Ambulantes Operationszentrum
Ab 2023 ein neues Spital auf dem Bruderholz, aber kein Abriss des alten

Nach dem Schiffbruch der grossen Spitalfusion vermeldet das Kantonsspital Baselland neue Pläne für den Standort Bruderholz. Wer jetzt den ganz grossen Neubau-Wurf erwartet, wird enttäuscht. Es geht um etwas anderes.

Bojan Stula
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Kantonsspital Baselland und Hirslanden Klinik Birshof wollen künftig genau untereinander absprechen, welche Operationen im neuen Opera-Zentrum durchgeführt werden. Hier das Bild einer Operation im Bruderholzspital im Mai 2017.

Kantonsspital Baselland und Hirslanden Klinik Birshof wollen künftig genau untereinander absprechen, welche Operationen im neuen Opera-Zentrum durchgeführt werden. Hier das Bild einer Operation im Bruderholzspital im Mai 2017.

Juri Junkov

Es ist eine bemerkenswert schwammige Medienmitteilung, mit der das Kantonsspital Baselland (KSBL) und die Zürcher Hirslanden-Spitalgruppe am Donnerstagmorgen aufwarten: Im Rahmen ihrer seit 2019 bestehenden Partnerschaft planen das KSBL und die Hirslanden-Birshofklinik ein gemeinsames neues ambulantes Operationszentrum auf dem Bruderholz.

Dieses soll den Namen «Opera» tragen und neben orthopädischen auch für andere chirurgische Eingriffe zur Verfügung stehen. Sowohl Hirslanden-CEO Daniel Liedtke als auch KSBL-Verwaltungsratspräsidentin Madeleine Stöckli loben das gemeinsame Projekt in den höchsten Tönen. Dieses schaffe für alle Patientinnen und Patienten «grossen Mehrwert» sowie für die Ärzteschaft ein «hochqualitatives Umfeld». Gemeinsames Ziel sei «die medizinische und wirtschaftliche Qualitätsführerschaft im ambulanten Operieren im Kanton Basel-Landschaft».

Doch weder über den genauen Zeitplan noch über die Kosten sind in der Mitteilung irgendwelche Angaben enthalten. Zur Gestaltung des Neubaus erfolgt immerhin die Angabe, dass «dank modularer Bauweise der Bau – den Trend zur zunehmenden Ambulantisierung antizipierend – im Bedarfsfall schnell, wirtschaftlich und nachhaltig erweitert werden» könne.

Für das alte Bruderholzspital bestehen andere Pläne

Der Opera-Neubau tangiert das 1973 eröffnete Bruderholzspital baulich nur am Rande.

Der Opera-Neubau tangiert das 1973 eröffnete Bruderholzspital baulich nur am Rande.

Kenneth Nars / BLZ

Wer also vom neuen, hypermodernen Spital auf dem Bruderholz träumt, welcher den alten Kasten mit Baujahr 1973 ersetzt, dürfte enttäuscht sein. Auf Nachfrage erklärt KSBL-CEO Norbert Schnitzler, im Rahmen des Opera-Neubaus seien zwei bis drei Operationssäle mit der dazugehörenden Infrastruktur vorgesehen. Unter diese fallen etwa Aufwachräume, von welchen aus Patientinnen und Patienten nach kurzer Erholungszeit wieder nach Hause gehen können. Laut Hirslanden-Sprecherin Claudia Morach soll die neue Anlage frühestens im ersten Quartal 2023 eröffnet werden. Für Kostenangaben irgendwelcher Art sei es noch zu früh, ergänzt KSBL-Sprecherin Anita Kuoni.

Ausdrücklich nicht Teil von Opera ist hingegen eine Umnutzung des bestehenden Bruderholzspitals, die über das bereits seit längerem bekannte Projekt Fokus hinausgeht. Man müsse hier in Zukunft klar zwischen dem KSBL-Spitalstandort Bruderholz und dem neuen ambulanten KSBL/Hirslanden-Operationszentrum Opera unterscheiden, betont Kuoni.

Die Fokus-Strategie wurde 2019 von Regierung und Landrat abgesegnet. Diese sieht vor, dass sich der KSBL-Standort Bruderholz künftig auf Orthopädie, Rehabilitation, Altersmedizin, Schmerztherapie und einen 24-Stunden-Notfall konzentriert. Eine Intensivstation würde es demzufolge nur noch im Kantonsspital Liestal geben. Ende vergangenen Jahres führte CEO Schnitzler jedoch in der bz aus, dass es angesichts der Erfahrungen mit der Covid-19-Pandemie durchaus eine Überlegung wert sei, auch im Bruderholz weiterhin eine Intensivstation zu führen.

Zu Beginn der ersten Coronawelle im März 2020 machten KSBL und Kanton aus dem Bruderholz ein Coronareferenzspital samt spezialisierter Intensivstation. Im Hinblick auf die zweite Welle stellte das Bruderholz gemäss überarbeitetem kantonalem Krisenkonzept 50 Coronapflegebetten und zehn Intensivbetten, davon acht mit Beatmungsgerät.

Hirslanden-Angebot im Birshof bleibt bestehen

Die Birshofklinik in Münchenstein gehört zur Hirslanden-Gruppe, die Ende 2019 mit dem Kantonsspital Baselland eine Kooperation eingegangen ist.

Die Birshofklinik in Münchenstein gehört zur Hirslanden-Gruppe, die Ende 2019 mit dem Kantonsspital Baselland eine Kooperation eingegangen ist.

Archiv BLZ

Die Detailplanungen, wie im Rahmen eines Masterplans eine Modernisierung und Umgestaltung der heutigen Spitalinfrastruktur Bruderholz vorgenommen werden soll, seien «am Laufen», erklärt Kuoni. Gemäss früherer Aussagen könnten hierbei durchaus gewisse Gebäudeteile der Abrissbirne zum Opfer fallen. Im Rahmen dieses Masterplans würden nun auch der genaue Perimeter und Machbarkeitsstudien für das neue Opera-Gebäude evaluiert.

Ebenso wenig soll Opera grössere Veränderungen am Hirslanden-Standort Birshof in Münchenstein nach sich ziehen.

«Der Standort und das Angebot der Hirslanden Klinik Birshof bleiben bestehen. Es ist keine Integration der Klinik im Bruderholz geplant»,

sagt Hirslanden-Sprecherin Morach. Im Rahmen von Opera soll in enger Abstimmung mit der Klinikleitung und Ärzteschaft erarbeitet werden, «welche ambulanten Operationen im Opera Baselland und welche an den jeweiligen Spitalstandorten durchgeführt werden».

Der Basler Gesundheitsdirektor gibt sich gelassen

Entsprechend gelassen, zumindest gegen aussen, gibt sich der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP) auf diesen vermeintlichen Baselbieter-Zürcher Grossangriff auf den regionalen ambulanten Operationsmarkt:

«Der Kanton Basel-Stadt steht den Bemühungen zur Stärkung der ambulanten Medizin in der Region ganz allgemein positiv gegenüber. Die aktuell laufende Spitalplanung ist von Opera Baselland nicht betroffen, da sich diese lediglich auf stationäre Eingriffe beschränkt.»

Weitaus heftiger reagiert dagegen die Basler SP-Nationalrätin und kantonale Gesundheitskommissionspräsidentin Sarah Wyss, die die Überkapazitäten, welche mit Opera geschaffen würden, im Kurznachrichtendienst Twitter geisselte: «Überkapazitäten sind nicht nur gesundheitspolitischer Schwachsinn, sondern kosten die KK-Prämienzahlenden und Steuerzahlenden – und fördern die Gesundheit nicht – im Gegenteil.»

Engelberges Baselbieter Amtskollege Thomas Weber (SVP) seinerseits begrüsst die Opera-Pläne «ausdrücklich» und sei auch darüber im Vorfeld informiert worden:

«Aus Eigentümersicht entspricht der Entscheid des Verwaltungsrats der genehmigten Strategie Fokus, und aus Versorgungssicht entspricht er dem Grundsatz ‹Ambulant vor Stationär›.»