Ruine Pfeffingen
Hier steht es: Das Toi-Toi-WC mit dem spektakulärsten Ausblick

Bei der Sanierung der Ruine Pfeffingen achten die Bauherren auf historische Akkuratesse. So steht sogar die Toi-Toi-Kabine nicht einfach irgendwo, sondern nur wenige Meter neben dem damaligen Abort, wo auch die Burgbewohner ihre Notdurft verrichteten.

Benjamin Wieland
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Die Renovation der Ruine Pfeffingen liegt im Zeitplan.
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Die Arbeiten begannen im vergangenen Frühling, in den Jahren zuvor war das Gelände gerodet worden.
Die südliche Mauer ist fertig; das Baugerüst ist inzwischen an die nördliche Flanke weiter gewandert.
Renovation der Ruine Pfeffingen
Die Arbeiter können so nur wenige Meter neben dem «richtigen» Abort, an dem die früheren Burgbewohner ihre Notdurft verrichteten, «aufs Häuschen».
Im Laufe der Sanierung konnten wertvolle neue Erkenntnisse gewonnen werden. Holzproben zeigten: Der Nordturm ist fast hundert Jahre jünger als bisher gedacht.
Bisher ging man davon aus, dass das einst rund 22 Meter hohe und fünfgeschlossige Gebäude hundert Jahre älter ist.
Wegen der Feuchtigkeit, die in die Wände eindringen konnte, muss die Burg saniert werden.
Bis wieder Schulklassen auf der Ruine Pfeffingen grillieren können, dauert es noch eine Weile.
Die Eröffnung ist erst 2018 geplant. Doch am 24. Mai kann die Baustelle bei öffentlichen Führungen besichtigt werden.

Die Renovation der Ruine Pfeffingen liegt im Zeitplan.

Martin Töngi

Es ist vielleicht nicht das höchstgelegene Toi-Toi-WC-Häuschen der Nordwestschweiz – aber mit Sicherheit dasjenige mit der spektakulärsten Aussicht. Es thront auf der Ruine Pfeffingen, rund 15 Meter über dem Boden, und hätte es ein Fenster, so böte es ein wunderbares Panorama über das Birseck und den Blauen. Benutzt wird das Häuschen von den Arbeitern, die derzeit daran sind, die Gemäuer zu sanieren. Damit sich diese jeweils den Auf- und Abstieg sparen können, setzte man die Toilette kurzerhand auf das Baugerüst.

Gestern wurde das Häuschen plötzlich zum Thema. Der Kanton und die Rofra AG luden zum Medienrundgang auf der Baustelle, um den Stand der Arbeiten zu zeigen. Und da fiel sie halt auf, die Kabine auf dem Baugerüst. So fühlte sich Michael Schmaedecke von der Archäologie Baselland genötigt, auch darüber ein paar Worte zu verlieren. Es stehe nur wenige Meter neben dem «richtigen» Abort, an dem die früheren Burgbewohner ihre Notdurft verrichteten, wusste er den Zuhörern, darunter auch Regierungsrat Urs Wüthrich, zu berichten.

Einer der rund einem Dutzend Arbeiter, die mit der Sanierung der Ruine beschäftigt sind, hörte das und meinte: «Es ist unglaublich. Auch hier wurde darauf geachtet, dass alles seine historische Ordnung hat.»

Zuerst wurde gerodet

Einen aufgeräumten Eindruck macht die gesamte Baustelle. Bereits präsentieren sich grosse Teile des ehemaligen Wohnturms in einem neuen, hellen Mauerkleid. Die südliche Mauer ist fertig; das Baugerüst ist an die nördliche Flanke weiter gewandert. Die Arbeiten begannen im vergangenen Frühling, in den Jahren zuvor war das Gelände gerodet worden.

Im Laufe der Sanierung, für die der Landrat 2010 fast sieben Millionen Franken bewilligt hat, konnten auch wertvolle neue Erkenntnisse gewonnen werden. In den Mauern fanden Archäologen Reste von Holzpfählen. Diese wurden auf ihr Alter untersucht. Das Resultat zeigte, dass der Nordturm in den Jahren 1385 bis 1390 erbaut worden sein muss – bisher ging man davon aus, dass das einst rund 22 Meter hohe und fünfgeschossige Gebäude hundert Jahre älter ist. Die ersten Gebäude wurden vermutlich um 1000 errichtet.

Die Besichtigung am gestrigen regnerischen Tag offenbarte eindrücklich, weshalb die Burg saniert werden muss: die Feuchtigkeit. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wird die Anlage nicht mehr bewohnt – und damit auch nicht mehr unterhalten. Bald fehlte das schützende Dach. Wasser konnte ins Mauerwerk eindringen; im Winter kam es zu Frostsprengungen. Erst 2006 stürzte eine Mauer ein. Grosse Teile der Anlage wurden aus Sicherheitsgründen gesperrt. Aufgabe der Angestellten der Rofra AG, welche grosse Erfahrungen auf dem Gebiet vorweisen kann, ist es, Löcher und Ritzen aufzufüllen. Dafür wird vor allem Mörtel verwendet, stellenweise auch Beton oder Zement.

Bis wieder Schulklassen auf der Ruine Pfeffingen grillieren können, dauert es noch eine Weile. Wegen der erwähnten Gefahr von Frostsprengungen können die Arbeiten nur im Sommerhalbjahr ausgeführt werden. Die Eröffnung ist 2018 geplant.

Tag der offenen Baustelle. Samstag, 24. Mai. 10-16 Uhr. Stündliche Führungen.

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