Arisdorf
Ein Fairtrade-Laden kämpft gegen die soziale Kälte

Zwei Arisdörfer wollen künftig Jobs für Arbeitslose, die älter als 55 Jahre sind, schaffen und beginnen mit einem Fairtrade-Laden in Basel. Die Firma «Smoland» verfolgt die Idee des «Swiss fair trading» mit ihrem Sortiment.

Daniel Haller
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Franziska Kaiser (rechts), Inhaberin und Herz des Ladens, und Smoland-Chef Pierre Bayerdörfer mit ihrem noch in der Startphase steckenden Projekt.

Franziska Kaiser (rechts), Inhaberin und Herz des Ladens, und Smoland-Chef Pierre Bayerdörfer mit ihrem noch in der Startphase steckenden Projekt.

Kenneth Nars

«Den Jungen bereitet man Probleme, in den Arbeitsmarkt reinzukommen, und ab 55 - oder immer mehr schon ab 50 - stellt man die Leute auf die Strasse, schickt sie in die IV oder die Sozialhilfe», kritisiert Pierre Bayerdörfer. Die Arbeitslosenquote von 3 Prozent sei eine statistische Verschleierung: Rechne man die Ausgesteuerten und die Sozialhilfeabhängigen dazu, würde man eher von 12 Prozent reden. Diesem «Erfolgsmodell Schweiz» - Bayerdörfer bezeichnet es als «Hohn» - setzt er seine Idee eines «Social Business» entgegen, die er schon vor zwei Jahren in der bz vorstellte.

Damals war er überzeugt, dass er dafür eine halbe Million Franken Kapital auftreiben könne, denn «alle sagen: toll!». Mittlerweile stellt der Arisdörfer ernüchtert fest: «Alle sagen: toll! Aber konkrete Unterstützung haben wir bisher nicht bekommen.»

Zwischen Vision und Praxis

Das könnte nicht zuletzt daran liegen, das Bayerdörfer zwar die Probleme deutlich benennt, wenn man ihn aber nach konkreten Details seines Projekts «JobCHallenge 50 +» - das «CH» absichtlich gross geschrieben - fragt, bleibt er noch recht vage. Ihm ist klar: «Alleine kann ich das nicht machen. Wir benötigen Leute und Geld.» Dass die Pläne noch nicht konkreter sind, stört ihn nicht: «Auch beim Aufbau der Jobfactory ging es darum, zuerst das Problem Jugendarbeitslosigkeit zu benennen und dann Schritt für Schritt etwas aufzubauen.»

Das Sortiment steht

Als Visionär ohne Praxis sieht sich Pierre Bayerdörfer nicht, im Gegenteil: Gemeinsam mit seiner Partnerin Franziska Kaiser gründete er die Firma «Smoland» - der Name bezieht sich auf die schwedische Heimatregion von Astrid Lindgren und Ikea-Gründer Ingvar Kamprad. Sie eröffneten im Dezember einen Laden im Basler Neubad-Quartier, wo sie die Idee des «Swiss fair trading» im Sortiment ausdrücken können.

Da findet man Produkte von Claro und der Mission 21 ebenso wie Kleidung von Switcher, einem Westschweizer Unternehmen, das von der Clean Cloth Kampagne regelmässig positiv beurteilt wird. Daneben bietet Smoland Geschenkkörbe mit «Ämmitaler Ruschtig» an. Die Körbe stammen aus der Behinderten-Heimstätte Bärau bei Langnau und aus dem Blindenheim in Basel.

Weshalb nicht Regionalprodukte aus dem Baselbiet? «Die Emmentaler schaffen es, von Produzenten auf den abgelegenen Höfen bis zu den Läden, die ihre Produkte abnehmen, eine funktionierende Logistik zu organisieren», antwortet Bayerdörfer. «Die anderen Regionen sind noch nicht so weit. Aber wir wären dafür offen.»

Wichtig ist ihm, dass in der ganzen Wertschöpfungskette existenzsichernde Löhne garantiert sind - eine Bedingung, die er selbst verletzt: «Bisher sind wir kaum bekannt und funktionieren nur als Quartierladen mit rund einem Dutzend Kunden täglich.» Da liege es nicht drin, dem Laden einen Lohn für zwei Personen zu entnehmen. Stattdessen hält er sich an seinen «Plan B»: Lebenslängliche Beschäftigung und Bildung garantieren aktive Beteiligung an der Gesellschaft auch im Alter.

Da nun der Laden steht und das Sortiment definiert ist, wollen sich Kaiser und Bayerdörfer auf die Suche nach weiteren Kunden und Absatzkanälen machen. Etwa Firmen, die sinnvolle Kundengeschenke suchen, oder der frisch aufgeschaltete Webshop. 2015 soll dann die Einzelfirma in eine AG umgewandelt und eine Stiftung gegründet werden.

Sich nicht auf den Staat verlassen

Woher dafür das Geld kommen soll, ist noch offen. Vorläufig wirbt Smoland um Mitglieder. Dabei geht es nicht um einen Verein, vielmehr um eine Mitgliedschaft «wie bei Ikea, Migros oder Coop».

Vermutlich würden Wirtschaftsberater ob eines solchen Konzepts den Kopf schütteln. Auch Pierre Bayerdörfer gesteht: «Ich kämpfe etwas gegen Windmühlen.» Zugleich aber ist er überzeugt: «So wie sich die Gesellschaft derzeit entwickelt, laufen wir in eine soziale Zeitbombe. Griechenland, Spanien und Italien sind nicht weit weg. Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, dass möglichst viele Menschen an unserem Projekt teilhaben: ideell, strukturell, materiell und vor allem auch finanziell.»