SBB-Vierspurausbau
Auf Liestal kommt noch einiges zu: «Glücklich bin ich, wenn der IC6 nach Bern zweimal in Liestal hält»

Der SBB-Vierspurausbau wird auch in den nächsten Monaten Tag und Nacht belasten. Unklar ist, wie viele Schnellzüge künftig halten.

Andreas Hirsbrunner
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SBB-Vierspurausbau

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Das zeitliche Zusammentreffen ist zufällig: Am Mittwoch erhalten alle Liestaler Haushaltungen ein Informationsschreiben der SBB zu den nächsten Arbeiten rund um den Vierspurausbau. Vor ein paar Tagen beantwortete die Regierung einen Landratsvorstoss zu den künftigen Schnellzugshalten in Liestal. Zumindest emotional haben die beiden Papiere aber einen Zusammenhang: Manch einer dürfte die happigen Belastungen besser ertragen, wenn gute Schnellzugsverbindungen in die Restschweiz winken.

Luzern ist verloren, Bern lässt hoffen, Zürich ist gut

Doch das ist in der Schwebe und die Regierung äussert sich nur zurückhaltend. Dazu muss man vorausschicken: Liestal hat heute stündlich drei Schnellzugshalte Richtung Mittelland. So wartet je ein Zug Basel-Bern, Basel-Luzern und Basel-Zürich im Kantonshauptort. Mit dem Angebotskonzept 2025 entfällt jener nach Luzern und man muss in Zofingen umsteigen. Immerhin bleibt er aber bis 2035, dem nächsten grossen Ausbauschritt der SBB, als Schnellzug bis Olten respektive Zofingen bestehen, dann fällt er ganz weg.

Das löste teils geharnischte Reaktionen im kommunalen, kantonalen und eidgenössischen Parlament aus. Eine davon war das Postulat der landrätlichen Bau- und Planungskommission (BPK), das Urs Kaufmann als deren Präsident letztes Jahr einreichte. Die Direktverbindung nach Luzern scheint aber nicht mehr zu retten sein, wie indirekt aus der Antwort hervor geht – die Regierung äussert sich schon gar nicht mehr dazu. Dafür will sie sich für einen Halt des zweiten stündlichen Schnellzugs von Basel nach Bern (und umgekehrt) in Liestal ab 2035 einsetzen, wenn auch mit Bedenken wegen gefährdeter Anschlüsse in Basel. Die SBB sollen das nun vertieft prüfen, so die regierungsrätliche Stossrichtung. Diesen zusätzlichen Halt brachte das Zürcher Planungsbüro ins Spiel, das die Stadt Liestal wegen der Komplexität der Materie mit einer Studie beauftragt hatte.

«Damit wären wir super angebunden an die übrige Schweiz»

Deshalb die Frage an Stadtpräsident Daniel Spinnler: Sind Sie zufrieden mit der Regierungsantwort? «Ja, ich bin zufrieden, dass der Kanton sich für die gemeinsamen Interessen einsetzt. Glücklich bin ich, wenn der IC6 nach Bern auch tatsächlich zweimal in Liestal hält.» Wäre das der Fall, hätte Liestal ab 2035 vier stündliche Schnellzugshalte: zwei nach Bern und zwei nach Zürich; der zweite nach Zürich ist bereits beschlossen. Spinnler: «Damit wären wir super angebunden an die übrige Schweiz.»

Zurückhaltender äussert sich BPK-Präsident Urs Kaufmann zur Regierungsantwort. Seine Kommission wolle sich nun mit Liestal austauschen, wie es weitergehen soll. Es gebe noch viele offene Fragen.

Arbeiten und Rücksicht auf Anwohner unter einen Hut bringen

Während die künftigen Schnellzugshalte also in der Schwebe sind, sind die Beeinträchtigungen von Liestals Bevölkerung durch den Vierspurausbau allgegenwärtig. Als grosse Brocken stehen in den nächsten Monaten der Fertigbau diverser Stützmauern eingangs Oristal, an der Wiedenhubstrasse und im Kreuzboden sowie die Erstellung der Hangsicherungswände im Burggraben an. Daneben werden diverse Brücken verbreitert, zwei neue Bahntechnikgebäude für SBB und Waldenburgerbahn (WB) gebaut und das neue Gemeinschaftsperron von SBB und WB inklusive Zugänge in Angriff genommen. Das alles bedingt auch etliche Nachteinsätze.

Die grösste bauliche Knacknuss sei, die Arbeiten mit dem Bahn- und Strassenverkehr unter einen Hut zu bringen und gleichzeitig auf die Anwohner bestmöglich Rücksicht zu nehmen, sagt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi.