Birsfelden
Wegen zehn Stimmen: Zentrumsüberbauung scheitert an der Urne

Seit vielen Jahren ist man sich in Birsfelden einig: Der Ortskern soll bebaut werden. Doch nach zehnjähriger Planung lehnten die Stimmberechtigten ein Projekt knapp ab.

Michel Ecklin
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Bleibt im Projektstadium: Die Zentrumsüberbauung Birsfelden

Bleibt im Projektstadium: Die Zentrumsüberbauung Birsfelden

Visualisierung: Nightnurse Images

Südumfahrung Elba, Tramneubaustrecke Margarethenstich, Querspange Langmattstrasse in Oberwil, neues Zentrum in Oberwil, Veranstaltungshalle Dom in Aesch, Quartier Van Baerle in Münchenstein, Tramverlängerung nach Salina Raurica: In den vergangenen Jahren sind im Baselbiet zahlreiche grössere Bauprojekte an der Urne gescheitert.

Und seit Sonntag ist auch die Zentrumsplanung Birsfelden in dieser Reihe zu nennen, allerdings nur aufgrund eines sehr knappen Ergebnisses. 1391 Stimmberechtigte lehnten die Überbauung im Ortskern ab, 1381 sprachen sich dafür aus. Gerade mal zehn Stimmen gaben den Ausschlag, dass die über 200 Wohnungen und die diversen Gassen und Plätze nicht erstellt werden.

In Birsfelden diskutiert man schon seit über einem halben Jahrhundert über eine Umgestaltung des Zentrums. So nahe an der Umsetzung war ein Projekt aber noch nie. Noch im vergangenen Dezember hatte die Gemeindeversammlung deutlich grünes Licht dafür gegeben, und in den vergangenen Wochen hatten sich fast alle Birsfelder Parteien dafür ausgesprochen.

Die Gegner ihrerseits hatten kritisiert, die Überbauung sei zu dicht und es verschwinde zu viel Grünraum - ähnlich wie bei anderen abgelehnten Wohnüberbauungen im Kanton. Dass ein Mal mehr im Baselbiet ein grösseres Bauvorhaben abgelehnt worden sei, könne man als schlechtes Omen für zukünftige Projekte auffassen, sagte Gemeindepräsident Christof Hiltmann.

«Wir hatten in Birsfelden aber ein immenses Projekt, das jetzt mit einem Zufallsmehr abgelehnt worden ist. Ich würde nicht so weit gehen zu behaupten, dass grosse Projekte generell unmöglich geworden sind.»

Das Resultat in Birsfelden ist aber nicht als kategorisches Nein gegen die Bebauung des Zentrums zu verstehen, darüber sind sich Gegner und Befürworter einig. «Als wir auf der Strasse mit den Leuten sprachen, haben wir gemerkt, dass fast niemand komplett gegen eine Überbauung war», sagt Sacha Truffer vom Pro-Komitee. «Die Leute fanden das Projekt aber zu dicht.»

Das sieht er jetzt auch als Ansatz dafür, «möglichst schnell eine neue Variante auszuarbeiten». Denn:

«Gerade weil es knapp war, muss etwas gehen.»

Das deckt sich durchaus mit dem, was Hans-Peter Moser sagt, der federführend war beim Ergreifen des Referendums. Für ihn ist klar: «Jetzt müssen wir das Projekt neu aufgleisen, zusammen mit dem Volk und dem Gemeinderat.» Viele hätten Nein gestimmt, weil sie weniger Dichte gewollt hätten, sähen aber die Notwendigkeit, dass etwas gehen müsse. «Es ist gut, dass wir nochmals die Chance haben, etwas zu entwickeln, das der ganzen Bevölkerung dient.»

Allerdings stellt sich die Frage, wann das der Fall sein wird. Als im vergangenen September Münchenstein das neue Quartier Van Baerle ablehnte, forderten die Gegner rasch eine abgespeckte Variante. Der Gemeinderat sah dafür keine Möglichkeit, und es ist bisher auch kein neuer Planungsschritt bekannt geworden. Dasselbe lässt sich über das abgelehnte Oberwiler Zentrum sagen.

In Birsfelden droht nun ein ähnlicher Stillstand. «Der Gemeinderat wird das Resultat erstmal auf sich wirken lassen», sagte Gemeindepräsident Hiltmann. Und dann wolle man Gespräche führen und eine Auslegeordnung vornehmen.

«Allenfalls gibt es Lösungen, die mittelfristig umsetzbar sind. Aber es ist schon die Gefahr da, dass die Planung nicht so rasch wieder los geht.»

Was es trotz des knappen Resultats wahrscheinlich nicht geben wird, ist eine Nachzählung. Weder Hiltmann noch Truffer sehen einen Anlass dafür, eine solche zu fordern. Truffer: «Wir wissen, dass das Wahlbüro immer gute Arbeit leistet.»

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