Weltumsegelung
Ein Ehepaar aus Hersberg erfüllt sich einen Traum: Sieben Jahre im Wind der Weltmeere

Nelly und Peter Moser aus Hersberg erfüllten sich ihren Traum und segelten einmal fast um die Welt. Mit einer 7-jährigen Reise auf dem eigenen Segelboot konnte das Ehepaar seine Sehnsucht stillen. Das Erlebnis war geprägt von Aufs und Abs.

Boris Burkhardt
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Die «Alua» unterwegs auf dem Karibischen Meer nahe des Panamakanals.

Die «Alua» unterwegs auf dem Karibischen Meer nahe des Panamakanals.

zvg

Während der Atlantiküberfahrt mussten sich Nelly (68) und Peter (71) Moser in Drei-Stunden-Schichten abwechseln. Gewöhnlich übernahm sie die letzte Nachtschicht; er stand um 7 Uhr morgens auf und tätigte eine Stunde später den Kontrollfunk mit den Seglern in Reichweite. Um 10 Uhr frühstückten sie zusammen, nachmittags hielt er einen kurzen Mittagsschlaf. Um 18 Uhr gab es das gemeinsame Abendessen; während sie danach schlief, räumte er die Küche auf. In der Nacht wechselten sie sich wieder ab mit Schlafen.

16 Tage dauerte die erste grosse Fahrt über den Atlantik in die Karibik. «Als wir Gibraltar passierten, kam zum ersten Mal das Gefühl auf, in eine andere Welt zu kommen», erinnert sich Nelly Moser. Das jung gebliebene Ehepaar aus Hersberg erfüllte sich zwischen 2010 und 2016 den Traum, mit einem eigenen Segelboot um die Welt zu fahren. Die Reise über den Atlantik war nur der Anfang. Ihre Erlebnisse schrieben die beiden kürzlich in einem Buch nieder (siehe Hinweis).

Nelly und Peter Moser erzählen über ihre Erlebnisse.

Nelly und Peter Moser erzählen über ihre Erlebnisse.

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Eigentlich reicht der Traum in die Achtziger zurück, als Nelly Moser im Familienurlaub auf Korsika sehnsüchtig den Segelschiffen hinterhergeschaut hat. «Das wollte ich auch einmal machen», erzählt sie heute, an einem sonnigen Novembernachmittag, im Wintergarten ihres Hauses in Hersberg. Allzu lange warteten Mosers nicht: Dem ersten Segelkurs auf dem Thunersee 1995 folgte bis 1997 die aufwendige Ausbildung zum Hochseeschein, für den 1'000 Seemeilen mit einem Skipper auf dem Meer nötig sind.

Nach der bestandenen Prüfung charterten Mosers zunächst jeweils für zwei Wochen ein Boot im Mittelmeer. 2004 kauften sie in Dänemark ein gebrauchtes Stahlsegelboot und tauften es «Alua». Doch damit konnten sie noch lange nicht zur geplanten Weltumsegelung starten.

Immer wieder Reperaturen

Im folgenden Jahr brachten Mosers die «Alua» zunächst nach Basel, wo sie das Boot überholten und hochseetauglich mit Radar, Kurzwellenfunk, Wasserentsalzungsanlage und zweitem Anker ausstatteten – das dänische Boot war bis dato nämlich nur auf der Ostsee geschippert.

2007 fuhren Mosers zur ersten Probefahrt im Mittelmeer den Rhein und den Dortmund-Ems- Kanal nach Emden hinunter, wo sie den Mast wieder montierten und entlang der Atlantikküste in die Nähe von Marseille segelten. Dort liessen sie die «Alua» drei Jahre vor Anker liegen, kamen aber immer wieder für Reparaturen zurück.

«An einem solchen Schiff stehen immer wieder Reparaturen an», erklärt Peter Moser und meint weiter: «Der Verschleiss auf dem Meer ist enorm. Über Wochen ist das Schiff Salz, Sonne und Wellen bis zu acht Metern ausgesetzt.» Selbst als die «Alua» Ende September 2010 endlich zur ersten Etappe der Weltumseglung startete, musste noch in Frankreich erst einmal das Bordklo ausgewechselt werden.

Eindrückliche Nächte und schwappendes Wasser im Lavabo

«Sieben Tage am Stück sahen wir kein anderes Schiff», hält Nelly Moser fest. Die Kommunikation mit den Angehörigen daheim war nur über E-Mail via Kurzwellenmodem möglich. Auf dem Boot war es eng, die Müdigkeit ein ständiger Begleiter. Das Schiff war in konstanter rollender Bewegung: Es segelte im Passatwind, die Wellen überholten es unaufhörlich von hinten und nahmen es ein Stück weit mit.

«Das Wasser im Lavabo schwappte vor und zurück», erinnert sich Nelly Moser und lacht. Ebenso sind ihr aber die «wunderschönen Nächte» im Gedächtnis geblieben: «Oben die Sterne, wie man sie hier gar nicht mehr sieht, und unten Tausende von Metern Wasser.»

Obst und Gemüse waren für die erste Woche vorrätig, danach gab es vor allem Teigwaren, Dosenfrüchte, Käse, Räucherwurst – und bei Anglerglück frischen Fisch. Das Schiff war mit einem Kühlschrank, aber keinem Gefrierfach ausgestattet. Nelly Moser backte eigenes Brot.

Zurück für Hochzeit des Sohnes und Geburt des Enkels

Zwei Jahre blieben Mosers in der Karibik und kehrten nur zur Hochzeit ihres Sohnes und zur Geburt des ersten Enkels nach Hersberg zurück. Anfang 2013 wechselten sie über den Panamakanal in den Pazifischen Ozean und starteten die zweite grosse Etappe von den Galapagosinseln über Französisch- Polynesien, Tonga, Fidschi und Neukaledonien nach Australien.

Nelly Moser war oft seekrank. Nach der 23-tägigen Überfahrt war sie froh, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. «Ganz besonders war, die anderen Segler, die wir bis anhin nur über Funk kannten, persönlich zu treffen», sagt sie. Auch die Begegnungen mit den Einheimischen beeindruckten sie sehr.

Als «Alua» ihren Zweck getan hatte

In Australien lebte das Baselbieter Ehepaar anderthalb Jahre auf der «Alua» in einer kleinen Marina. «Der Kauf eines Segelboots lohnt sich nur, wenn man auch darauf lebt», sagt Nelly Moser. Zweimal erkundeten die beiden auf Landreisen mit dem Auto Australien. Im Winter 2013/14 kamen sie noch einmal zur Geburt des zweiten Enkels zurück.

Sohn und Schwiegertochter bewohnten unterdessen das Haus in Hersberg. Die Grosseltern jedoch blieben bis März 2016 am anderen Ende der Welt, segelten die Nordküste Australiens entlang, durch die Timor-See und besuchten viele Inseln Indonesiens, Malaysias und Thailands.

Auf die geplante Rückfahrt ins Mittelmeer über den Indischen Ozean und den Suezkanal verzichteten sie: Das Risiko war wegen der Piraten am Horn von Afrika und dem Krieg im Jemen zu gross. Mosers liessen das Schiff auf einem Frachter in die Türkei bringen und beendeten ihre fast vollzogene Weltumseglung an den Küsten Griechenlands, Italiens und Frankreichs.

Im Juni 2017 verkauften sie die «Alua» wieder, die nun ihren Zweck getan hatte: Nelly Mosers Sehnsucht und der gemeinsame Traum mit ihrem Mann hatten sich erfüllt.

Hinweis

Nelly und Peter Moser haben ihre Erlebnisse und Erfahrungen im Buch «Umspült und aufgewühlt» festgehalten, das im Basler IL- Verlag erschienen ist. Weitere Informationen auf www.alua.ch.