Birsfelden
Dino-Show blockiert Teile der Kraftwerksinsel – und das ist wohl erst der Anfang

Spielende Kinder bringen kein Geld. Die Kraftwerk Birsfelden AG will ihre Grünflächen künftig vermehrt kommerziell vermieten. Dies ist derzeit mit der Dinosaurier-Ausstellung im obersten Teil der Insel bereits der Fall und stösst auf Kritik.

Samuel Hufschmid
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Dieses Bild vom vergangenen Sonntagnachmittag zeigt viele Dinos, aber keine Besucher im abgesperrten Teil der Kraftwerkinsel in Birsfelden.

Dieses Bild vom vergangenen Sonntagnachmittag zeigt viele Dinos, aber keine Besucher im abgesperrten Teil der Kraftwerkinsel in Birsfelden.

Samuel Hufschmid

Der oberste Drittel der Kraftwerkinsel ist seit Ende März komplett abgeriegelt – nur wer 16 Franken hinblättert, kommt rein und in den Genuss von «55 Dinosaurier-Modellen in Lebensgrösse», wie der Veranstalter seine Ausstellung bewirbt. Familien mit maximal zwei Kindern bezahlen 38 Franken, jedes weitere Kind kostet sechs Franken. Sascha Jäger, Direktor der Kraftwerk Birsfelden AG und damit Vermieter des Grundstücks, sagt: «Mit solchen Anlässen kommen wir dem Bedürfnis der Gesellschaft nach abwechslungsreichen Angeboten nach. Die durchaus positiven Rückmeldungen bestätigen den grossen Anklang in der Bevölkerung.»

Von «durchaus positiven Rückmeldungen» kann hingegen kaum die Rede sein, wenn man sich auf der Insel umhört. Der durchgehende Absperrzaun mit Sichtschutz wird von vielen Passanten als Zumutung empfunden. Auch bei der Gemeindeverwaltung Birsfelden sind mehrere Klagen gegen die Kommerzveranstaltung eingegangen und Gemeindepräsident Christof Hiltmann musste sich ebenfalls bereits entsprechende Kritik anhören. Und im «Birsfelder Anzeiger» erschien jüngst ein Leserbrief zweier Familien, die sich öffentlich darüber beklagten, dass der «Mauerbau zu Birsfelden» den schönen Spaziergang zur Spitze «unseres kleinen Paradieses» sowie das Spielen mit Kindern bei der Sandbank im Rhein verhindere.

Dabei dürfte die «Dinoworld» nur der Anfang sein, wie vier unabhängige, gut unterrichtete Quellen der bz übereinstimmend berichten. Hinter der Vermietung steckt demnach ein Strategiewechsel der Kraftwerk AG, die Kosten der Grünflächenbewirtschaftung durch zusätzliche Einnahmen zumindest zu decken – oder durch Absperren von Teilen der Insel kostentreibende Faktoren wie volle Abfallkübel gleich ganz zu verhindern. Dafür spricht auch der Fakt, dass die goldenen Zeiten für Wasserkraftwerke vorbei sind und der kommerzielle Druck zunimmt.

Kein Kommentar zur Strategie

Von einer solchen Strategie-Änderung will Kraftwerk-Direktor Jäger nichts wissen. Mit den Informationen der bz konfrontiert, beendet er das Gespräch und kommuniziert lediglich via schriftlicher Stellungnahme. Darin macht er deutlich, dass sich die Inselanlage im Privatbesitz der Kraftwerk Birsfelden AG befinde, die die Insel der Öffentlichkeit zur freien Verfügung stelle. Die Kosten für Unterhalt und Pflege der Grünanlagen würden von der Stadtgärtnerei Basel und von der Gemeinde Birsfelden durchgeführt, «zu Lasten des Kraftwerks», wie Jäger schreibt. Im Falle der Abgeltung an Birsfelden handelt es sich gemäss Gemeindeverwalter Martin Schürmann um einen tiefen fünfstelligen Betrag, der auf Anfang 2017 nach unten angepasst wurde.

Kraftwerk in Kantonsbesitz

Auch Gemeindepräsident Hiltmann stellt klar, dass die Insel dem Kraftwerk gehöre und dass dieses eine öffentliche Nutzung auf privatem Grund ermögliche. «Es steht dem Eigentümer frei, Teile seines Grundstücks anderswertig zu verwenden – was nicht immer im öffentlichen Interesse sein muss.» Die Dino-Ausstellung habe der Gemeinderat aber grundsätzlich unterstützt und eine Lagebesprechung nach Abschluss der Veranstaltung mit dem Kraftwerk Birsfelden ausgemacht, an dem die Anliegen der Bevölkerung eingebracht würden. «Dass der Anspruch der Bevölkerung an ein Unternehmen, das zu Dreivierteln in Kantonsbesitz ist, bezüglich öffentlicher Nutzung etwas weiter geht als bei Privatfirmen, ist klar», sagt Hiltmann.

Tatsächlich sind die Industriellen Werke Basel (IWB) mit 50 Prozent und der Kanton Baselland mit 25 Prozent Hauptaktionäre des Kraftwerks – IWB-Sprecher Lars Knuchel weist dennoch jegliche Verantwortung von sich: «Für die operative Führung ist die Geschäftsleitung des Kraftwerks zuständig. Als Aktionärin begrüsst die IWB grundsätzlich Bemühungen, die einer Verbesserung der Ertragslage dienen.»

Für den Basler SP-Grossrat René Brigger ein Affront: «Die IWB müsste nicht betriebsnotwendige Grundstücke einem erweiterten öffentlichen Zweck zukommen lassen und nicht kommerziell vermieten», sagt er. Die derzeit laufende und von Brigger mitinitiierte Anpassung des Mehrwertabgabefonds würde es Basel-Stadt künftig sogar ermöglichen, Erholungszonen auch ausserhalb des Kantonsgebiet finanziell zu unterstützen – beispielsweise jene auf der stadtnahen Kraftwerkinsel.

Die Inselspitze sowie der bei Familien beliebte Zugang zur Bade-Sandbank bleiben diesen Sommer auf jeden Fall den zahlenden Kunden vorbehalten. Und zwar nicht nur wie ursprünglich angekündigt bis am 2. Juli, sondern bis Ende August. Bis zu diesem Datum ist die Dino-Ausstellung nämlich unlängst verlängert worden.