Beinwil
Der Jakobsweg vor unserer Haustür ist jetzt beschildert

Unter der Ägide des Klosters Beinwil haben Freunde des Jakobsweges CH den Baslerweg, den Teil des Jakobsweges von Basel bis Solothurn, mit Tafeln unter dem Zeichen der Jakobsmuschel ausgeschildert.

Roland Bürki
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Gut ein halbes Jahr haben sie geplant, koordiniert und montiert, Bruder Christoph vom Kloster Beinwil (l.) und der erfahrene Pilger Toni Bischofberger von den Freunden des Jakobsweges CH.

Gut ein halbes Jahr haben sie geplant, koordiniert und montiert, Bruder Christoph vom Kloster Beinwil (l.) und der erfahrene Pilger Toni Bischofberger von den Freunden des Jakobsweges CH.

Roland Bürki

«Ich bin dann mal weg» – In seinem Bestseller beschreibt einer der bekanntesten Jakobsweg-Pilger, Hape Kerkeling, seine paar hundert mit leidenden Füssen absolvierten Kilometer zwischen dem französischen Grenzort Saint-Jean-Pied-de-Port und der Kathedrale von Santiago de Compostela. Dort, wo in einem silbernen Schrein die Reliquien des Apostels Jacobus liegen sollen. Viele, ja sehr viele Leute verstehen unter dem Jakobsweg lediglich diesen von Kerkeling beschriebenen Teil, den beliebtesten aller Jakobswege, den «Camino Francés», der sich über eine lange Strecke von 800 Kilometern durch die spanische Landschaft dahinzieht.

«Tatsächlich besteht der Jakobsweg aber aus einem ganzen Netz von Wegen, das sich durch ganz Europa erstreckt. Ein altes Pilgersprichwort sagt: Der Jakobsweg beginnt vor deiner Haustür. Das kann der Münchensteiner Toni Bischofberger nur unterschreiben, der nach einem Burnout 2003 zu Hause startete, etappenweise jedes Jahr unterwegs war, bis er 2007 den letzten Teil von Pamplona bis zur Kathedrale von Santiago und weiter bis Finisterre, dem Ende der Welt, zurücklegte. «Seit dem Mittelalter wandern Menschen der Jakobsmuschel nach, in Richtung Santiago de Compostela», fügt Bruder Christoph von der Ökumenischen Gemeinschaft des Klosters Beinwil bei.

Die alten Wege hätten sich nicht viel verändert, dafür aber die Motive, diesen Weg zu gehen. «Heute geht es eher weniger um Frömmigkeit, sondern um Bewältigung von Lebenskrisen, Auszeit, Erholung oder Spiritualität», so Bruder Christoph.

Viel freiwilliges Engagement

Zwei Hauptjakobswege von Konstanz und Rorschach nach Genf vereinen sich unterwegs mit andern Jakobswegen wie etwa mit jenem von Schwarzwald-Blumberg oder dem «Baslerweg», der von Basel nach Solothurn und Bern führt. Einzelne Pilgervereine und Pilgerzentren wie das Kloster Beinwil sorgen ehrenamtlich für den Wegunterhalt, publizieren Unterkunftsverzeichnisse, betreiben Pilgerherbergen oder informieren über das Pilgern.

Spezielle Info-Tafeln unter der Jakobsmuschel und dem Titel «Via Jacobi + Schweizer Jakobsweg, der Pilgerweg durch die Schweiz nach Santiago de Compostela» geben mit Kartenausschnitt und Kilometerangaben Auskunft über die Distanzen bis zur Kathedrale in Santiago. Seit September 2016 hat sich das Kloster Beinwil zusammen mit den Freunden des Jakobsweges CH um die Beschilderung des historischen Baslerweges bemüht, der von Basel über Grellingen, Kaltbrunnental, Meltingerberg, Beinwil, Hohe Winde, Weissenstein, Solothurn, Bern bis Lausanne führt.

Da mussten Tafeln bestellt und später montiert werden, Tafelstandorte ausgewählt und mit Behörden und Tourismusorganisationen abgesprochen, wie Bischofberger und Bruder Christoph eindrucksvoll schildern. Zwölf Tafeln in Basel St. Jakob, Aesch Dorf, Grellingen Bahnhof, Meltingen Brücke, Beinwil Kloster, Welschenrohr Dorf, Weissenstein und in Solothurn (fünf Tafeln) säumen nun den Weg, den der isländische Mönch Niklas von Munkathvera anno 1155 als Pilger beschritt, wie er in seinem «Itinerar» oder Reisejournal beschreibt.

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