Liestal
Schnitzelbänkler unterwegs im Stedtli: Lästern kann man über (fast) alles

Die Liestaler Schnitzelbänkler ziehen auf ihrer Tour durchs Stedtli so richtig vom Leder.

Ulrich Fluri
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Muser Schang, der Alleinunterhalter, setzt unter Liestaler Schnitzelbänklern die Messlatte hoch.

Muser Schang, der Alleinunterhalter, setzt unter Liestaler Schnitzelbänklern die Messlatte hoch.

Ulrich Fluri

Von Ueli Maurer über Pierin Vincenz bis Angela Merkel: Den Värslibrünzlern aus der Residenz ist kein Ereignis der vergangenen Zeit zu heilig, um sich nicht darüber lustig zu machen. Mit witzigen und meist bissigen Texten wurden in Liestal die Eiterbeulen des vergangenen Jahres aufgestochen und gehörig Luft abgelassen. Nach der jeweils grossen Sause mit Umzug und Chienbäse gilt der Montagabend mit dem Schnitzelbanksingen als das eigentliche Sahnehäubchen der Liestaler Fasnacht.

Da haben vorgestern neun Gruppen mit meist gut bekömmlichem Humor für eine wohltuende Stimmung gesorgt. Und dies, angesichts der aktuell bedrückenden politischen Lage, nie überbordend. Dazu beigetragen haben aber auch die Küchenchefs in den acht brechend vollen Beizen, die vom Hotdog bis zum Gourmet-Menu alles im Angebot hatten und so das fasnächtliche Genussempfinden in der Kantonshauptstadt zusätzlich anreicherten.

Mal derb, mal angriffig, mal plump

Über allem indes schwebte unverkennbar die Begeisterung, mit welcher die Schnitzelbänkler nach allem wühlten, das sich durch den Kakao ziehen lässt. Dass das dann mal derb, mal angriffig oder halt auch mal plump ausfiel, lag an der unterschiedlichen Qualität und Fantasie der Bänke und liegt im Wesen dieser Kunst.

An den Liestaler Schnitzelbänklern kommt keiner vorbei. Sie registrierten auch für den diesjährigen Auftritt gesellschaftskritisch alles Kuriose, alle Ungereimtheiten und Schandtaten. Das brachten die meisten in ihren gedrechselten Sprüchen pointiert und mit feinsinnigem Humor zum Ausdruck. Einige wenige blieben aber biederes Mittelmass und liessen in ihren Vorträgen nebst der Musikalität auch das Bissige und das Originelle vermissen. Dem hat sich das Duo Chalte Kaffi mit seinem frechen Refrain grossartig entzogen:

Mir si glücklich, trallala

überall d’Schnuure dinne z ha!

Das Duo Chalte Kaffi.

Das Duo Chalte Kaffi.

Ulrich Fluri

Das tun sie dann auch in den aktuellen Schulfragen:

Wäg de böse Lehrer, oh herrjeh

boome privati Schuele immer meh

Es isch guet, dass es die Schuele gitt

s’Problem nur, d’Chinder nähme au d’Eltere mit.

Wo immer Muser Schang auftritt, ist Stimmung in der Bude. Der Barde mit dem breiten Oberbaselbieter Dialekt ist in der lokalen Szene nach wie vor die Referenzgrösse. Er ist ein Alleinunterhalter, der die hohe Schule der Bankdichtkunst mit ätzenden, schräg und skurril gesetzten Pointen beherrscht und originelle Texte gekonnt und theatralisch hinüberbringt. So hat er über die unseligen Diskussionen um sprachliche Korrektheit allerlei zu lästern:

Mäitlibei darfsch nümme sägen und Mohrechopf au nit

Nümm Zigüüner, Tschingg, Spaniöggel und Jugo au grad nit

Nümm Neger und nümm Indianer – jetz bin i chlei verlääge

I weiss drum nit, wie sell i kümpftig eim vo Arschderf säge?

Muser Schang, der Alleinunterhalter.

Muser Schang, der Alleinunterhalter.

Ulrich Fluri

Zur Reizfigur Pierin Vincenz: Der vermeintlich korrupte Raiffeisen-Manager hat bekanntlich eine unrühmliche Karriere hinter sich. Darüber hat Dr Räschtebisser ganz Wichtiges zu erzählen:

Dr Pierin Vincenz goht gärn in Cabaret Als Bänker will är alles gseh

S isch wie uff dr Bank, will dört muesch jo d Hose ammen au abeloh.

Auch die Chirsi Zwetschge haut einen Promi in die Pfanne:

Ich weiss wieso dr Ueli e settig Tryychle wett

will er sälber keini eigne Schälle het.

Im Weiteren lästert die freche Dame:

Dr Waldeburger Schmaalspuurbahn

si d Schine z äng im Grössewahn.

Ihr politisches Thema war dann aber sehr nachdenklich:

In Peking düen d Sportler, die viele,

im Kunstschnee echli Winter spiele.

Ich weiss nit wär die Wettkämpf gwunne het,

aber verlore hei d Uigure und Tibet.

Und zum Schluss noch Papagenos Giftpfeil an die nördlichen Nachbarn:

Dytschland hätti jo soo gärn

wie 54 das Wunder z Bäärn

S kaa z Katar glinge, will sy wisse: kunsch heim, muesch nid d Frau Merkel kisse.

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