. In der Autohalle wird ein zusätzliches Stockwerk eingezogen. So schafft das Verkehrhaus weitere 300 Quadratmeter Ausstellungsfläche. «Damit haben wir Platz für die MonteverdiGeschichte.»

Trotz grösseren Platzverhältnissen können dort aber nicht alle Autos gleichzeitig ausgestellt werden. Geissmann: «Wir werden gewisse Themen mit modernen Mitteln regelmässig in Szene setzen: Einmal steht der Motorsport im Vordergrund, dann Geländefahrzeuge oder Limousinen.» Die Autos werden ab und zu ausgetauscht. Die nicht ausgestellten Fahrzeuge fristen in Lagerhallen des Verkehrshauses und von Paul Berger ihr Dasein.

Eröffnung im April

Für das Verkehrshaus sei wichtig, dass diese Geschichte in der ganzen Schweiz erhalten bleibt und auch der nächsten Generation zugänglich gemacht werden könne, erklärt Daniel Geissmann. «Diese Ausstellung ist der Abschluss einer Epoche, in der noch Schweizer Autos hergestellt worden sind. Monteverdi war der Letzte, der das machte.» Die Ausstellung im Verkehrshaus in Luzern wird am 12. April 2017 eröffnet – just zum 50-Jahr-Jubiläum der Automarke «Monteverdi».

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