Landrat
Waldenburgerli bekommt 15-Minuten-Takt schon zum Neustart Ende 2022

Das Baselbieter Parlament überwies als letzte Amtshandlung des Tages eine Motion an die Regierung. Diese muss nun dafür sorgen, dass die neue Tramlinie schon zum Start einen durchgehenden Viertelstundentakt erhält. Gratis ist dies freilich nicht.

Michael Nittnaus 1 Kommentar
Drucken
Noch ist sie erst eine Visualisierung, die neue Waldenburgerbahn. Doch nun steht fest, dass die BLT-Linie 19 gleich zu ihrem Start ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022 im durchgehenden 15-Minuten-Takt fahren wird.

Noch ist sie erst eine Visualisierung, die neue Waldenburgerbahn. Doch nun steht fest, dass die BLT-Linie 19 gleich zu ihrem Start ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022 im durchgehenden 15-Minuten-Takt fahren wird.

Archiv: Zvg

Das Waldenburgertal hat es als Randregion im Baselbiet oft nicht leicht, sich Gehör zu verschaffen. Heute Donnerstagabend aber gelang es einigen wenigen aus dem Tal stammenden Landrätinnen und Landräten, eine klare Mehrheit des Parlaments zu überzeugen, 800'000 zusätzliche Franken in die öV-Erschliessung des Tals zu investieren. Mit 50 Ja- zu 22 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung überwies der Landrat eine Motion des Niederdörfers Urs Roth (SP). Sie verpflichtet die Regierung, nun dafür zu sorgen, dass bereits zur Wiedereröffnung der Waldenburgerbahn zum Fahrplanwechsel 2022 ein durchgehender Viertelstundentakt eingeführt wird.

Nur 800'000 statt 2,3 Millionen Franken Mehrkosten

Gemäss dem 9. Generellen Leistungsauftrag (GLA) im Bereich öffentlicher Verkehr 2022 bis 2025, den der Landrat vor rund einem Jahr verabschiedet hat, wäre zum Neustart des BLT-Linie 19 genannten WB bloss zu den Stosszeiten ein 15-Minuten-Takt vorgesehen gewesen. Zu den sonstigen Zeiten wäre das Tram nur alle 30 Minuten verkehrt.

Zum Entscheid beigetragen haben dürfte auch, dass die Taktverdichtung laut der Baselland Transport AG - anders als beim 9. GLA kommuniziert - nicht 2,3 Millionen Franken, sondern bloss 800'000 Franken kosten wird. Dies bestätigte Baudirektor Isaac Reber im Rat. Da die ganze Erneuerung der WB-Strecke 325 Millionen Franken kostet, fallen die 0,8 Millionen nicht mehr so ins Gewicht.

Regierung wollte Verdichtung erst per 2026 prüfen

Die Regierung wie auch Teile von SVP und FDP hatten vergeblich dafür plädiert, die Verdichtung erst im Hinblick auf den 10. GLA 2026 bis 2029 zu prüfen, da man dann über mehr Informationen zur Auslastung der WB verfüge. Zudem soll bekanntlich ab Ende 2025 die S-Bahn zwischen Liestal und Basel viertelstündlich verkehren. Eine Abstimmung darauf sei sinnvoll, hiess es auch heute im Rat. Überhaupt warnte Thomas Eugster (FDP, Liestal):

«Die Gelder im öffentlichen Verkehr müssen wir sinnvoll einsetzen. Was wir hier ausgeben, fehlt dann für den 10. GLA an anderer Stelle. Dieses Geld wäre zum Fenster rausgeschmissen.»

Busersatz fährt heute teils sogar alle 7,5 Minuten

Am Ende setzten sich die Befürworter des 15-Minuten-Takts aber durch. Neben mehreren Bekundungen, dass dies eine grosse Chance zur Weiterentwicklung des Tals darstelle, überzeugte auch, dass der momentane Busersatz tagsüber bereits alle 15 Minuten fährt, ja zu Stosszeiten teils sogar alle 7,5 Minuten. Eine Rückkehr zum 30-Minuten-Takt bezeichnete die Waldenburger Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann (FDP) deswegen als klaren Rückschritt.

Und Thomas Noack (SP, Bubendorf) betonte, dass der Fernverkehrstakt in Liestal heute nicht symmetrisch sei, bei einem Halbstundentakt des WB also unattraktive Wartezeiten entstünden: «Mit einem Viertelstundentakt könnte man die Wartezeiten in einem Rahmen halten, den Passagiere akzeptieren dürften.»

Der Ramlinsburger Bálint Csontos wurde gar etwas emotional:

«Ich fahre schon mein ganzes Leben mit dem Waldenburgerli. Der Viertelstundentakt ist eine riesige Chance und es ist wichtig, dass das Tal vom ersten Tag an davon profitieren kann. Ich sage, wenn der Takt kommt, dann wird die WB voll sein.»
1 Kommentar
Thomas Zweidler

15 Minuten Takt. Auf der einen Seite gut - auf der andern Seite: Baselland entwickelt sich immer mehr zur Gross-Stadt. Mehr Häuser, mehr Trams, mehr Autos. Und der ÖV wird die Haus- und Mietpreise in die Höhe treiben. Schneller, besser, mehr Menschen - irgendwann ist mit dem Siedlungdruck auf in BL zuviel zuviel. Zu spät wird die Masse die negativen Folgen für alle bemerken, wenn das so weitergeht.....

Aktuelle Nachrichten