Festival
Hear&Now: Wo musikalische Grenzen keine Rolle spielen

Am Liestaler Musikfestival trifft Jazz auf Ambient, Klezmer, Noise und den kreativen Wahnsinn eines Frank Zappa. An drei Tagen gehen an verschiedenen Spielorten neun Konzerte über die Bühne.

Marko Lehtinen
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Da wird scharf geschossen: Die Basler Formation Fido Plays Zappa huldigt in Liestal dem amerikanischen Komponisten Frank Zappa.

Da wird scharf geschossen: Die Basler Formation Fido Plays Zappa huldigt in Liestal dem amerikanischen Komponisten Frank Zappa.

Zvg

Es ist keine Selbstverständlichkeit und deshalb umso erfreulicher: Hear&Now geht am Wochenende in Liestal in die dritte Runde. Trotz Corona ist es den Machern gelungen, das Festival nach 2018 und 2020 erneut auf die Beine zu stellen. «Im Bezug auf die Pandemie hatten wir tatsächlich Glück», sagt Mitveranstalter Thomi Weiss. «Die letzte Ausgabe konnte gerade noch stattfinden, bevor es mit Corona losging. Jetzt müssen wir gewisse Massnahmen wie 2G und Masken umsetzen, aber das Festival umfasst nur ein Konzert weniger. Das Budget ist etwas kleiner, wir haben den Event jedoch nicht redimensioniert.»

Neun Konzerte gehen an drei Tagen an vier Orten über die Bühne. Und einmal mehr werden bei Hear&Now die Grenzen des Jazz ausgelotet. «Das Festival ist stilistisch relativ breit gefächert», bestätigt Weiss. «Wie Louis Armstrong schon sagte: Es gibt nur zwei Arten von Musik, gute und schlechte. Genres sind für uns nicht wirklich von Bedeutung.»

Stark im Jazz verwurzelt

In der Kulturscheune gastiert am Freitag das internationale weibliche Quartett Playground4. Seine Musik ist stark im Jazz verwurzelt, prägendes Instrument ist die Querflöte von Stephanie Wagner. Am Samstag geht es an selber Stelle mit dem Duo Doyna weiter. Annette Maye und Martin Schulte haben sich ganz einer modernen Interpretation des Klezmer verschrieben. Am Sonntag schliesslich trifft die Sängerin Elina Duni – sie steht beim deutschen Kultlabel ECM unter Vertrag – in der Kulturscheune auf den Londoner Gitarristen Rob Luft, dessen Spiel unter anderem von westafrikanischen Einflüssen und keltischem Folk durchtränkt ist.

Zwei weitere ECM-Acts treten in der katholischen Kirche auf. Die in Wien lebende ungarische Musikerin Zsófia Boros gibt am Freitag ein Solokonzert an der Gitarre, gefolgt von Larry Grenadier. Der Mann aus San Francisco gilt als einer der herausragendsten Bassisten der internationalen Jazzszene.

Klavier und Stimmhammer

Mit einem weiteren Soloauftritt geht es am Samstag in der Klavierwerkstatt weiter. Der Schweizer Pianist Marc Méan verknüpft Noise, Lo-Fi-Elektronik und Ambient, bevor Things Are Going Down das Publikum in eine perkussiv geräuschvolle Klangwelt aus Klavier und Stimmhammer mitnehmen. Hier steht ein heruntergestimmter Konzertflügel im Zentrum.

In der Hebdi-Boulderhalle stehen die Zeichen am Samstag auf kreativem Wahnsinn, Humor und Virtuosität. Die Basler Formation Fido Plays Zappa widmet sich ganz dem Oeuvre des genialen Komponisten und Rockmusikers Frank Zappa. Das Septett hat bereits sechs Alben veröffentlicht und in ganz Europa vor ausverkauften Häusern gespielt. «Meistens bewegen wir uns an unserem Festival von der Grösse her im Kammerkonzertbereich mit etwa 35 Leuten», sagt Thomi Weiss. «Bei Fido Plays Zappa dürfte nun ein bisschen mehr die Post abgehen.»

Bei der letzten Ausgabe von Hear&Now erschienen doppelt so viele Gäste wie bei der Premiere. Ob es nun wiederum doppelt so viele sein werden wie 2020? «Nein, ich glaube eher, dass die Leute wegen Covid ein bisschen zurückhaltend sind», so der Veranstalter. «Aber wir hoffen natürlich auf möglichst viel Publikum.»

Hear&Now: Liestal, 28. bis 30. Januar 2022.
Klavierwerkstatt Waldhauser, Katholische Kirche,
Kulturscheune, Hebdi-Boulderhalle. https://hearandnow.ch

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